Nach Verkehrswende sieht es zur Zeit in Hessen nicht aus. (Symbolbild)
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Nach Verkehrswende sieht es zur Zeit in Hessen nicht aus. (Symbolbild)

Mobilität

Hessen setzen weiter auf das Auto

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Corona verändert Mobilitätsverhalten in Hessen kaum. In Frankfurt sind allerdings viele mit Bahn und Fahrrad oder zu Fuß unterwegs - anders als auf dem Land.

Es ist erst wenige Monate her, dass die meisten Menschen wegen der Corona-Einschränkungen zu Hause blieben. Auf den Straßen waren viel weniger Autos unterwegs als sonst, die Busse und Bahnen fuhren mit nur wenigen Fahrgästen.

Es schien ein Gewinner-Verkehrsmittel zu geben: Viele Menschen entdeckten das Fahrrad für sich. Manche Befürworter der Verkehrswende hofften dadurch, dass mehr Menschen sich nach Corona für eine klima- und umweltfreundlichere Mobilität entscheiden würden. Danach sieht es allerdings nicht aus.

Das zeigten die Hessen-Zahlen, die Robert Follmer vom Infas-Forschungsinstitut am Mittwoch im House of Logistics and Mobility (HOLM) am Flughafen präsentierte. „Wir sind sehr stark in unseren Routinen verhaftet“, kommentierte er. „Am einfachsten ist es, wenn ich mich jeden Morgen für das gleiche Verkehrsmittel entscheide.“ Daher nutze nur eine Minderheit abwechselnd das Fahrrad, die Bahn und das Auto.

In Corona-Zeiten sei das Mobilitätsverhalten eher „autolastiger“ geworden, berichtete Follmann. Das sei schon „ein bisschen ernüchternd“.

Hessen hatte die Sonderauswertung einer bundesweiten Mobilitätsstudie in Auftrag gegeben, an der sich allein in Hessen 18 000 Haushalte beteiligten. Die Daten dafür wurden aber bereits 2017 erhoben. Um Veränderungen durch Corona erkennen zu können, wurde eine weitere Untersuchung auf den Weg gebracht, die Mobilitätsverhalten im Mai 2020 erhob.

Mobil in Hessen

Das Auto nutzen Hessinnen und Hessen auf rund 60 Prozent ihrer Wege. Meistens sitzen sie selbst als Fahrerin oder Fahrer am Steuer.

Zu Fuß werden rund 20 Prozent der Wege zurückgelegt. Auf das Fahrrad entfallen rund zehn Prozent der Wege, auf den öffentlichen Verkehr ebenfalls. Das haben Studien des Forschungsinstituts Infas ergeben.

In diesem Zeitraum legten die Menschen insgesamt weniger Wege zurück als vor Corona. Die Aufteilung auf die Verkehrsträger hatte sich aber so gut wie nicht verändert. Weiterhin entfielen rund 60 Prozent auf das Auto, es gab sogar einen kleinen Anstieg.

Vor oder nach Corona, das scheint also keinen großen Unterschied auszumachen. Einen viel größeren Einfluss hat nach Follmers Zahlen die Frage, wo jemand unterwegs ist. In der Metropole sieht die Lage ganz anders aus als auf dem Land.

Verkehrswende in der Stadt

In Frankfurt würden nur knapp 30 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt. Zu Fuß seien es sogar noch ein bisschen mehr. Auch Busse und Bahnen (24 Prozent) und das Fahrrad (16) spielten eine weit größere Rolle. Zum Vergleich: Im ländlichen Hessen werden öffentliche Verkehrsmittel gerade einmal für fünf Prozent der Wege genutzt, das Fahrrad für drei Prozent.

„Die Verkehrswende fängt in den Städten an“, schloss Heiko Nickel daraus, der politische Geschäftsführer des alternativen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Hessen und Mitinitiator des Radentscheids in Frankfurt. Nach der Präsentation der Infas-Ergebnisse diskutierte er auf dem HOLM-Podium mit Vertretern der Verkehrsverbünde, der Straßenbaubehörde Hessen Mobil und anderen Fachleuten. Insbesondere der Ausbau der Fahrradwege müsse vorangehen, um mehr Menschen zum Umsteigen zu bewegen, forderte Nickel.

André Kavai vom Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV) berichtete, dass die Pendlerzüge inzwischen wieder zu zwei Dritteln gefüllt seien. Es gebe aber noch keinen Normalzustand. Denn Fahrgäste in Richtung Stadion, Messe oder Flughafen fehlten weiterhin.

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