Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Corona in Hessen: Dieburg wird Modell-Stadt für Lockerungen.
+
Corona-Modellversuche in Hessen: Harreshausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Corona

Hessen startet Corona-Modellversuch: Erst testen, dann shoppen

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
    schließen

Baunatal, Dieburg und Alsfeld dürfen den Tübinger Weg ausprobieren. Dort ermöglicht ein Modellprojekt Öffnungen. Die Opposition ist unzufrieden.

Wiesbaden - Rund 100 Bewerbungen gingen in den vergangenen Tagen in der Hessischen Staatskanzlei ein. Kommunen, Landkreise, Regionen Verbände: Alle wollen neue Wege im Umgang mit Corona ausprobieren. Seit Dienstag steht fest, wer in Hessen dem Vorbild Tübingens folgen darf: Den Zuschlag bekamen Baunatal mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 97, Alsfeld (54) und Dieburg (120). Am Dienstag verkündeten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) die Entscheidung, nicht zuletzt, um den Fluss an Bewerbungen zu stoppen.

Corona-Modellstädte in Hessen: Frankfurt hat keine Chance

Selbst Kommunen mit sehr hohen Inzidenzen seien darunter, sagte Bouffier. Die hätten ebenso keine Chance wie Großstädte. Die Auswahl sei bewusst auf überschaubare mittelgroße Städte gefallen. Die Kriterien: grundsätzliche Zustimmung des zuständigen Gesundheitsamtes, eine stabile Inzidenz unter 200, ausreichende Testkapazitäten, und die Finanzierung muss sichergestellt sein.

Die drei Modellkommunen liegen im Norden, der Mitte und im Süden des Landes. Nach dem grünen Licht aus Wiesbaden könnten sie theoretisch sofort loslegen. Wie sie das Projekt ausgestalten, bleibt ihnen überlassen. Im Kern geht es darum, Menschen mit negativem Schnelltest Zugang zu Einrichtungen zu gewähren, die wegen des aktuellen Lockdowns geschlossen sind – bei Beibehaltung der Hygieneregeln. Das können einzig Kulturangebote sein, aber auch viele andere Einrichtungen – bis hin zum Landhotel, sagte Bouffier.

Schnelle Meldung

Die Luca-App soll in Hessen eine digitale Nachverfolgung von Kontakten ermöglichen und die fehleranfälligen Papierlisten ersetzen. Sollte zur selben Zeit eine infizierte Person in der Nähe gewesen sein, informiert sie datenschutzkonform das zuständige Gesundheitsamt.

Sechs Gesundheitsämter sollen schon in dieser Woche als erste
angeschlossen werden: die von Stadt und Kreis Offenbach, sowie der
Landkreise Odenwald, Werra-Meißner und Fulda.
Bei einem Restaurantbesuch oder Veranstaltungen scannen die
Gäste einen QR-Code mit dem Smartphone ein und checken am
Ende aus. Nach Mecklenburg-Vorpommern haben sich nun bereits
viele andere Bundesländer für Luca entschieden.

In Hessen ist die Nutzung für Handel, Gastronomie oder Kulturanbieter:innen zunächst kostenlos. Rund zwei Millionen Euro stellt das Land im ersten Jahr für die Gesundheitsämter bereit. jur

Corona-Modellversuch in Hessen läuft bis zum 1. Mai

Der Modellversuch ist zunächst begrenzt bis zum 1. Mai. Und es gibt klare Abbruchkriterien, wie Klose betonte: Sofort Schluss wäre bei Überlastung der stationären Gesundheitsversorgung in der Region, einer kreisweite Inzidenz von mehr als 200, wenn die Gesundheitsämter die Kontaktpersonen nicht mehr nachverfolgen können oder die Testkapazitäten nicht ausreichen. Bei allem ändere sich nichts daran, dass die Lage in den Krankenhäusern ernst ist, so der Minister. „Wir wollen aber mehr über mögliche Strategien mit dem Virus lernen.“

Eine Gratwanderung, die Bouffier und seine Kolleginnen und Kollegen in der legendären Bund-Länder-Marathonsitzung vom 22./23. März beschlossen hatten. Zeitlich befristete Modellprojekte sollen mit strengen Schutzregeln und einem Testkonzept wie etwa in Tübingen ermöglicht werden. Das hessische Corona-Kabinett stimmte dem zu. Seitdem glühten die Drähte zur Landeshauptstadt.

Auch Frankfurt hatte die Hand gehoben. Das Konzept sieht vor, dass Besucher:innen zunächst online einen Platz im Restaurant oder in der Kulturstätte buchen. Den notwendigen Antigentest erhalten sie an einer Teststation in der Innenstadt. Das negative Testergebnis wird per QR-Code bescheinigt und ist 24 Stunden lang gültig. Vergebens war die Arbeit an dem Konzept nicht. Bei Erfolg sollen nach dem 1. Mai weitere Kommunen die Möglichkeit erhalten, neue Wege auszuprobieren.

Kritik an hessischen Corona-Modellstädten von der Opposition

Von der Opposition hagelte es Kritik. Christiane Böhm, gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, warf der Landesregierung angesichts der steigenden Infektionszahlen Verantwortungslosigkeit vor: „So funktioniert Politik unter dem Druck der Wirtschaft, komplett faktenfrei und gegen jeden Sachverstand.“ Der FDP wiederum sind drei Kommunen zu wenig: „Mit entsprechenden Konzepten hätten alle geeigneten und interessierten Städte oder auch Kreise die Möglichkeit bekommen sollen zu beweisen, dass Gesundheitsschutz und Öffnungen in Einklang zu bringen sind“, sagte Fraktionschef René Rock. Auch der Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, Robert Lippmann, drängt auf einen grundsätzlichen Kurswechsel: „Zu lange schon setzt die Politik auf Schließungen als Hauptrezept in der Corona-Krise.“

Verärgert reagierte Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne): Er sei nicht komplett ersichtlich, nach welchen Kriterien das Land seine Auswahl getroffen habe. Ein Zuschlag hätte durch die wissenschaftliche Begleitung der TU Darmstadt und die Vielfältigkeit der Großstadt „einen besonderen Erkenntnisgewinn ermöglicht“. (Jutta Rippegather)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare