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Hessen: Streit über Digitalisierung an den Schulen

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Von: Hanning Voigts

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Ob digitale Angebote an hessischen Schulen ausreichend genutzt werden, ist Ansichtssache. Foto: dpa
Ob digitale Angebote an hessischen Schulen ausreichend genutzt werden, ist Ansichtssache. Foto: dpa © Julian Stratenschulte/dpa

Wie stehen hessische Schulen beim Thema Digitalisierung da? Regierung und Opposition haben dazu im hessischen Landtag ganz unterschiedliche Ansichten.

Wie geht es weiter mit digitalen Lernangeboten an hessischen Schulen? Diese Frage hat wegen mehrerer Anträge zum Thema am Donnerstag erneut die Abgeordneten des hessischen Landtages umgetrieben. Dabei zeigte sich, wie unterschiedlich Regierung und Opposition auf den Ist-Zustand und die zukünftige Entwicklung blicken.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte in der Debatte, im Bereich digitaler Infrastruktur sei in Hessen zwar noch „Einiges zu tun“, es sei aber auch schon viel erreicht worden. Mehr als 70 Prozent der hessischen Schulen seien mittlerweile ans Internet angeschlossen, der Rest werde noch im Laufe dieses Jahres folgen. Seit Jahren denke man über die Chancen der Digitalisierung im Bildungsbereich nach, es gebe digitale Plattformen des Landes mit Materialien für Lehrer:innen und erste Überlegungen zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz für die individuelle Lernförderung. Insgesamt stehe Hessen bereits gut da, befand Lorz.

WLAN in Schulen in Hessen „weiterhin nicht flächendeckend gegeben“

Der Grünen-Abgeordnete Daniel May nannte es „beispielhaft“, dass das Land die Fördermittel aus dem Digitalpakt des Bundes auf 500 Millionen Euro aufgestockt habe, um alle Schulen auszustatten. Die Coronavirus-Pandemie sei genutzt worden, um digitale Angebote auszubauen. Aus der Opposition, etwa von der FDP, komme dagegen kaum Substanzielles, kritisierte May: „Es ist nicht genug, ein paar Buzzwords aneinanderzukleben.“

Der FDP-Politiker Moritz Promny verwies dagegen darauf, dass Internetanschluss und WLAN in den Schulen „weiterhin nicht flächendeckend gegeben“ seien. Es brauche mehr Geld für Computer und Tablets. „Ohne den Bund wäre da bis heute nicht wirklich was passiert“, kritisierte Promny. Die Linken-Abgeordnete Elisabeth Kula forderte, alle Schüler:innen bräuchten ein gutes eigenes Tablet, nur das sei sozial gerecht. Dass das landeseigene Videokonferenz-System immer noch nicht funktioniere, sei ein „Desaster“, so Kula.

SPD fordert eigenes Digitalisierungszentrum für Hessen

Kerstin Geis von der SPD betonte, es gebe bei der schwarz-grünen Landesregierung „eine Lücke zwischen Theorie und Praxis“. Es tue sich „reichlich wenig“ im Bereich Digitalisierung an den Schulen, und wer den Schüler:innen die digitalen Möglichkeiten vorenthalte, „vergeht sich an ihrer Zukunft“, so die Sozialdemokratin. Die SPD fordere daher ein landesweit zuständiges „Zentrum für Bildung in der digitalen Welt“, das Schulen und Schulträger beraten und unterstützen solle. Der AfD-Abgeordnete Arno Enners forderte, digitale Angebote dürften immer nur eine Ergänzung zu klassischem Schulunterricht sein.

(Hanning Voigts)

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