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Hessen: Projekt für mehr Patientensicherheit

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Von: Jutta Rippegather

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Bunte Tabletten
Je älter der Mensch, desto mehr Medikamente nimmt er. © Imago

Die Barmer versorgt das Krankenhaus mit Informationen über die Medikamentation. Ein Projekt im Rheingau-Taunus.

Es gibt Medikamente, die können sich in Kombination zum tödlichen Cocktail entwickeln. Immunsuppressiva und Gichtmittel sind dafür Beispiele. „Zusammen eingenommen kann das ganz, ganz schlimme Folgen haben“, sagt Markus Schubert, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Medizin am St. Josefs-Hospital Rheingau. Für ihn und seine Kolleg:innen sei es sehr wichtig zu wissen, welche Arzneimittel ein Patient oder eine Patientin einnimmt - speziell, wenn diese:r in der Notaufnahme eingeliefert wird. Doch oft fehlen diese Informationen gänzlich oder es gibt nur einen Zettel mit rudimentären Angaben. Das soll eine Digitalisierungs-Projekt aus dem Innovationsfonds des Bundes ändern.

Einwilligung muss sein

Bundesweit sind zwölf Kliniken unterschiedlicher Größe daran beteiligt. Zwei davon in Hessen - das St. Vinzenz in Limburg und das St. Josef in Rüdesheim. Partnerin ist die Krankenkasse Barmer. Sie liefert dem Krankenhaus die Informationen über die Medikamentation - Bedingung ist eine Einwilligung der Versicherten.

Den Bedarf begründet Barmer-Landeschef Martin Till mit Zahlen aus dem aktuelle Arzneimittelreport der Krankenkasse. Dieser analysiert die Arzneimitteltherapie von Versicherten ab dem Alter von 40 Jahren in einem Zeitraum von zehn Jahren. Demnach bekommen die Menschen in Hessen im Durchschnitt in einer Lebensdekade 73 Rezepte von rund sieben Ärztinnen und Ärzten. Dafür erhalten sie 107 Packungen Medikamente aus sechs verschiedenen Apotheken mit rund 19 verschiedenen Wirkstoffen. Mit dem Alter steigen die Zahlen: Ab 80 Jahren liegt die Zahl der Wirkstoffe bei rund 27 und damit 42 Prozent höher.

Die Menschen in Hessen wurden im Jahr 2020 mit fast 460 000 Kombinationen aus zwei Medikamenten behandelt. „Die Komplexität von Arzneimitteltherapien lässt sich analog nicht sicher beherrschen“, sagt Till. „Ohne vollständige Kenntnis der aktuellen Medikation wird sie zu einem unkalkulierbaren Risiko, insbesondere bei ungeplanten Krankenhausbehandlungen.“

Bei dem Projekt übermittelt die Krankenkassen ohne Zeitverzug alles Wichtige zur medizinischen Vorgeschichte. Neben einer Liste aller verordneten Arzneimittel weist die Software auch auf Risiken der Arzneitherapie hin. Die Ärzt:innen können Rat bei externen Apotheker:innen einholen. Bei der Entlassung in die hausärztliche Betreuung gehen keine Informationen verloren .

Bessere Qualität

Im November ging es los, in einem halben Jahr könne eine erste Bilanz gezogen werden, meint Markus Schubert, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Medizin. Er ist aber schon jetzt überzeugt von dem digitalen Ansatz des Projektes: „Er bietet enormes Potenzial, die Arzneimittelsicherheit bei unseren Patientinnen und Patienten zu verbessern und somit die Behandlungsqualität in unserer Region zu steigern.“

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