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Hessen: Wiedereinstieg für Hebammen

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Von: Jutta Rippegather

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Eine Hebamme legt den Wehenschreiber an. Local Caption
Eine Hebamme legt den Wehenschreiber an. Local Caption © epd-bild / Werner Krueper

Hebammen sind Mangelware. Hessen fördert ein Modellprojekt am Frankfurter Bürgerhospital für Berugsrückkehrer:innen.

Zurück in den Kreißsaal: Mit einem Modellprojekt will das Frankfurter Bürgerhospital einstige Hebammen dauerhaft für ihren Beruf zurückgewinnen. Langfristig soll das Konzept die Geburtshilfe in ganz Hessen verbessern. Angelegt ist das Projekt zunächst auf zwei Jahre. Geplant sind zwei Durchläufe mit jeweils acht bis 15 Wiedereinsteiger:innen. Das Land Hessen fördert das Vorhaben, das bei der jüngsten Sitzung des Runden Tischs „Zukunftsprogramm Geburts- und Hebammenhilfe in Hessen“ vorgestellt wurde.

Überall in Hessen

Entwickelt haben das Konzept der Deutsche und der Hessische Hebammenverband sowie das Bürgerhospital. Es gibt eine wissenschaftliche Begleitung, am Ende eine Evaluation, teilte das Sozialministerium mit. Bei Erfolg sollen solche Projekte flächendeckend in Hessen eingeführt werden, sagt Wolfgang Heyl, Geschäftsführer am Bürgerhospital.

Runder Tisch

Im Mai 2019 traf sich die Runde erstmals auf Einladung des Hessischen Sozialministers Kai Klose (Grüne). Das Ziel: Die Versorgungssituation in der Geburtshilfe in Hessen flächendeckend und die Situation der Hebammen selbst zu verbessern.

Mit dabei sind Vertreter:innen von Hebammen, Geburtskliniken und -häusern, Eltern, Hebammenschulen, Geburtshelfern, Frauen-, Kinder- und Jugendärzten, Krankenkassen und Kommunalen Spitzenverbänden. jur

In der nächsten Woche beginne die Rekrutierung über verschiedene Kommunikationskanäle. Die Wiedereingliederungs-phase dauert zwölf Wochen mit Theorie – etwa Nachschulung zu Gerätekunde oder Medikamenten – und Praxis im Kreißsaal oder auf den Stationen. Bei dem Abschlussgespräch in der 13. Woche wird der endgültige Einsatzort festgelegt. Die Wiedereinsteiger:innen werden in den drei Monaten auf den aktuellen medizinischen Stand gebracht und können sich an die Abläufe in der klinischen Geburtshilfe gewöhnen.

Jeder und jedem wird eine Hebamme als Mentorin zugeteilt. „Wir wollen jeder Frau eine sichere Geburt, jedem Kind ein gesundes Auf-die-Welt-Kommen und Aufwachsen ermöglichen. Dazu ist eine gute Betreuung durch Hebammen sowie Ärztinnen und Ärzte von fundamentaler Bedeutung“, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne).

144 Hebammen fehlen

Bis zum Jahr 2030 ist in Hessen von einem Mehrbedarf von 144 freiberuflichen Hebammen für die Betreuung von Schwangerschaft und Wochenbett auszugehen. An den Krankenhäusern liegt er bei 121 Hebammen, heißt es weiter in einem Gutachten aus dem Jahr 2019, das das Sozialministerium in Auftrag gegeben hatte. Nicht alle müssen neu ausgebildet werden. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Hebammenverbands ergab, dass rund 2700 Geburtshelferinnen grundsätzlich bereit wären, in ihren Beruf zurückzukehren, sagt Geschäftsführer Heyl. Meist seien die Arbeitsbedingungen der Grund dafür, dass die überwiegenden Frauen ihren Beruf aufgeben. Ein wichtiger Aspekt sind die hierarchischen Strukturen. „Wir müssen uns der Frage nach dem hebammengeleiteten Kreißsaal ernsthaft stellen.“

Das Bürgerhospital ist Spitzenreiter bei den Entbindungen in Frankfurt. 4300 Kinder erblickten dort im vergangenen Jahr das Licht der Welt, sagt Heyl. Ein 100-köpfiges Team sei für die Babys und ihre Mütter zuständig. Darunter 60 Hebammen – alle sind weiblich.

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