Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mervan und Katia – integriert und dennoch abgeschoben. privat
+
Mervan und Katia – integriert und dennoch abgeschoben. privat

Asyl-Politik

Hessen: Schülerin kurz vor Realschulabschluss abgeschoben

Die Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen setzt sich für Rückkehr einer syrischen Familie ein. Die Abschiebung einer 16-Jährigen und ihres Bruders hinterlässt alle fassungslos und entsetzt.

Drei Monate vor ihrem Realabschluss ist die aus Syrien stammende Schülerin Katia Kheder abgeschoben worden. Die 16-Jährige, die in Wolfhagen die Walter-Lübcke-Schule besuchte, wurde zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Mutter nach Bulgarien ausgeflogen. Die Schulgemeinde zeigt sich fassungslos und will erreichen, dass die Abschiebung rückgängig gemacht wird.

„Wir hoffen sehr, dass diese unfassbare Entscheidung revidiert wird“, sagt Schuldirektor Ludger Brinkmann. Zusammen mit zahlreichen Unterstützern werde man eine entsprechende Petition auf den Weg bringen. „Wir hoffen, dass der öffentliche Druck hilft, die Familie nach Wolfhagen zurückzuholen“, sagt Brinkmann.

Die Abschiebung sei mitten in der Nacht erfolgt und kurz bevor die Familie eine Duldung hätte erhalten müssen. Denn sowohl Katia als auch ihr 17 Jahre alter Bruder Mervan hätten im Herbst eine Ausbildung beginnen sollen. „Beide hatten einen unterschriebenen Vertrag in der Tasche“, berichtet Brinkmann. Katia als Altenpflegerin, Mervan bei einem lokalen Bauunternehmen, wo er nach einem Praktikum sofort ein Ausbildungsangebot erhalten habe.

Ebenfalls Abgeschoben

Am Mittwoch ist nach Angaben des Arbeitskreises Asyl Witzenhausen der 29 Jahre alte Syrer F. aus Kassel nach Bulgarien abgeschoben worden. Er kam 2017 nach Deutschland und hatte zuvor in Witzenhausen gelebt. In Kassel habe er einen festen Arbeitsplatz, eine Wohnung und ein Auto besessen. Die Abschiebung trenne ihn von seinem Vater, der in Witzenhausen lebt.

Eine 61-jährige Eritreerin war bereits am Dienstag aus der Geflüchtetenunterkunft Witzenhausen nach Äthiopien abgeschoben worden.Laut Arbeitskreis hat sie seit neun Jahren in Deutschland gelebt. pgh

Die Familie war vor drei Jahren in Deutschland angekommen, nachdem sie als Flüchtlinge über Bulgarien in die Europäische Union eingereist war. Sie lebte seitdem in Wolfhagen im Kreis Kassel. Der Vater ist inzwischen verstorben. Die Kinder hätten damals kein Deutsch gesprochen, es aber dennoch binnen kürzester Zeit geschafft, ihre Schulabschlüsse zu machen beziehungsweise hätten kurz davor gestanden, sagt Brinkmann.

„Wir als Schülervertretung der Walter-Lübcke-Schule, die für Offenheit und Vielfalt steht und sich gegen Ausgrenzung einsetzt, sind schockiert und enttäuscht, dass so etwas auch bei uns passiert“, heißt es in einem Aufruf. „Katia war eine sehr nette Mitschülerin und gute Freundin. Sie war fleißig, engagiert und ambitioniert.“ Sie ohne Schulabschluss in ein Land zuschicken, dessen Sprache sie nicht spreche und das ihr kaum Zukunftsaussichten biete, „ist in unseren Augen einfach grausam, unverantwortlich und unfair“.

„Mervan und Katia haben sich hier sehr engagiert“, erzählt Schulsozialarbeiter Henning Riedel. Mervan habe in der Fahrradwerkstatt der Flüchtlingsunterkunft mitgeholfen, Katia habe sich als Übersetzerin betätigt. Die ganze Familie habe sich sehr gut integriert, sagt Riedel. „Man kann da einfach nur den Kopf schütteln.“ Mit ihren Ausbildungsvergütungen hätten die beiden jungen Menschen den eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Mutter ohne Weiteres bestreiten können, schreibt die Initiative „Offen für Vielfalt“. Sie ist Partnerin der Walter-Lübcke-Schule, die nach dem ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten benannt ist, der sich sehr für Flüchtlinge eingesetzt hatte.

Die Initiative kündigte an, bei Bundes- und Landespolitiker:innen um Stellungnahmen anzufragen, die am Festakt zur Umbenennung der Schule im September 2020 teilgenommen hatten. „Wir werden diese Stellungnahmen dann veröffentlichen“, schreibt die Initiative.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare