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Hessen und häusliche Pflege: Demo ohne Menschen

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Von: Jutta Rippegather

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Pflegenden Angehörigen fehlt die Zeit zum Prostieren. Der VdK rückt ihre Situation in den Fokus.

Eine Kampagne für die Verbesserungen in der häuslichen Pflege hat der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen gestartet. Unter dem Titel #naechstenpflege informieren Orts- und Kreisverbände derzeit mit unterschiedlichen Aktionen über die Lage in der häuslichen Pflege und stellen Verbesserungsvorschläge vor. Als einen der Höhepunkte kündigt Sprecherin Silke Asmußen eine „Demo ohne Menschen“ für den 21. September vor dem Landtag in Wiesbadener an. Das ungewöhnliche Format erklärt sich von selbst: „Angehörige haben keine Zeit für Protestaktionen.“

Die Kampagne für bessere Rahmenbedingungen ist eine bundesweite Aktion. Der VdK hatte sie im Mai in Berlin eingeläutet. Hessen und Thüringen haben sich mit lokalen Aktionen angeschlossen. Die heiße Phase beginnt am 16. September: An jenem Freitag diskutiert Landesvorsitzender Paul Weimann in Wiesbaden mit Vertreterinnen und Vertretern der demokratischen Parteien über die Ergebnisse einer großen Studie zur privaten Pflege, die die Hochschule Osnabrück im Auftrag des VdK erstellt hat. Es folgt am Mittwoch, 21. September, die Demo.

Nach Angaben des Sozialverbands leben 80 Prozent der Pflegebedürftigen in Hessen und Thüringen zu Hause – das sind rund 360 000 Menschen. Möglich sei dies nur, weil ihre Angehörigen sich kümmerten, oft ohne zusätzliche professionelle Hilfe. „Diese Menschen vollbringen Großartiges“, sagt Weimann. „Durch die oft jahrelange selbstlose Pflege ihrer Ehepartner, Verwandten oder anderer nahestehender Menschen leisten sie nicht nur diesen, sondern der ganzen Gesellschaft einen unschätzbaren Dienst.“

Die Kampagne rücke die Sorgen und Nöte dieser Menschen in den Fokus. „Aus einer Umfrage unter 3000 Betroffenen in Hessen und Thüringen wissen wir genau um die Defizite in der häuslichen Pflege.“ Notwendig seien bessere Beratung und mehr Entlastung, eine leichtere Vereinbarung von Pflege und Beruf nach dem Vorbild der Elternzeit und des Elterngelds. „Die Politik muss handeln, sonst quittiert der größte private Pflegedienst Deutschlands den Dienst“, warnt der Landesvorsitzende.

Konkret fordert der VdK den Ausbau der Pflegestützpunkte, mehr Entlastungsangebote wie Tages-, Nacht- oder Kurzzeitpflege. Ganz wichtig sei ein Budget, das sämtliche Leistungen der Pflegeversicherung zusammenfasse, so dass Pflegebedürftige selbst entscheiden könnten, wie sie das Geld einsetzten.

Mehr Informationen unter www.vdk.de/hessen-thueringen

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