Geflüchtete

Von der Ausbildung in Abschiebehaft

Kundgebung in Darmstadt gegen die Sammelabschiebung von Adnan G. und andere Flüchtlinge im Oktober 2020.

Flüchtlingsgruppen machen sich für jungen Mann aus Afghanistan stark. Der 26-Jährige absolviert eine Ausbildung in Bad Vilbel. Er soll trotz seiner Beteiligung an einer Schlägerei in Deutschland bleiben dürfen.

Flüchtlingsinitiativen setzen sich für einen jungen Mann aus Afghanistan ein, der von Abschiebung bedroht ist. Der 26-jährige Saliqullah W. habe „wegen einer einzigen Schlägerei eine Bewährungsstrafe bekommen“ und diese Bewährung sehr gut genutzt, um sich zu integrieren und eine Ausbildung zu beginnen, urteilt der Hessische Flüchtlingsrat. Der Afghane befinde sich im zweiten Ausbildungsjahr in einem Supermarkt in Bad Vilbel.

Am Dienstag saß Saliqullah den Angaben zufolge in Abschiebehaft in Darmstadt. Am Abend wurde ein Sammel-Abschiebeflug mehrerer Bundesländer nach Afghanistan erwartet, der von Düsseldorf starten sollte. Ob der junge Mann aus Bad Vilbel mitfliegen musste oder die Proteste Erfolg hatten, war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht bekannt.

Der Afghane war 2015 nach Deutschland geflohen und hatte einen Asylantrag gestellt, der abgelehnt wurde. Wegen der unsicheren Lage am Hindukusch schiebt Hessen nur vereinzelt Menschen dorthin ab und beschränkt sich dabei auf Straftäter und Gefährder. Saliqullah W. sei „sicherlich niemand, der als der ,schwere Straftäter‘ durchgeht, von dem die Behörden immer behaupten, dass er abgeschoben werden muss“, sagte der Geschäftsführer des Flüchtlingsrats, Timmo Scherenberg.

Die mitregierenden Grünen baten Innenminister Peter Beuth (CDU) um Auskunft. „Um uns eine Meinung bilden zu können, haben wir das Innenministerium gebeten, uns über den vorliegenden Fall zu informieren“, sagte Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner auf Anfrage der Frankfurter Rundschau.

Die bundesweite Organisation Pro Asyl beklagte, eine „sorgfältige Prüfung des Einzelfalles“ sei nicht möglich, wenn der junge Afghane am Freitag bei seiner Arbeitsstelle inhaftiert worden sei und dienstags ausgeflogen werden solle. Der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, wandte sich grundsätzlich gegen Abschiebungen nach Afghanistan. Zu oft habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Fehlentscheidungen getroffen und junge Männer nicht als schutzberechtigt angesehen, obwohl sie von den radikalislamischen Taliban verfolgt worden seien.

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