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Hessen: Sechs Suizide in Haft

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Von: Hanning Voigts

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Immer wieder beschließen Gefangene in Hessen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Foto: Peter Jülich
Immer wieder beschließen Gefangene in Hessen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Foto: Peter Jülich © peter-juelich.com

Im Jahr 2021 haben sich sechs Inhaftierte in hessischen Gefängnissen das Leben genommen. Das Justizministerium betont, dass für die Suizidprävention bereits sehr viel Aufwand betrieben werde.

Im Jahr 2021 haben sich sechs Gefangene in hessischen Haftanstalten das Leben genommen. Das waren genauso viele wie 2020, aber deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Jeweils drei Inhaftierte begingen 2019 und 2018 in hessischen Gefängnissen Suizid, 2017 und 2016 waren es jeweils sechs. Zahlen für das ablaufende Jahr liegen noch nicht vor, wie aus der Antwort des Justizministeriums auf eine kleine Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten Rainer Rahn hervorgeht. Rahn gehörte bis vor kurzem noch der in Teilen rechtsextremen AfD an.

Wie man aus den Angaben des Justizministeriums ebenfalls ersehen kann, töteten sich die meisten Betroffenen durch Erhängen. Von insgesamt 45 Menschen, die sich seit 2012 im Gefängnis in Hessen das Leben genommen haben, starben demnach 38 durch Erhängen, jeweils drei durch Schnittverletzungen und Ersticken und einer durch Medikamente. Die meisten der Betroffenen, nämlich insgesamt 24, saßen zum Zeitpunkt ihres Todes in Untersuchungshaft, 20 in Strafhaft und einer in Auslieferungshaft.

Hessen: Die Gefängnisse legen einen Fokus auf Prävention

Alle Betroffenen seien bei ihrem Suizid alleine in ihrem Haftraum gewesen, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Eine akute Suizidgefährdung sei in der Justizvollzugsanstalt vorher bei keinem von ihnen festgestellt worden, bei fünf von ihnen allerdings eine latente Suizidgefahr.

Hier gibt es Hilfe

Ihre Gedanken kreisen öfter um das Thema Selbsttötung? Sie haben bereits darüber nachgedacht, sich das Leben zu nehmen? Hilfe gibt es bei der bundesweit kostenlos erreichbaren Telefonseelsorge unter 0800 / 111 01 11 und 0800 / 111 02 22. Kinder und Jugendliche finden bei der „Nummer gegen Kummer“ ein offenes Ohr unter 11 61 23, Eltern unter 11 61 11. FR

Eine gesonderte Erfassung von Suizidversuchen erfolge grundsätzlich nicht, „da eine zuverlässige Abgrenzung von Selbstverletzungen und Suizidversuchen oftmals nicht möglich ist“, so das Ministerium.

Hessen: Komplexer Umgang mit Gefahrenlagen

Grundsätzlich spiele das Thema Suizidprävention eine große Rolle in hessischen Gefängnissen, betonte das von Justizminister Roland Poseck (CDU) geführte Haus. Das Thema komme in der Aus- und Weiterbildung aller Justizangestellten vor, die Mitarbeiter:innen seien in medizinischen und psychologischen Aspekten sowie im Umgang mit Krisensituationen geschult. Mindestens einmal im Jahr gebe es eine eingehende Erörterung zum Thema Suizid in allen Gefängnissen. Die Präventionsarbeit in Hessen werde zudem durch eine interdisziplinär besetzte „Landesarbeitsgruppe Suizidprävention“ unterstützt.

Im konkreten Einzelfall sei der Umgang mit Suizidgefährdung komplex, da die Mitarbeiter:innen dazu „eine ständig zu aktualisierende Prognose über das zukünftige Verhalten der Inhaftierten“ leisten müssten. Es müsse abgewogen werden, ob und wie lange Schutzmaßnahmen verhältnismäßig seien, etwa zusätzliche Kontrollen im Haftraum oder auch die Ausstattung der Gefangenen mit Kleidung und Bettwäsche aus speziellem, nicht reißfestem Papier. Eine Auswirkung der Corona-Pandemie auf Suizide seit 2020 könne man nicht feststellen. (Hanning Voigts)

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