1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Hessen: Schutz gegen sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Diese Kriminaloberkommissarin kämpft beim Polizeipräsidium Mittelhessen gehört zur „BAO Fokus“, einer speziellen Organisation innerhalb der Polizei, die seit Oktober 2020 gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch kämpft.
Diese Kriminaloberkommissarin kämpft beim Polizeipräsidium Mittelhessen gehört zur „BAO Fokus“, einer speziellen Organisation innerhalb der Polizei, die seit Oktober 2020 gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch kämpft. © Arne Dedert/dpa

Betroffene arbeiteten mit am neuen hessischen Aktionsplan. Unter anderem ist eine „Kinder-Online-Wache“ gefordert.

Nach zehn Jahren soll Hessen einen neuen Aktionsplan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt bekommen. Das Besondere an der Neuauflage ist die Art, wie sie zustande kam: Betroffene haben in allen Arbeitsgruppen mitgewirkt. Mit ihrem Wissen über Täterstrategien etwa haben sie der Perspektive der Fachleute eine weitere hinzugefügt. Dafür sensibilisiert, dass nicht alleine krankhaft Pädophile sich im Internet ihre Opfer suchen, sondern schon Kinder und Jugendliche - weil sie nach Dominanz streben. „Es geht meist um Macht“, sagte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Dienstag in Wiesbaden, wo er den vorläufigen Abschluss eines fast einjährigen Prozesses verkündete. Moderiert hatte ihn eine externen Agentur. 38 konkrete Handlungsvorschläge haben die mehr 130 Teilnehmenden erarbeitet: Expertinnen und Experten, einschließlich Betroffener, aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, Vereinen und Verbänden. Alle Bereiche sind berührt - von Forschung und Aufarbeitung über Schutzkonzepte und Digitalisierung bis zu Qualifikation und Zusammenarbeit von Behörden sowie Hilfen für Opfer.

Prävention stärken

So soll die Prävention in Kita und Schule gestärkt werden - durch angepasste Bildungs- oder Lehrplanpläne. Mehr Forschung und Aufarbeitung, eine Ausweitung der Pflicht zu Schutzkonzepten auch in Schulen stehen auf der Liste. Weitere Punkte: eine „Kinder-Online-Wache“, deren Ausgestaltung noch offen ist, ein „interdisziplinäres Kompetenzzentrums Kinderschutz in Hessen“, verpflichtende Netzwerkarbeit auf kommunaler Ebene. Empfohlen wird auch die Gründung eines Landesbetroffenenrats und eine unabhängige Landeskoordinierungsstelle zur Stärkung der Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend.

Die Aktualisierung des Aktionsplans hat Schwarz-Grün im Koalitionsvertrag vereinbart. Die Vorgängerversion trat im Jahr 2012 in Kraft, unter dem Eindruck des Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule. Vor zehn Jahren spielten digitale Medien bei weitem nicht eine solch herausragende Rolle wie heute. Gerichtsprozesse brachten in den vergangenen Jahren neue Erkenntnisse, die ebenfalls in den „Aktionsplan 2.0“ einfließen sollen. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Im nächsten Schritt erfolgt die Abstimmung in den Ministerien, gefolgt von einem Kabinettsbeschluss und der Umsetzung. Die ersten Schritte sollen noch in dieser Legislatur beginnen.

Aus der Tabuzone holenlose geht es auch darum, das Thema aus der Tabuzone zu holen. „Die Perspektive von Personen, die selbst sexualisierte Gewalt erleiden mussten, ist sehr hilfreich, um ihr vorzubeugen und junge Menschen davor zu schützen.“ Je mehr darüber öffentlich gesprochen werde, desto besser die Prävention. Sexualisierte Gewalt finde am häufigsten in der Familie statt, aber auch in Kindergärten, Schulen oder Sportvereinen. Klose erinnerte an den aktuellen Prozess vor dem Frankfurter Landgericht. Angeklagt ist ein 35-Jähriger wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Kindern. Der Mann ist ein ehemaliger Jugendtrainer des Fußballdrittligisten Wehen Wiesbaden.

Auch interessant

Kommentare