_200824ernstreuterschule07_
+
Unterricht mit Maske an der Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach.

Politik

Hessen-SPD lehnt Zentralabitur 2021 ab

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Der hessische SPD-Bildungspolitiker Christoph Degen will, dass die Schulen im kommenden Jahr ihre Abituraufgaben selbst erarbeiten. Damit stößt er auf Widerspruch.

Die hessische SPD spricht sich dafür aus, angesichts des schwierigen Schulbetriebs schon jetzt die zentralen Abschlussprüfungen für das Frühjahr 2021 abzusagen. SPD-Bildungspolitiker Christoph Degen sagte am Donnerstag zur Erklärung, Kultusminister Alexander Lorz (CDU) solle damit „Druck aus dem System nehmen“.

Nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten sollen die Abschlussprüfungen für Haupt- und Realschule ganz entfallen. Die Abschlüsse könnten auch auf Basis der Zeugnisnoten erstellt werden.

Das Abitur soll nach Ansicht der SPD zwar geschrieben werden. Allerdings sollten die Aufgaben nicht zentral vorgegeben, sondern von den Schulen selbst erarbeitet werden. Sie wüssten am besten, „was im schwierigen Schuljahr 2020/2021 unterrichtet werden konnte“, sagte Degen. Die Abkehr vom Zentralabitur solle aber nur ausnahmsweise für das Corona-Schuljahr gelten.

Für die aktuelle Lage mahnte die SPD erneut klare Regeln für die Einführung von Wechselunterricht an. Dabei lernt jeweils nur die Hälfte der Schülerinnen und Schüler vor Ort, während die andere Hälfte zu Hause Aufgaben löst oder sich online dem Unterricht zuschaltet. Damit könne die Ansteckungsgefahr verringert werden, weil sich in den Klassenräumen leichter Abstände einhalten ließen und die Schulbusse weniger voll wären, argumentiert die SPD-Fraktion.

Nach Degens Vorschlag soll das Land einen „Korridor“ schaffen, in dem die Städte und Landkreise Wechselunterricht ab Klasse 7 einführen können. Dieser könne bei einer Inzidenz von 50 beginnen, also 50 Coronafällen pro 100 000 Menschen in sieben Tagen. Ab einer bestimmten Inzidenz, möglicherweise 200, würde Wechselunterricht dann verpflichtend eingeführt.

Wechselunterricht strittig

„Da müsste in so einem Fall auch die Stadt Frankfurt reingehen“, bestätigte Degen. In der Mainmetropole liegt die Inzidenz über 200. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hat sich aber gegen Wechselunterricht ausgesprochen. In anderen hessischen Kommunen wird er hingegen praktiziert. Degen nannte die Stadt Offenbach sowie die Landkreise Groß-Gerau, Lahn-Dill und Main-Kinzig.

Die schwarz-grüne Landesregierung steht dem Wechselunterricht skeptisch gegenüber und lehnt landesweite Vorgaben dazu ab. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte in der vorigen Woche im Landtag, er kämpfe dafür, dass die Schulen „für jedes Kind für jeden Tag“ offen blieben.

Auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte sich in diesem Sinne geäußert. Sozialdemokrat Degen fordert, dass Bouffier diese Position zurücknimmt.

Die Linke im Landtag bekräftigte am Donnerstag ihre Auffassung, dass Wechselunterricht in Corona-Zeiten richtig sei. Ihre Landtagsabgeordnete Elisabeth forderte: „Klassen teilen, wenn nötig Schichtunterricht, sichere Schulwege durch mehr Busse, eine vernünftige, zeitnahe und kostenlose Ausstattung mit digitalen Endgeräten von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften und mehr Personal.“ Die Ängste der Betroffenen an den Schulen dürften „nicht weiter ignoriert werden“, fügte sie hinzu.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare