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Corona in Hessen: Omikron-Impfstoffe sorgen für Unsicherheit

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Von: Jutta Rippegather

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Die neuen Impfstoffe gegen Omikron sind da. Aber der Bedarf nach ärztlicher Beratung ist vielerorts groß und verursacht Staus in den hessischen Praxen.

Frankfurt/Wiesbaden - In der vergangenen Woche kam die erste Lieferung eines an die Corona-Variante Omikron angepassten Impfstoffs in der Wiesbadener Hausarztpraxis an: 90 Dosen hatten Christian Sommerbrodt und seine Kolleg:innen bestellt. Gerade einmal sechs erhielten sie zur Premiere. Wenige Tage danach kam der Rest. Zum Glück haben die Ärzt:innen aus der Erfahrung der vergangenen Monate gelernt: „Ich glaube erst, dass der Impfstoff da ist, wenn er in unserem Praxiskühlschrank liegt“, sagt Sommerbrodt, Sprecher des Hessischen Hausärzteverbands. Die schleppend angelaufenen Lieferungen hätten aber viele Ärztinnen und Ärzte frustriert und seien Gift für die Motivation der Bevölkerung.

Corona-Impfungen in Hessen: „Grundsätzliche Verunsicherung“ über richtigen Impfstoff

Der Einfluss auf die Praxisorganisation war gering. Denn der Run auf den neuen Corona-Impfstoff hält sich aktuell sehr in Grenzen. „Die Nachfrage ist nicht so groß“, sagt der Wiesbadener Hausarzt. Was jedoch für Staus in den Wartezimmern sorge, sei das Informationsbedürfnis. Der Beratungsbedarf sei immens, sagt Sommerbrodt. „Es besteht eine grundsätzliche Verunsicherung, welcher Impfstoff der am besten geeignete ist.“ Befeuert durch sogenannte Expert:innen, die sich öffentlich für oder gegen den einen oder anderen äußern.

Gibt es jetzt auch: frn an die Omikron-BA.1-Variante angepassten Impfstoff Comirnaty von Biontech. dpa
Gibt es jetzt auch: den an die Omikron-BA.1-Variante angepassten Impfstoff Comirnaty von Biontech. dpa © dpa

Eine Entscheidung, die die Hausärzteschaft den Patient:innen mangels Studien schwer abnehmen könne. „Beide schützen vor Omikron“, sagt Sommerbrodt. Und ob das Produkt aus der Fabrikation von Biontech oder Moderna stammt, macht seines Erachtens auch keinen Unterschied. Zu beachten sei lediglich der Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfung oder Corona-Infektion.

Corona-Impfungen in Hessen: Dilemma für Ärztinnen und Ärzte

Die Hausärzteschaft steckt in einem Dilemma, dessen sich die Verantwortlichen im Bundesgesundheitsministerium bewusst sind: „Die individuelle Entscheidung treffen Arzt beziehungsweise Ärztin und die zu impfende Person nach entsprechender ärztlicher Aufklärung“, bestätigt eine Sprecherin der Frankfurter Rundschau. Die Ständige Impfkommission empfehle lediglich die Auffrischungsimpfung für alle Menschen im Alter ab zwölf Jahren. „Vorzugsweise mit einer der zugelassenen und verfügbaren Omikron-adaptierten bivalenten mRNA-Impfstoffe.“ Dies gelte sowohl für die BA.1- als auch die BA.4/5-adaptierten Impfstoffe, die im Vergleich zu den bisherigen „eine verbesserte Antikörperantwort gegenüber verschiedenen Omikron-Varianten auslösen und gegenüber dem Wildtyp-Virus eine gleichbleibend gute Antikörperantwort erzielen“.

Impfquote

In Hessen waren laut Robert-Koch-Institut (RKI) am gestrigen Dienstag mindestens 78,5 Prozent der Bevölkerung einmal geimpft, 75,4 Prozent zwei Mal.

Die erste Auffrischung hatten 60,6 Prozent bekommen, 8,9 Prozent auch die zweite. jur

www.rki.de

Aktuell dominierten die Virusvarianten Omikron-BA.4 und -BA.5 das Infektionsgeschehen in Deutschland. Bezüglich des Nachschubs existieren laut Ministerium keine grundsätzlichen Probleme: „Die Lieferung erfolgt unter anderem in Teillieferungen, da nicht alle in der ersten Woche mit einer Einzellieferung in voller Höhe bedient werden können.“

Der Bund stellt die Impfstoffe bereit. Arztpraxen bestellen ihre Menge bei den Apotheken, die geben es an den Bund weiter. Die Auslieferung erfolgt über den Pharmagroßhandel und die Apotheken. Diesen Weg gehen auch die Gesundheitsämter der Kommunen und Landkreise, die ebenfalls damit begonnen haben, mit dem Omikron-adaptierten Serum zu impfen. In stationären Impfstellen, aber auch ambulant vor Einkaufszentren oder bei Festen. Im Frankfurter Impfzentrum war die Nachfrage nach den angepassten Corona-Impfstoffen zuletzt groß. (Jutta Rippegather)

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