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Hessen: Ohne Provokation keine Aufmerksamkeit

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Von: Jutta Rippegather

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Protest im Dannenröder Forst: Die A49 in Hessen wird trotz der Klimakrise ausgebaut.
Protest im Dannenröder Forst: Die A49 in Hessen wird trotz der Klimakrise ausgebaut. © Boris Roessler/dpa

Die Evangelische Akademie auf der Suche nach dem Umgang mit der Letzten Generation. Eine Diskussion mit Vollzeitaktivistis und einem kirchlichem Beobachter vom Dannenröder Forst.

Ralf Müller hält eine neongelbe Weste mit dem Logo der Evangelischen Kirche in die Höhe. Ein Utensil, das der kirchlicher Beobachter im Dannenröder Forst getragen hat. Und das die Kolleg:innen übernehmen, die die Räumung des Fechenheimer Walds begleiten. Auch Jörg Bergstedt hat ein Kleidungsstück zur Diskussion in der Evangelischen Akademie mitgebracht. Er trägt ein T-Shirt, das ihn als erfolgreichen Kämpfer gegen genmanipulierte Feldpflanzen auszeichnet. Cécile Lecomte ist per Videokonferenz aus der Nähe von Lützerath zugeschaltet. Die mutige und streitbare Kletterin, Spitzname Eichhörnchen, beteiligte sich unter anderem im Widerstand gegen die Castortransporte und den Bau der Nordwestlandebahn am Flughafen. In Frankfurt war sie zuletzt Ende August, als sie sich mit anderen am Westbahnhof abseilte, um Barrieren im Alltag anzuprangern. Lecomte sitzt seit einiger Zeit wegen einer Autoimmunkrankheit im Rollstuhl, was sie nicht vom Klettern abhält und auch nicht vom spektakulären Demonstrieren.

Ziviler Ungehorsam

Proteste müssen Aufmerksamkeit erregen. Das Interesse der Öffentlichkeit wecken. Sie müssen stören - deshalb diese Aktionen der Letzten Generation. Das ist eine der zentralen Erkenntnisse aus der Veranstaltung am Dienstagabend. Die Debatte dreht sich um provokante Aktionen, die Grenzen der Legitimität, was unter zivilem Ungehorsam zu verstehen ist. Darum, dass höchstrichterliche Entscheidungen kein Ausschlusskriterium sind für symbolhafte Handlungen. „Das ist der Preis unserer Demokratie, zum Glück sind wir hier nicht bei Herrn Orban“, sagt Müller, der zuvor berichtet hatte, wie der Konflikt um des Ausbau der A49 in Mittelhessen die Bevölkerung rund um Dannenrod zerrissen hatte. Mit ihrer Anwesenheit hätten die kirchlichen Beobachter zur Deeskalation beigetragen - auch zwischen Polizei wie Protestierenden vermittelt. „Das hat Modellcharakter“, sagt Müller. „Auch jetzt für Frankfurt.“

Vernetzung erwünscht

Anlass für die Veranstaltung sind die polarisierenden Aktionen der Letzten Generation. Das Unwort: „Klimaterroristen“. Gesucht werden Wege des „solidarischen Miteinander der Generationen im Angesicht der Klimakrise“, heißt es in der Ankündigung. Dazu haben die Kirchenleute mit Bergstedt und Lecomte langjährige Aktivistis eingeladen, die sich von der Letzten Generation mehr wünschen, als sich an Gemälde anzukleben und ein Transparent in die Kamera zu halten. „Ich erwarte inhaltliche Präzision“, sagt der Vollzeitaktivist und Buchautor aus Mittelhessen, der ein Konzept zur Laienverteidigung entwickelt hat. „Wenn man bei Markus Lanz sitzt, dann muss man sich mehr trauen.“ Das Eichhörnchen vermisst Vernetzung, die Erfahrung anderer Initiativen seien hilfreich. Auch sie sei schon Opfer von Präventivhaft gewesen, sagt Lecomte. „Die sollen sich wehren, das ist nicht verfassungsgemäß.“

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