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Hessen: Trinkwasser in großer Gefahr

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Von: Jutta Rippegather

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Der BUND warnt vor den Risiken der Altlasten auf der Baustelle der A49. Dass jetzt ein Baustopp verfügt wurde, hat er kommen sehen.

Der Autobahnbau führt durch eine Trinkwassergewinnungsgebiet  für eine halbe Million Menschen.
Der Autobahnausbau führt durch eine Trinkwassergewinnungsgebiet für eine halbe Million Menschen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hessen sieht sich in seiner Kritik bestätigt, dass die Altlastenproblematik bei der Planung des Ausbaus der Autobahn A49 unterschätzt wurde.

Die jüngsten Ereignisse zeigten, dass die Klage des BUND berechtigt gewesen sei, sagte Vorstandsmitglied Jochen Kramer am Dienstag. „Der nun nötige Baustopp bestätigt die Planungsfehler.“

Welche Risiken schlummern noch im Boden, fragt der BUND

Jetzt bestehe das Risiko der Grundwasserverschmutzung in einem Trinkwassergewinnungsgebiet, aus dem eine halbe Million Menschen versorgt würden. „Wir fragen uns, welche Risiken noch im Boden schlummern.“

Das Bundesverwaltungsgericht hatte dem BUND darin recht gegeben, dass der Planfeststellungsbeschluss die europäische Wasserrahmenrichtlinie missachte. Es fehle am „wasserwirtschaftlichen Fachplan“. Den Bau hatte es nicht gestoppt, weil es die Möglichkeit nachträglichen Wasserschutzes sieht. Tätig geworden sei das Regierungspräsidium im aktuellen Fall offenbar erst nach Hinweisen aus der Bevölkerung, sagt Kramer. Das sei beunruhigend. „Welche Probleme wären ohne diese Hinweise aufgetreten, und an wie vielen Stellen wird das Grundwasser durch den Autobahnbau nun verschmutzt, weil es keine Hinweise aus der Bevölkerung gibt?“

Die A49 verläuft laut BUND von Stadtallendorf bis zur Anbindung an die A5 vollständig im Wasserschutzgebiet. Rund dreieinhalb Kilometer lägen sogar in der Schutzzone II, in der eigentlich nicht mal mehr Löcher gegraben werden dürften, weil die obersten Erdschichten Schmutz und Schadstoffe filtern sollten. Tatsächlich greife die Baustelle in Mittelhessen an vielen Stellen in tiefere Bodenschichten ein. Die natürliche Schutz-und Filterwirkung dieser Schichten werde durchlöchert.

Welche Risiken schlummern noch im Boden, fragt der BUND

Nach Darstellung des BUND-Vorstands handelt es sich bei der Tri-Halde in Stadtallendorf um die „größte und gefährlichste Rüstungsaltlast in Europa“. Im Abstrom des ehemaligen Rüstungsstandorts der DAG in Stadtallendorf liege die Wassergewinnung des Zweckverbands Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW). Im Herrenwald durchquere die Autobahn deshalb eine „hochbrisante Altlast“, auf dem Grundwasserkörper liege eine Blase aus giftigem Trinitrotoluol.

Nach langen hydrogeologischen Untersuchungen sei ein ausbalanciertes System von Brunnen errichtet worden, das die Grundwasserströmung von den Trinkwasserbrunnen wegleite. Die oberen Bodenschichten zu durchschneiden, gefährde diese Balance.

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