1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Hessen: Stefan Naas führt die FDP im Wahlkampf

Erstellt:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Stefan Naas (FDP), Mitglied des hessischen Landtags und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2023, spricht während des Landesparteitages und der Landesmitgliederversammlung der FDP Hessen. Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Stefan Naas (FDP), Mitglied des hessischen Landtags und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2023, spricht während des Landesparteitages und der Landesmitgliederversammlung der FDP Hessen. Bild: Sebastian Gollnow/dpa © Sebastian Gollnow/dpa

Partei stellt ihre Liste zur Landtagwahl im Herbst auf. FDP-Frau fordert das Ende der „Männerpartei“.

Nach zehn Jahren auf der Oppositionsbank will die hessische FDP zurück in die Regierung. Mit Stefan Naas als Spitzekandidat für die Landtagwahl im kommenden Herbst. 92,6 Prozent der 300 Delegierten stimmten am Samstag in Wetzlar für den früheren Bürgermeister von Steinbach im Taunus, der vor vier Jahren in den Landtag eingezogen war. Ebenfalls ohne Gegenkandidat blieb René Rock, Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat bei der Hessenwahl im Jahr 2018. Er rutschte runter auf Platz zwei. Die Liste endet mit dem frühere Justizminister Jörg-Uwe Hahn, der seinen Rückzug aus der Landespolitik angekündigt hat. Es handelt sich um einen „Ehrenplatz“, wie Landesvorsitzende Bettina Stark-Watzinger betonte.

Reformen geplant

Die FDP werde jene „mutigen Reformen“ anpacken, die Schwarz-Grün in Hessen vermissen ließen. „Hessen braucht nach der Landtagswahl mehr liberale Energie in der Regierung, mehr liberale Energie für Aufstiegschancen, Leistungsfreude, solide Finanzen und Technologieoffenheit“, sagte Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger. Naas sei ein Anhänger der sozialen Marktwirtschaft. „Mit ihm sowie den weiteren Kandidatinnen und Kandidaten haben wir eine schlagkräftige Mannschaft, um Hessen zu gestalten.“

FDP-Landesliste

Auf Platz zwei kandidiert René Rock, der mit 80,8 Prozent gewählt wurde, gefolgt von Wiebke Knell (90,8 Prozent), Moritz Promny (76,7) und Marion Schardt-Sauer (55), die sich gegen Jochen Ruths durchsetzte.

Auf Platz sechs steht Matthias Büger (84), gefolgt von Yanki Pürsün (90), Oliver Stirböck (86,3), Lisa Deißler (80,3) und Max Grotepaß (76,2).

Bei der Hessenwahl im Jahr 2013 hatte die FDP mit 5 Prozent knapp den Wiedereinzug in den Landtag geschafft. Sie bekam 5 Prozent. Im Jahr 2018 errang sie 7,5 Prozent der Stimmen. jur

Naas ließt keinen Zweifel daran, dass er die Nachfolge von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) anstrebt. „Er hat ein ganz großes Ego, aber eine ganz schwache Bilanz.“ Die Internationale Automobilausstellung IAA müsse wieder zurück nach Frankfurt. Der Ausbau von Schienen und Radwegen sei nicht weniger notwendig, als der der Straße. „Der Feldzug gegen das Auto muss ein Ende haben.“ Der Ausbau des Riederwaldtunnels, der Autobahnen A44 und A49 seien wichtig für die ländlichen Raum. „Nur ein paar Spinner“ sähen dies anders. Der 49 Jahre alte Jurist wetterte gegen „Klimachaoten“, forderte eine „Digitalisierungsoffensive“ für die Verwaltung, kritisierte Mietpreisbremse und hessische Bildungspolitik. Der Frankfurter Airport als Tor zur Welt müsse offen bleiben. „Die Grünen hassen den Flughafen.“ Mit aufgekrempelten Hemdsärmeln und dunkler Krawatte empfahl sich der Vater einer neunjährigen Tochter in seiner 20-minütigen Bewerbungsrede als bodenständiger Macher, Verbündeter der Wirtschaft und der Kommunalpolitik. Die FDP müsse Schwarz-Grün in Wiesbaden beenden, dafür gelte es ein besseres Ergebnis zu erzielen, als die 7,5 Prozent der vergangenen Hessenwahl. „Wir brauchen jetzt mehr Power für unser Land und Menschen, die anpacken. Wir brauchen das Herz und den Mut eines Löwen.“ Eine Anspielung auf die gelben Kapuzenpullis mit der Aufschrift „Roaring Hessen“, mit denen die FDP in die Kampagne zieht.

Kritik aus eigenen Reihen

Doch es gab auch unzufriedene Töne: Mut für Neues könne auch eine neue Führungskultur heißen, betonte Claudia Hackhausen, Delegierte aus Wiesbaden, Für die wenigsten Frauen sei die FDP interessant. „Sie wird immer mehr zur Männerpartei“, unter den zehn ersten auf der Landesliste sind nur drei Frauen. Roland Hofmann (Rheingau-Taunus) mahnte ebenfalls größere Anstrengungen an. Laut einer HR-Umfrage (Hessentrend) vom Oktober liegt die FDP derzeit bei 6 Prozent. „Das ist kein Grund zur Panikmache, aber es ist höchste Zeit, sich damit zu befassen.“ Und Frank Schulze (Gießen) wünscht sich größere Durchsetzungskraft in der Ampelkoalition in Berlin – speziell bei der Verkehrspolitik sei noch Luft nach oben. „Notwendig ist mehr Pressing.“

Auch interessant

Kommentare