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Hessen: Szenarien der Klimakrise

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Von: Jutta Rippegather

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Die über die Ufer getretene Losse in Kaufungen.
Die über die Ufer getretene Losse in Kaufungen. dpa © dpa

Hessen trainiert die Zusammenarbeit zum Schutz der kritischen Infrastruktur. Denn Extremwetterereignisse sind nicht mehr zu verhindern.

Mit Hitze und Dürre geht es im nächsten Jahr los. Es folgt Starkregen. Drittes Szenario ist die Schneekatastrophe.

Kommunikationslücken schließen

Ist der Schutz der kritischen Infrastruktur gewährleistet? Funktioniert das Zusammenspiel der verschiedenen Akteur:innen – von Ministerien über Sicherheitsbehörden bis hin zu Unternehmen? Gibt es Lücken in der Kommunikation und wie sind sie zu schließen? Antworten sucht das neue Klimaprax-Projekt der Landesregierung, das am Montag starten soll und am Mittwoch in Wiesbaden vorgestellt wurde. „Es geht darum, das sensible Netzwerk kritischer Infrastrukturen zusammen mit den hessischen Behörden fit zu machen für kommende Wetterextreme“, sagt Thomas Schmid, Präsident des Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), das das Projekt zur Krisenvorbereitung ins Leben gerufen hat. Die Vorarbeiten dafür hätten schon vor der Ahrtal-Katastrophe begonnen. Nun sollen die Lehren aus der Jahrhundertflut im vergangenen Jahr noch mit einfließen.

Kaskadeneffekt bei Extremwetterereignissen

Im Fokus steht der „Kaskadeneffekt“, sagt Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und verdeutlicht dies am Beispiel Trockenheit: Weil der Schiffsverkehr zum Erliegen kommt, bricht der Nachschub für die Tankstellen ab. Die Lastwagen liefern mangels Treibstoff keine Lebensmittel mehr in die Geschäfte. Oder Stromausfall wegen Starkregens: Kliniken müssen evakuiert werden, die Rechenzentren kollabieren. An welchem Punkt alarmiert das Landratsamt das Regierungspräsidium als übergeordnete Behörde? Wer ist Ansprechpartner:in in den Ministerien, bei der Bundeswehr, der Polizei oder bei den Wasserwerken? „Es geht auch darum, dass man sich kennenlernt“, sagt Schmid. Ziel sei, die Kaskadeneffekte vorauszusehen, Abläufe und Verantwortlichkeiten zwischen Verwaltungsstäben und Betreiber:innen von kritischen Infrastrukturen zu verbessern.

klimaprax

Die Abkürzung steht für „Klimawandel in der Praxis“. Üben für den Ernstfall bei Extremwetter ist das dritte Projekt in der Reihe.

Stadtklima und Starkregen waren weitere Themen der Reihe des Fachzentrums Klimawandel und Anpassung am Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

Besonders stark nachgefragt sind die kommunalen Fließpfadkarten, die konkrete Hinweise auf Gefahrenpunkte durch Sturzfluten bieten. jur

www.hlnug.de

Geschehen soll dies in einer Serie von Übungen in je einem der drei betreffenden Landkreise pro Jahr. Erstes Szenario ist große Hitze. Den Anfang macht der Landkreis Kassel. Die Bevölkerung wird kaum etwas davon mitkommen, wenn die Betreibenden kritischer Infrastrukturen gemeinsam mit den Landesbehörden den Ernstfall proben. Bilder von als Opfer geschminkten Schauspieler:innen wie bei den bekannten Katastrophenschutzübungen wird es nicht geben.

Hessen sei erfolgreich auf dem Weg zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2045. Dennoch müsse sich das Land auf Extremwettereignisse als Folge des Klimawandels vorbereiten, betont Hinz. Denn der sei nicht mehr komplett zurückzudrehen. „Krisenvorbereitung ist das Gebot der Stunde, um die Menschen zu schützen und Hessen krisensicher aufzustellen.“

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