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Auch im Polizeipräsidium Frankfurt soll Munition unterschlagen worden sein. Foto: dpa
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Auch im Polizeipräsidium Frankfurt soll Munition unterschlagen worden sein.

Polizei Hessen

Hessen: Polizist soll Dienstmunition unterschlagen haben

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Nach FR-Recherchen entstand der Verdacht gegen den hessischen Polizisten bei Ermittlungen gegen das rechtsextreme Netzwerk „Nordkreuz“.

Frankfurt am Main - Drei Monate nach dem Skandal um verschwundene Schusswaffen und Munition aus der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums Frankfurt steht erneut ein hessischer Polizist unter dem Verdacht, Dienstmunition unterschlagen zu haben. Die Ermittlungen gegen den Beamten führt die Staatsanwaltschaft Wiesbaden, sie gingen aber ursprünglich von der Staatsanwaltschaft Schwerin aus.

Der Verdacht gegen den Polizisten entstand dort bei der Auswertung von Chat- und E-Mail-Nachrichten im Zuge der Ermittlungen gegen Marko G., einen früheren Elitesoldaten und Angehörigen eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus Mecklenburg-Vorpommern. Das ergibt sich aus Recherchen der Frankfurter Rundschau. G. hatte im Januar 2016 das rechtsextreme Netzwerk „Nordkreuz“ mitbegründet und war im Dezember 2019 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Polizist in Hessen soll bereits vor Jahren Munition unterschlagen haben

Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, Florian Breidenbach, der FR auf Anfrage mitteilte, stehen die Ermittlungen gegen den hessischen Beamten derzeit ganz am Anfang. Bislang sei nicht geklärt, ob überhaupt dienstliche Munition unterschlagen worden sei, sagte Breidenbach. Der Anfangsverdacht ergebe sich aus Andeutungen in Kommunikationen des Beschuldigten über Chat und E-Mail. Es sei aber denkbar, dass es in den Nachrichten lediglich um legale, privat erworbene Munition gehe.

Die fraglichen Vorgänge liegen Breidenbachs Angaben zufolge bereits einige Jahre zurück. Man gehe dem Verdacht „mit aller Intensität“ nach, sagte der Sprecher. Die Ermittlungsarbeit liege bei der Abteilung für interne Ermittlungen im Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden. Weitere Details zum Beschuldigten, etwa zu dessen früherer oder aktueller Dienststelle, wollte Breidenbach nicht preisgeben.

Ermittlungen gegen hessischen Polizisten erhalten zusätzliche Brisanz

Durch den möglichen Zusammenhang mit Marko G. erhalten die Ermittlungen gegen den Polizisten in Hessen eine besondere Brisanz. G. war bei der Bundeswehr zum Einzelkämpfer und Fallschirmspringer ausgebildet worden und hatte später eine Laufbahn bei der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern eingeschlagen – zunächst bei der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE), dann beim SEK, wo er auch als Präzisionsschütze geschult wurde.

Bei zwei Durchsuchungen im August 2017 und im Juni 2019 waren bei G. Sprengmittel, Waffen und Tausende Schuss Munition gefunden worden, darunter auch solche für Kriegswaffen und sogenannte Behördenmunition, die für Sicherheitsbehörden bestimmt ist. Im Dezember 2019 wurde G. wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

Hessen: Ermittlungen gegen Kommissar wegen verschwundenen Schusswaffen

Im Urteil gegen G. hielten die Richterinnen und Richter am Landgericht Schwerin zwar fest, dass er die Gruppe „Nordkreuz“ mitgegründet hatte, in der sich aktive und ehemalige Polizisten und Soldaten organisierten, um sich auf einen „Tag X“ vorzubereiten, an dem die staatliche Ordnung zusammenbrechen würde. Teile der Gruppe hatten dazu Waffen gehortet und Feindeslisten angelegt. Dennoch sei G.s politische Gesinnung für den illegalen Waffenbesitz nicht relevant, so das Gericht. Der Fall befeuerte trotzdem die Debatte um rechte Strukturen in Polizei und Bundeswehr.

In Frankfurt war erst Mitte März öffentlich bekanntgeworden, dass offenbar im großen Stil sichergestellte Schusswaffen und Munition aus der Asservatenkammer verschwunden waren. Ein Kriminalkommissar, der für die Kammer zuständig war, steht unter Verdacht, die Waffen unterschlagen und weiterverkauft zu haben. Die Ermittlungen in dem Fall dauern an. Der Beschuldigte hatte schon zuvor für Aufsehen gesorgt, weil er ohne Erlaubnis seines Dienstherrn für eine private Sicherheitsfirma tätig gewesen sein soll. (Hanning Voigts)

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