1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Hessen: Schienen auf dem Abstellgleis

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Der Schienenverkehr soll wieder erblühen.
Der Schienenverkehr soll wieder erblühen. © Andreas Arnold

Der Fahrgastverband Pro Bahn vermisst beim Land den Willen, stillgelegte Strecken zu reanimieren. Die ländlichen Regionen würden vergessen.

Bei der Reaktivierung stillgelegter Bahnverbindungen fehlt es in Hessen am notwendigen Engagement, kritisiert Klaus Zecher vom Fahrgastverband pro Bahn. Die jetzt vom Verkehrsministerium veröffentlichte Übersicht zum Stand der Vorhaben spiegele die „Ambitions- und Ideenlosigkeit von Landesregierung, Verkehrsverbünden und einem großen Teil der 21 Landkreise“ wider. Unter den sieben als Reaktivierungen deklarierten Strecken befänden sich mit der Unteren Edertalbahn Korbach-Frankenberg gerade einmal eine längere. Die ebenfalls aufgelistete Pfungstadtbahn messe gerade zwei, die nördliche Taunusbahn Grävenwiesbach-Brandoberndorf sieben Kilometer.

Bezug zur Großstadt

„Alles andere hat irgendwie Bezug zum Ausbau der S-Bahn Rhein-Main oder eines dazugehörigen Mischbetriebs im großstädtischen Umfeld beziehungsweise kann fachtechnisch nicht als Reaktivierung bezeichnet werden“, urteilt Zecher. Hart geht er mit Hessens Verkehrsminister Tarek al-Wazir (Grüne) in Gericht. Der habe in seiner achtjährigen Amtszeit kein einziges neues Projekt gestartet. „Reaktivierungsideen, auf die er sich beruft, waren zu seinem Amtsantritt schon lange in der öffentlichen Diskussion.“

Statt eigene Vorhaben anzustoßen, warte die Landesregierung stets ein Votum aus den Kreisen und Kommunen ab. Dort bestünden oft große Vorbehalte gegen neue Schienenverbindungen. „Die Verkehrswende ist noch nicht überall angekommen“, sagt Zecher im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Der Übersicht des Ministeriums zufolge besteht bei 24 Strecken Potenzial für eine Reaktivierung. Bei drei besteht eine konkrete Planung für ein Betriebskonzept: vom Bahnhof Neu-Isenburg ins Stadtzentrum als Teil der Regionaltangente West, die Horloffbahn zwischen Wölfersheim-Södel und Hungen sowie die Lumdatalbahn Lollar–Mainzlar–Londorf. Positiv abgeschlossen sei die Machbarkeitsstudie zur Strecke Frankenberg–Battenberg.

Im Status „Machbarkeitsstudie in Bearbeitung“ befinden sich sechs Strecken, darunter die Aartalbahn von Wiesbaden über Bad Schwalbach zur Landesgrenze, die Verbindung Hanau–Erlensee, Griesheim–Wolfskehlen sowie Darmstadt Ost–Roßdorf–Groß-Zimmern.

In die Kategorie „erhebliches Hindernis für eine Reaktivierung“ fallen vier Vorhaben: die Dietzhölztalbahn von Dillenburg nach Ewersbach, die Solmstalbahn von Brandoberndorf nach Albshausen, die Strecke Hungen–Laubach und die Weiltalbahn von Grävenwiesbach nach Weilburg.

Bestandsaufnahme mit Fehlern

Nach Recherchen von Pro Bahn ist die Bestandsaufnahme fehlerhaft. So würde mehrfach die Überbauungen von stillgelegten Bahntrassen behauptet, die nicht existierten. Die gesamte Solmsbachtalbahntrasse etwa sei frei. Kritik übt Fahrgastlobbyist Zecher auch daran, dass es keinen konkreten Terminplan für die Lumdatalbahn gibt. Einzig für die Horlofftalbahn mit ihren geplanten Pendler-Direktzügen nach Frankfurt sei eine Wiederinbetriebnahme für 2025 genannt. Dabei bestehe vor allem in ländlich geprägten Räumen Nachholbedarf. Die Schiene müsse auch für den Güterverkehr wieder an Bedeutung gewinnen. „Stattdessen stattet man Autobahnen mit Oberleitungen aus, auf welchen weniger als 20 dafür ausgerüstete Lastwagen pro Tag unterwegs sind.“

Auch interessant

Kommentare