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Hessen: Schub für die Telemedizin

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Von: Jutta Rippegather

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Ein Hausarzt sitzt während einer Videosprechstunde in seiner Praxis vor einem Laptop.
Ein Hausarzt sitzt während einer Videosprechstunde in seiner Praxis vor einem Laptop. © Monika Skolimowska/dpa

Das Land hat eine Studie zum Stand der Digitalisierung in Hessen in Auftrag gegeben. Sie legt den Schwerpunkt auf die Zeit der Pandemie.

Am Einkaufsverhalten hat Corona wenig geändert. Wer vorher im Internet bestellte, nutze diese Möglichkeit noch häufiger. Wer lieber in realen Geschäften Geld ausgibt, der wanderte nicht ab in Onlineshops. Eine überraschende Erkenntnis, sagt Mike Weber, Vizeleiter des Kompetenzzentrums Öffentliche IT (ÖFIT) am Fraunhofer-Institut.

Pakt zum Glasfaserausbau

Das Verhalten in der Pandemie bildet den Schwerpunkt der Studie, die er im Auftrag des hessischen Digitalministeriums federführend erstellte. Das Ergebnis ist der am Montag vorgestellte „Hessische Digitalindex“. Er gibt Auskunft darüber, wie die Digitalstrategie des Landes wirkt. Nach Meinung von Ministerin Kristina Sinemus (CDU) gut. „In Hessen ist dieser Schub auf eine dynamisch gewachsene digitale Infrastruktur im ländlichen Raum, die richtigen Unterstützungsangebote und eine gezielte Förderung des Landes getroffen.“ Für Freitag kündigte sie die Unterzeichnung eines „Pakts zum Glasfaserausbau“ an.

Ergebnisse

Das Internet nutzen 97 Prozent aller Hessinnen und Hessen, davon 72 Prozent täglich. (Stand Mitte 2021)

Eine Breitbandversorgung von mindestens 50 Megabit pro Sekunde steht 86 Prozent der Haushalte im ländlichen Raum zu Verfügung.

Bei den Schulen stieg die Gigabitanbindung von 30 Prozent im Jahr 2019 auf 71 Prozent.

Die Hälfte der Kommunen arbeitet an einer eigenen Digitalstrategie, mehr als 22,5 Prozent hat eine solche.

https://digitales.hessen.de

Für die Studie wurden im vergangenen September und Oktober 1010 Hessinnen und Hessen im Alter von mehr als 16 Jahren befragt. Die Hälfte aller Kommunen beteiligte sich. 1419 kleine und mittlere Unternehmen trugen Antworten bei. Von denen schätzen mehr als 38 Prozent ihren Digitalisierungsgrad als stark ein. Eine „deutliche Zunahme“ (Weber) im Vergleich zu den 24 Prozent vier Jahre zuvor. Die Homeoffice-Möglichkeit habe dazu beigetragen, dass rund ein Fünftel der Unternehmen inzwischen eigene IT-Fachkräfte beschäftigt und dass sich die Infrastruktur verbessert hat. Ein nennenswert stärkerer Technologieeinsatz sei nicht erkennbar.

Pakt zum Glasfaserausbau

Wenig überraschend: Der „sprunghafte Anstieg der Nutzung telemedizinischer Angebote“. Von 3,6 Prozent Mitte 2020 stieg er auf 20,1 Prozent 2021. Die Furcht vor Ansteckungen wog mehr als die Skepsis gegenüber digitalen Angeboten. Ärzt:innen und Therapeut:innen konnten zum Teil uneingeschränkt Videosprechstunden abrechnen.

Mit der digitalen Verwaltung geht es der Studie zufolge voran. Binnen drei Jahren habe sich die Verfügbarkeit von kommunalen Onlinedienstleistungen verdreifacht, liege jetzt bei rund 25 Prozent. 69 Prozent der Bevölkerung agiere auch digital mit Behörden.

Die Koalition aus CDU und Grünen sieht ihre Politik bestätigt. Die Opposition spricht von Stillstand. „Ein Index bringt noch keine Dynamik in die Digitalisierung, und eine Unterschrift allein verlegt noch nicht einen Meter Glasfaser“, stellt Oliver Stirböck (FDP) klar. Bijan Kaffenberger (SPD) erinnert daran, dass der Deutschland-Index auch Untersuchungen der Bundesländer beinhaltet. „Jetzt eine Sonderauswertung für Hessen zu beauftragen, ist keine Kunst und schon gar keine Digitalpolitik.“

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