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Hessen: Waffenschein erlaubt nicht den Besitz

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Von: Steven Micksch

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Waffen können in Deutschland nur unter Auflagen erworben werden.
Waffen können in Deutschland nur unter Auflagen erworben werden. © Andreas Arnold

Die FR beantwortet Fragen zum Waffenrecht und verrät, wie viele registrierte Waffen es in Hessen gibt

Kann man in Deutschland einfach eine Waffe kaufen?

Nein. Deutschland behauptet von sich selbst, ein sehr restriktives Waffenrecht zu haben. Wer eine Waffe besitzen oder führen möchte, muss beispielsweise 18 Jahre alt sein, die waffenrechtliche Zuverlässigkeit und persönliche Eignung bewiesen haben und Nachweise der waffenrechtlichen Sachkunde und des persönlichen Bedürfnisses an der Waffe und dem Umgang damit erbringen.

Was ist das waffenrechtliche Bedürfnis?

Diese Formulierung erlaubt es theoretisch nur bestimmten Personengruppen eine Waffe zu besitzen: Jägerinnen, Sportschützen, Sammlern oder Waffensachverständigen, Bootsbesitzer (Signalwaffe), aber auch Menschen, die eine Waffe erben. Seit 2020 muss dieses Bedürfnis alle fünf Jahre neu nachgewiesen werden.

Was sind die Regelungen bei der Eignung und Zuverlässigkeit?

Die Zuverlässigkeit und die persönliche Eignung sind von der Waffenbehörde (meist beim Ordnungsamt angesiedelt) zu überprüfen. Zuverlässigkeit setzt in der Regel voraus, nicht vorbestraft oder Teil einer verbotenen Organisation zu sein. Die Eignung zielt unter anderem auf Abhängigkeiten sowie geistige und körperliche Beeinträchtigungen. Laut Waffengesetz muss mindestens alle drei Jahre erneut geprüft werden, ob die Zuverlässigkeit und persönliche Eignung weiterhin vorliegen.

Wann darf ich eine Waffe benutzen?

Dafür ist ein Waffenschein (großer Waffenschein) erforderlich, bei Jägern der sogenannte Jagdschein. Der Waffenschein darf nicht mit der Waffenbesitzkarte verwechselt werden. Diese berechtigt nur zum Besitz, Erwerb und dem nicht zugriffsbereiten Transport einer erlaubnispflichtigen Schusswaffe. Allerdings darf die Waffe im eigenen befriedeten Besitztum benutzt werden. Andersherum darf jemand, der nur einen Waffenschein hat, keine Waffe besitzen, sondern nur führen.

Was ist mit Polizeikräften?

Polizisten, Zollbeamte und Soldaten im Dienst besitzen durch ihren Dienstausweis einen Waffenschein. Dieser berechtigt zum Führen einer Waffe. Wollen sie privat eine Waffe tragen, gelten dieselben Rechte und Pflichten wie für alle anderen.

Was für Besonderheiten gibt es noch?

Wer unter 25 Jahren ist und erstmalig eine Waffenbesitzkarte beantragt, braucht eine psychologische Begutachtung samt Gutachten. Zudem gibt es noch den kleinen Waffenschein. Dieser berechtigt zum Führen einer Gas-, Schreckschuss- oder Signalwaffe. Diese Waffen zeichnen sich durch das PTB-Prüfzeichen aus. Es wird keine Waffenbesitzkarte dafür benötigt.

Was ist mit Waffen, die keine Schusswaffen sind?

Für Messer und weitere Hieb- oder Stichwaffen gibt es keinen Waffenschein. Diese Waffen dürfen, wenn sie nicht grundsätzlich verboten sind, bis zu einer Klingenlänge von zwölf Zentimetern geführt werden. Grundsätzlich verboten sind beispielsweise Schlagringe, Butterflymesser, Wurfsterne oder Taser ohne amtliches Prüfzeichen zum Nachweis der gesundheitlichen Unbedenklichkeit.

Wie viele Waffen gibt es in Hessen?

Laut Innenministerium gab es Ende Februar dieses Jahres 413 314 gemeldete Schusswaffen, die 72 600 privaten Besitzer:innen zugeordnet sind. Darüberhinaus gab es 61 869 genehmigte kleine Waffenscheine, 611 (große) Waffenscheine und 169 500 Waffenbesitzkarten. Einzelpersonen dürfen auch mehrere Waffen besitzen.

Zusammengestellt von Steven Micksch

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