Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auch Vater Selahattin Gürbüz hatte ein Bild dabei.
+
Selahattin Gürbüz, der Vater des ermordeten Sedat Gürbüz, im hessischen Landtag.

Hessen

Hessen: Vorwürfe gegen Minister Beuth nach Terror von Hanau

Alle Autoren
    schließen
  • Pitt von Bebenburg
    Pitt von Bebenburg
  • Gregor Haschnik
    Gregor Haschnik
  • Hanning Voigts
    Hanning Voigts

Hinterbliebener Niculescu Paun hält Minister Beuth vor, im Landtag die Unwahrheit über die Annahme von Notrufen bei der Polizei gesagt zu haben. Angehörige beklagen außerdem die Obduktionen der Opfer.

Angehörige der Terroropfer von Hanau haben am Freitag im Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags ihre Vorwürfe gegen Innenminister Peter Beuth (CDU), die Polizei und die Ermittlungsbehörden bekräftigt. Niculescu Paun, der Vater des ermordeten Vili-Viorel Paun, sagte: „Wir wollen die Wahrheit und Konsequenzen.“ Minister Beuth habe im Innenausschuss des Landtags die Unwahrheit gesagt.

Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Anschließend hatte er seine Mutter und dann sich selbst getötet.

Dreimal 110 gewählt, nie durchgekommen

Vili-Viorel Paun hatte den Täter vom ersten Tatort am Heumarkt mit seinem Auto verfolgt. Fünfmal hatte er dabei versucht, die Notrufnummer der Polizei anzurufen. Zweimal verwählte er sich, dreimal wählte er die 110, kam aber nicht durch.

Vater Paun geht davon aus, dass die Polizei seinen Sohn davon abgehalten hätte, den Täter zu verfolgen. Außerdem hätte sie erfahren, in welcher Richtung und mit welchem Autokennzeichen er unterwegs war. Dadurch hätten womöglich weitere Morde am zweiten Tatort, der Arena-Bar, verhindert werden können, ist er überzeugt. „Vili hätte hundertprozentig gerettet werden können, wenn er beim Notruf durchgekommen wäre, und die anderen fünf in der Arena-Bar auch“, sagte Niculescu Paun.

Eine Weiterleitung der Anrufe gab es nicht

Aus einer Rekonstruktion der Tatnacht geht hervor, dass anfangs eine Polizistin und ein Polizist auf dem Hanauer Revier Notrufe entgegengenommen hatten. Der zweite Polizist nahm demnach aber nur ein Gespräch an und fuhr dann selbst zum Tatort, so dass nur seine Kollegin die 110 bediente. Eine Weiterleitung anderer Anrufe gab es nicht.

Beuth hatte im Innenausschuss im Februar 2021 behauptet, zur Tatzeit hätten sich „zwei Polizeibeamtinnen der Polizeistation Hanau I sofort mit der Entgegennahme der Notrufe befasst. Zur Unterstützung für den weiteren Einsatzverlauf wurde ein zusätzlicher Polizeibeamter hinzugezogen.“ Damit habe Beuth die Öffentlichkeit getäuscht, befand Niculescu Paun. Ebenso wie Emis Gürbüz, die Mutter des ermordeten Sedat Gürbüz, beklagte auch er, dass sein Sohn obduziert worden sei, ohne die Angehörigen zu fragen oder auch nur zu informieren. „Uns wurde nicht gesagt, was mit unseren Kindern geschieht“, sagte Emis Gürbüz.

Es war die zweite öffentliche Sitzung des Ausschusses, der seine Beweisaufnahme mit den Aussagen der Hinterbliebenen und Überlebenden begann. Am Montag werden erneut Zeugen aus diesem Kreis befragt.

Erste Hilfszahlungen

Der neue hessische Opferfonds für Betroffene von Terrorismus und anderen schweren Gewalttaten hat unterdessen erste Hilfszahlungen für Angehörige und Hinterbliebene der Opfer von Hanau freigegeben. Wie der Hessische Landtag mitteilte, habe der Beirat des Fonds die ersten Zuwendungen Anfang der Woche beschlossen und entsprechende Mitteilungen verschickt. Das Geld soll noch in diesem Jahr ausgezahlt werden.

Der Opferfonds war im Juli vom Parlament beschlossen worden, er verfügt jedes Jahr über ein Budget von zwei Millionen Euro. Wer ab 2019 Opfer eines Anschlags oder einer Gewalttat „von landesweiter Bedeutung“ geworden ist, kann auf Antrag 10 000 Euro erhalten, in besonderen Härtefällen können bis zu 100 000 Euro ausgezahlt werden.

Schnelle Hilfe zugesagt

Wer Geld erhält, entscheidet ein elfköpfiger Beirat. Das Ziel des Fonds ist es, Opfern und Hinterbliebenen schnell und ohne bürokratische Hürden zu helfen. Vor seiner Einrichtung war er durchaus umstritten, weil die Hinterbliebenen von Hanau wollten, dass er explizit Opfern rassistischer Anschläge offenstehen sollte, nicht aber Betroffenen allgemeiner Gewaltkriminalität.

Mathias Wagner, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, sprach mit Blick auf die ersten Hilfszahlungen von einem wichtigen Signal. „Wir lassen die Opfer des rassistischen Anschlages von Hanau und von schweren Gewalttaten nicht allein“, sagte Wagner.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare