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Hessen

Hessen soll mit einem Sonderfonds die soziale Infrastsruktur retten

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Die Pandemie bringt viele Träger in finanzielle Nöte, ergab eine Umfrage der Liga der freiwen Wohlfahrtspflege. Staatliche Hilfen kommen nicht an.

Weniger Einnahmen, höhere Kosten und die staatlichen Hilfsprogramme kommen oft nicht an: Für 80 Prozent der sozialen Einrichtungen in Hessen hat sich die finanzielle Situation in der Pandemie verschlechtert. Neun Prozent befürchten sogar die Pleite. So das Ergebnis einer Blitzumfrage, an der 102 Organisationen der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Hessen in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt zum Jahresende teilnahmen. Mehr als 15 Millionen Euro Defizite waren zu dieser Zeit bereits durch fehlende Einnahmen und gestiegene Ausgaben aufgelaufen. Weil Beiträge für Kurse wegfielen, bei Festen keine Spenden gesammelt werden konnten und in den Pflegeheimen Betten leerstehen mussten. Viele Ehrenamtliche fielen aus, weil sie der Risikogruppe angehören. Laptops mussten angeschafft, Hygieneartikel gekauft werden.

Hilfen von Bund und Land hätten oft auf die heterogen strukturierte soziale Arbeit einfach nicht gepasst, sagte Christa Larsen, Geschäftsführerin des IWAK. Die Alten- und Behindertenhilfe sei hier eine Ausnahme. Viele Angebote finanzierten sich über Kursgebühren, Mitgliedsbeiträge oder kommunale Zuschüsse, Schuldnerberatungen etwa oder Sozialkaufhäuser. „Sie konnten keine Hilfen beantragen und erhalten.“

Die Liga

Der Zusammenschluss der hessischen Wohlfahrtsverbände vertritt deren Interessen sowie der hilfebedürftigen und benachteiligten Menschen gegenüber der Politik.

Die sechs Mitglieder AWO, Caritas, Diakonie, DRK und Landesverband der jüdischen Gemeinden betreiben rund 7300 Pflegeeinrichtungen, Behinderteneinrichtungen, Werkstätten, Tages-stätten, Bildungsstätten, Beratungsstellen, Frühförderstellen, ambulante Dienste und andere soziale Einrichtungen. jur

Er habe Defizite erwartet, sagte Nils Möller, Vorsitzender der AG Finanzen in der Liga Hessen am Freitag. „Aber diese Höhe hat mich überrascht.“ Die Zwischenbilanz zeige, mit welchen Schwierigkeiten die Träger zu kämpfen hätten. Der Erhalt der sozialen Strukturen sei wichtiger denn je. „Der Zusammenhalt der Gesellschaft hängt ab von der sozialen Sicherheit.“ Viele Angebote seien gerade in der Pandemie für Menschen in sozialen Schwierigkeiten eine wichtige Stütze. Aus eigener Kraft könnten die Träger die Defizite nicht mehr auffangen. „Gerade kleinere Vereine und Organisationen sind in akuter Existenznot“, sagte Möller.

Die Liga fordert die Landesregierung auf, einen Sonderfonds Soziales aufzulegen, der die Mindereinnahmen und Mehraufwendungen finanziere. „Verwaltungsarme Hilfen sind hier gefragt, um die bewährte, heterogene soziale Infrastruktur finanziell zu sichern“, so Möller. Und betonte zugleich, dass die 15 Millionen Euro lediglich eine kleine Zahl der Organisationen und das Jahr 2020 beträfen. „Wir müssen von wesentlich höheren Defiziten für die gesamte Pandemie ausgehen.“

Die Hilfen müssten „passgenauer als bisher“ auf die sozialen Arbeitsfelder zugeschnitten sein, um die soziale Infrastruktur in den Kommunen zu erhalten. Als weitere Möglichkeit brachte er die Öffnung der bestehenden Förderprogramme für die Organisationen der Sozialwirtschaft ins Spiel. Insbesondere der Ausbau der Digitalisierung habe viel Geld verschlungen. „Die Organisationen in der sozialen Arbeit haben Hard- und Software beschafft, Mitarbeitende geschult, Onlineberatungsangebote aufgebaut – zum großen Teil aus eigenen Mitteln.“ Eine kurzfristige Unterstützung durch das Land sei notwendig. Für Kooperationen stehe die Liga zur Verfügung.

Die Diakonie Hessen unterstütze die Forderung nach einem Sonderfonds Soziales, der die coronabedingten Mindereinnahmen und Mehraufwendungen finanziere. „Ein solcher Mehraufwand sind etwa Covid-19-Selbsttests, die Arbeitgeber:innen von Angeboten sozialer Arbeit seit letztem Monat ihren Mitarbeitenden zur Verfügung stellen müssen“, sagte Vorstandschef Carsten Tag.

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