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Hessen: Wasserstoffzüge kommen mit Verspätung

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Von: Jutta Rippegather

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Probefahrt mit einem der ersten Fahrzeuge der weltgrößten Wasserstoffzugflotte.
Probefahrt mit einem der ersten Fahrzeuge der weltgrößten Wasserstoffzugflotte. © Monika Müller

Wegen Lieferengpässen ist die neue RMV-Flotte für das Taunusnetz erst im April komplett. Minister Wissing spricht von „Gamechanger“.

Blau und weiß - am Zugende von oben bis unten Wasser-Moleküle: Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat am Montag in Frankfurt das Design der „größten Wasserstoffzugflotte der Welt“ vorgestellt. Von Dezember an werden die ersten zehn Exemplaren zwischen Frankfurt und Brandoberndorf im Lahn-Dill-Kreis unterwegs sein. Die drei anderen Linien im so genannten Taunusnetz verspäten sich. Sie sollen erst im ersten Quartal nächsten Jahres folgen. Herstellerin Alstom kann den verabredeten Liefertermin nicht einhalten. Wegen der Pandemie und „der unsägliche Situation im Osten“, sagt Präsident Müslüm Yakisan. Übergangsweise wird die Hessische Landesbahn bis April die Linien 11 bis 16 weiterhin mit ihren Dieselfahrzeuge betreiben.

35 000 Fahrgäste täglich

Durchschnittlich 35 000 Fahrgäste am Tag sind derzeit auf den vier Linien im Taunusnetz unterwegs. Künftig klimaneutral, leise und als Teil eines Projekts, das internationale Aufmerksamkeit erregt. An der Probefahrt am Montag zwischen Griesheim und Höchst nehmen nicht alleine Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) teil, der Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium Jens Deutschendorf (Grüne) und Evelyn Palla, Vorständin Regionalverkehr bei der DB. Die Botschafterin der Republik Kolumbien ist ebenfalls in die DB-Werkstatt nach Frankfurt-Griesheim gereist, um sich vor Ort ein Bild zu machen und ihre Eindrücke per SMS direkt in die südamerikanische Heimat zu senden. „Unser neuer Präsident plant den Einsatz der neuen Züge zwischen Bogota und Zipaquirá“, sagt Yadir Salazar-Mejia.

Die Region Frankfurt/ Rhein-Main präsentiert sich als internationales Zukunftslabor für die Verkehrswende. Die Bundesregierung schießt für das Projekt 24,3 Millionen Euro hinzu, das Land beteiligt sich mit 3,3 Millionen Euro an der Tankstelle im Industriepark Höchst. Dort gibt es bereits Erfahrungen mit dem Einsatz von Wasserstoff, der dort als Nebenprodukt bei Herstellungsprozessen anfällt. Auch das ein Grund dafür, nach der obligatorischen Wirtschaftlichkeitsprüfung diese Antriebsart für das Taunusnetz auszuwählen. Gegen eine Elektrifizierung der vier Linien mit Oberleitungen spricht die Topographie. Gegen den Einsatz batteriebetriebener Fahrzeuge die Länge der Strecken. Mit einer Reichweite von rund 100 Kilometer kann ein Elektrozug bei weitem nicht mit den Alstom-Fahrzeugen konkurrieren. Bis zu 1100 Kilometer schaffen die Neuen im blau-weißen Design laut Alstom mit einer einzigen Tankfüllung. Jährliche Co2-Ersparnis: 19 000 Tonnen.

Einsatzgebiet

Mitte Dezember gehen die ersten zehn Exemplare der insgesamt 27 Züge starken Flotte an den Start; auf der Linie RB15 zwischen Frankfurt und Brandoberndorf.

Bis Frühjahr sollen die Wasserstofffahrzeuge auch die anderen drei Linien des Taunusnetzes bedienen: die RB11 von Frankfurt-Höchst nach Bad Soden, die RB12 zwischen Frankfurt und sowie die RB16 Bad Homburg – Friedberg. jur

Beschafft hat die Fahrzeuge die RMV-Tochter Fahma. Im Projektvolumen von 500 Millionen Euro über 25 Jahre stecken außerdem die Kosten für Instandhaltung und Betrieb, die die DB Regio übernimmt. 120 zusätzliche Lokführer:innen und Kundenbetreuer:innen hat der Konzern dafür erfolgreich rekrutiert, sagt Vorständin Palla. Und dass die Neuerung im Taunusnetz zu dem Ziel der Deutschen Bahn passt, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein. „Mit dem Fahrplanwechsel wird die Zukunft Gegenwart.“

Gamechanger

Minister Wissing betont, dass es sich um eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ handelt. Nach 30 Jahren Stillstand gelte es viel aufzuholen. „Wir müssen die Emissionen im Verkehr deutlich reduzieren, um unsere Klimaziele zu erreichen.“ Die neue Mobilität habe effizient zu sein und sauber. So wie Wasserstofftechnologie, die sich insbesondere als Alternative für den Betrieb schwerer Nutzfahrzeuge eigne oder Schiffe. Oder eben auf Bahnlinien, wenn eine Elektrifizierung zu aufwendig wäre. „Ein echter Gamechanger.“

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