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Hessen: Umweltministerin Hinz lehnt Wolfsjagd ab

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Von: Hanning Voigts

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Dieser Wolf lebt im Wildpark „Alte Fasanerie“ bei Hanau, seine Artgenossen erobern in Hessen aber auch wieder die Wälder. Foto: dpa
Dieser Wolf lebt im Wildpark „Alte Fasanerie“ bei Hanau, seine Artgenossen erobern in Hessen aber auch wieder die Wälder. © Boris Roessler/dpa

Seit einigen Jahren ist der Wolf wieder in Hessen sesshaft. Weil ein Rudel nun drei Jungtiere bekommen hat, diskutiert der Landtag, ob die Gefahr für Weidetiere zu groß wird.

Der Wolf ist zurück in Hessen. Rund 150 Jahre nach seiner Ausrottung gibt es seit 2019 wieder Sichtungen und Nachweise sesshafter Tiere. Zuletzt hatte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) im Januar mitgeteilt, dass das Wolfsrudel bei Rüdesheim im Rheingau drei Welpen bekommen habe. Auch in Ludwigsau bei Bad Hersfeld ist ein Wolfspaar nachgewiesen, zudem leben Einzeltiere im Vogelsberg, im Odenwald, in der Rhön und im Stölzinger Gebirge in Nordhessen.

Weil die FDP das Thema auf die Tagesordnung gesetzt hatte, diskutierte der Landtag am Donnerstag über die Frage, wie mit der wachsenden Zahl von Wölfen umgegangen werden könne. In einem Antrag hatten die Freidemokraten von einer „rasant wachsenden Wolfspopulation“ gesprochen und gefordert, man müsse in Hessen ein „Bestandsmanagement“ einführen.

Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) wies in der Debatte den Eindruck zurück, dass der Wolf sich in Hessen massiv ausbreite. „Wölfe gehören in Hessen immer noch zu den seltensten Wildtieren“, so die Grünen-Politikerin. Jedes Tier sei bekannt und von Fotokameras umgeben. „Von keinem anderen Tier in Hessen wissen wir so viel.“

Wölfe könnten sich zudem wegen der nur begrenzt bestehenden Waldgebiete nicht unbegrenzt vermehren, so Hinz. Da Wölfe für Menschen in der Regel nicht gefährlich seien, dürfe man auch keine Ängste schüren. Dennoch müsse man Sorgen etwa von Viehhalter:innen ernst nehmen, sagte Hinz, die Landesregierung tue das mit ihrem Wolfsmanagement und Entschädigungen für gerissene Weidetiere bereits. Weil der Wolf geschützt sei, sei eine Bejagung zur Bestandsregulierung derzeit europarechtswidrig. Die Ampelkoalition im Bund wolle das Thema politisch angehen, bis dahin werde man das Wolfsmanagement „permanent weiterentwickeln“.

Die FDP-Abgeordnete Wiebke Knell sagte, aufgrund der zunehmenden Zahl der von Wölfen gerissenen Tiere müsse Hessen überlegen, wie groß der Wolfsbestand werden dürfe. „Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, wie viele Wölfe in Hessen akzeptabel sind“, sagte Knell. Dabei gehe es nicht darum, Wölfe zum Abschuss freizugeben, es müsse aber eine Obergrenze festgelegt werden, die ohne allzu große Konflikte etwa mit Viehzüchter:innen vertretbar sei. Da das Thema im Bund angegangen werden solle, müsse Hessen sich bereits jetzt vorbereiten.

Der AfD-Abgeordnete Klaus Gagel sagte, eine „schnelle Begrenzung des Bestands“ sei bei Wölfen unabdingbar. Entschädigungen für gerissene Tiere „lösen auf Dauer kein Wolfsproblem“, so Gagel. Es müsse verhindert werden, dass die Wölfe sich unkontrolliert ausbreiteten.

Andere Redner:innen in der Debatte sahen dagegen keinen aktuellen Handlungsbedarf. Es gebe bereits „ein gutes Wolfsmanagement in Hessen“, befand der CDU-Abgeordnete Michael Ruhl, die Landesregierung habe die Entwicklung im Blick. Der Abgeordnete Heinz Lotz (SPD) sagte, das Thema Bestandsmanagement dürfe zwar kein Tabu sein, der Antrag der FDP sei aber „ein Stückchen zu plump“. Die Linken-Abgeordnete Heidemarie Scheuch-Paskewitz warf AfD und FDP derweil vor, bei dem Thema Ängste zu schüren.

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