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Hessen will würdiges Gedenken für Opfer an der Odenwaldschule

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Von: Pitt von Bebenburg

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Gebäude der Odenwaldschule sind am 09.07.2015 in Ober-Hambach (Hessen) bei Heppenheim hinter einer Wiese zu sehen.
Gebäude der Odenwaldschule, fotografiert im Jahr 2015, als die Schule schloss. © Uwe Anspach/dpa

In Hessen könnte es ein Mahnmal für die Opfer des Missbrauchs an der Odenwaldschule geben – aber sie sollen selbst über die Form entscheiden.

Heppenheim – Im Hessischen Landtag macht sich eine breite Mehrheit für ein würdiges Gedenken an die Opfer des sexuellen Missbrauchs an der Odenwaldschule stark. Unklar ist aber, welche Form dieses Gedenken annehmen soll.

Der Grünen-Sozialpolitiker Marcus Bocklet zeigte sich optimistisch, dass mit dem Bau eines Mahnmals auf dem ehemaligen Schulgelände in Heppenheim in diesem Jahr begonnen werden könne. Das Geld für eine Beteiligung des Landes stehe bereit.

Mahnmal für Opfer an der Odenwaldschule: Verständigung erhofft

Opfergruppen hatten allerdings unterschiedliche Ansichten zu den Mahnmalplänen geäußert. Mehrere Abgeordnete betonten daher, dass eine Verständigung zwischen den Gruppen Voraussetzung für eine Lösung sei. „Ich frage mich, ob es geschickt ist, wenn von politischer Seite jetzt versucht wird, Einfluss zu nehmen“, mahnte die SPD-Abgeordnete Karin Hartmann.

Der Hessische Landtag hatte in der vergangenen Woche auf Antrag der AfD über das Thema diskutieren wollen. Die Debatte war aber wie viele andere angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine abgesetzt worden. Auf Anfrage der FR bekannten sich die Fraktionen zu einem würdigen Gedenken.

Odenwaldschule

Mehr als 500 Schülerinnen und Schüler sind von den 1960er bis in die 1990er Jahre Opfer sexuellen Missbrauchs an der Odenwaldschule in Heppenheim geworden. Zu diesem Ergebnis kamen wissenschaftliche Studien.

Der sexuelle Missbrauch war durch einen Bericht der FR 1999 ans Tageslicht gekommen und seit 2010 aufgearbeitet worden. 2015 schloss die 1910 gegründete Internatsschule. pit

Die kinderpolitische Sprecherin der CDU, Sandra Funken, hob hervor, ihre Fraktion stehe an der Seite der Opfer. „Gerade deshalb wollen wir in den laufenden positiven Prozess nicht durch politische Zwischenrufe aus Wiesbaden eingreifen“, fügte sie hinzu.

Gedenken für Opfer an der Odenwaldschule: Die Grünen begrüßen die Idee

„Wir Grünen begrüßen die Idee eines großen und sichtbaren Mahnmals in der Mitte des ehemaligen Schulgeländes der Odenwaldschule zum Gedenken an die vielen Hundert Opfer sexueller Gewalt über Jahrzehnte“, sagte Marcus Bocklet. Der FDP-Bildungspolitiker Moritz Promny versprach, sich dafür einzusetzen, „dass auf die Frage des Gedenkortes und eines neuen Mahnmals für die Opfer der Odenwaldschule eine würdige Antwort gefunden wird“. Politik könne dabei vermitteln.

Die Linken-Sozialpolitikerin Christiane Böhm betonte, über ein mögliches Mahnmal müssten die Opfergruppen entscheiden. Die Landesregierung müsse moderieren und sich an der Finanzierung eines Mahnmals beteiligen, ergänzte sie.

Mahnmal an der Odenwaldschule: AfD wettert gegen Reformpädagogik

Die AfD forderte in ihrem Antrag eine „würdige Erinnerung an die Opfer der pädosexuellen Gewalttaten“, ohne sich auf eine bestimmte Form festzulegen. Sie erhob zugleich Vorwürfe gegen die Reformpädagogik und das „links-grüne“ Spektrum. Sie hätten mit der Liberalisierung der Sexualmoral pädosexuelle Gewalttaten begünstigt, behauptete die rechte Fraktion.

„Das, was an der Odenwaldschule Kindern und Jugendlichen angetan wurde, lässt sich weder entschuldigen noch relativieren“, entgegnete Sozialdemokratin Hartmann. Doch dürften die Missbrauchsfälle nicht dazu genutzt werden, „die mit Reformpädagogik verbundene Demokratisierung im Bildungsbereich in Frage zu stellen“. Es gehe um Machtmissbrauch gegenüber Schutzbefohlenen, wie er auch in Organisationen mit anderen Führungsprinzipien erfolgt sei. (Pitt von Bebenburg)

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