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Kundgebung anlässlich des Anschlags von Hanau vor einem Jahr.
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Kundgebung anlässlich des Anschlags von Hanau vor einem Jahr.

Rassismus

Hessen: Paradigmenwechsel im Umgang mit Rassismus gefordert

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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Seit einem Jahr sammelt die Onlinemeldeplattform „Hessen schaut hin“ rechte und rassistische Taten in Hessen. 2020 hat sie 184 Fälle registriert - eine hohe Dunkelziffer wird vermutet.

Der Anschlag von Hanau, die Ermordung Walter Lübckes und die anhaltenden Drohungen des NSU 2.0 zeigen das Problem mit rechter und rassistischer Gewalt auf drastische Weise. Dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist, verdeutlicht der erste Jahresbericht der Onlinemeldestelle „Hessen schaut hin“, den die bei der Bildungsstätte Anne Frank angesiedelte Beratungsstelle Response am Dienstag vorgestellt hat. 184 rechte und rassistische Vorfälle wurden im Jahr 2020 dokumentiert – aus fast allen Landkreisen und kreisfreien Städten Hessens.

„Wenn Menschen damit rechnen müssen, im Alltag jeder Zeit zum Ziel von gewalttätigen Angriffen werden zu können, erschüttert das ihr Sicherheitsgefühl ungemein“, sagt Liisa Pärssinen, Leiterin von Response. Die erfassten Fälle zeigten deutlich das Spektrum der Gewalt, das von verbalen Attacken über Bedrohungen bis hin zu brutalen Angriffen auf Leib und Leben reiche.

Unter den 184 Fällen waren körperliche Angriffe, Beleidigungen und Bedrohungen, psychische Gewalt und Mobbing sowie politisch motivierte Sachbeschädigungen. Hinzu kommen 118 anonym gemeldete Vorfälle. Die Meldestelle vermutet allerdings eine hohe Dunkelziffer. „Wir gehen von einer wirklich hohen Zahl an ungesehenen Vorfällen aus“, sagt Roman Jeltsch, stellvertretender Leiter von Response.

Kontakt

Response berät und unterstützt Menschen, die von rechtsextremer, rassistischer, antisemitischer, antimuslimischer oder antiziganistischer Gewalt betroffen sind. Beratungen lassen sich telefonisch unter 069 / 560 002 42 vereinbaren oder per E-Mail an kontakt@response-hessen.de

Betroffene oder Zeuginnen und Zeugen von rassistischen oder rechten Vorfällen können ihre Erfahrungen über die Onlinemeldestelle hessenschauthin.de melden. Auf Wunsch ist die Meldung anonym. hsr

Die im vergangenen Jahr gestartete Meldestelle hat sich zum Ziel gesetzt, das Ausmaß von rechter und rassistischer Gewalt in Hessen sichtbar zu machen. „Viele Betroffene haben die Jahre über gelernt, solche Vorfälle wegzustecken und zu akzeptieren. Wir müssen das Schweigen durchbrechen“, sagt Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank.

Gleichzeitig fordert Mendel „einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Rassismus, auch auf Landesebene“. Der Bund habe nach dem Anschlag von Hanau relativ beherzt ein Maßnahmenpaket aufgesetzt, während das Land nur „im Schneckentempo“ vorankomme.

Der Großteil der gemeldeten Fälle (144) weist eine rassistische Tatmotivation auf, in mehr als der Hälfte der Fälle war die angreifende Person den Opfern zuvor nicht bekannt und eine Vielzahl trat im öffentlichen Raum (52), im Straßen-, Nah- und Fernverkehr (35) oder in der Nachbarschaft (28) auf.

Die Fälle in der Nachbarschaft sind laut Roman Jeltsch besonders schwierig, weil sie oft als Streit unter Nachbarn missverstanden würden und weil viele Fälle zunächst unterhalb der strafrechtlichen Schwelle blieben. Für Betroffene bleibe als letzte Option oft nur der Umzug. Jeltsch vermutet: „Viele der Täter:innen scheinen sich vor dem Hintergrund der rassistischen Diskurse in den letzten Jahren ermutigt, ihre Haltung offen zu zeigen und dementsprechend zu handeln.“

Um die Onlinemeldestelle, insbesondere im ländlichen Raum, bekannter zu machen, startet in dieser Woche eine hessenweite Plakatkampagne. Unter dem Motto „Wegschauen gilt nicht“ machen zehn unterschiedliche Motive jeweils drei Fälle aus der Meldestatistik sichtbar.

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