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Hessen: Ökozüge lassen auf sich warten

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Von: Jutta Rippegather

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Der erste Wasserstoffzug wurde am Hauptbahnhof Frankfurt präsentiert. dpa
Der erste Wasserstoffzug wurde am Hauptbahnhof Frankfurt präsentiert. dpa © Andreas Arnold/dpa

Alstom räumt weitere Verzögerungen bei Lieferung der Wasserstofffahrzeuge ein. Jetzt soll der letzte erste im Juni kommen. Der RMV muss Ersatz organisieren.

Schlechte Nachrichten aus dem Hause Alstom: Die Komplettierung der weltweit größten Wasserstoffzugflotte verzögert sich ein weiteres Mal, teilt der Hersteller auf Anfrage mit. Ursprünglich sollten sämtliche Fahrzeuge zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember zur Verfügung stehen. Bei der offiziellen Ankunft des ersten Exemplars im November hieß es April, es gebe Engpässe beim Material. Jetzt nennt die Firma den Juni als Liefertermin für den letzten der insgesamt 27 bestellten Züge.

Improvisation bis Jahresmitte

Demnach geht die Zeit der Improvisation bis zur Jahresmitte weiter. Mindestens. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) muss Ersatzverkehr organisieren. Am besten nicht alleine für die Zeit ohne ausreichend Wasserstoffzüge, sondern auch für die Phase der Inbetriebnahme. Der mehr als holprige Start am 11. Dezember auf der sogenannten Taunusstrecke sollte eine Lehre sein. Er war begleitet von Pleiten, Pech und Pannen.

Bekannt wurden unter anderem eine TÜV-Genehmigung, die eine Reserve von mindestens einem Drittel des gesamten Tankvolumens vorschreibt und Störungsmeldungen, die zu verlängerten Werkstattaufenthalten führten. Züge fielen aus, es herrschte Verwirrung bei den Fahrgästen, weil die Information nicht klappte. „Völlig inakzeptabel“ sei dieser Situation, monierte Ulrich Krebs, CDU-Landrat im Hochtaunus und Aufsichtsratsvorsitzender des RMV. Es kam zu mehreren Krisengipfeln. Ergebnis: ein umfangreiche Ersatzverkehr mit Bussen zum Schulstart.

Zehn Fahrzeuge

Die Taunusbahn ist die erste von insgesamt vier Strecken, die der RMV für den Einsatz der neuen umweltfreundlichen Flotte ausgewählt hat. Laut Alstom wurden am Donnerstag, 18. Januar, das zehnte Fahrzeug übergeben, sagte der Pressesprecher Andreas Flórez der Frankfurter Rundschau.

Null Emmissionen

Auf vier Strecken kommt der „Coradia iLint“ zum Einsatz: Frankfurt-Höchst – Bad Soden, Frankfurt – Königstein, Frankfurt – Brand-Oberndorf, Bad Homburg – Friedberg.

Betrieben wird er mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle, die elektrische Energie für den Antrieb erzeugt. Die Wasserstoffzüge sind so leise wie Elektro-Triebfahrzeuge und verursachen bei der Fahrt null Emissionen, weil sie lediglich Wasserdampf und Wärme an die Umwelt abgeben.

Alstom hat zudem auch insgesamt sechs Fahrzeuge für den Einsatz in Niedersachsen ausgeliefert. jur

Im Februar und März sollten zehn weitere ausgeliefert werden, im April und Mai sechs. Anfang Juni sollen alle 27 dem RMV übergeben sein. Bei der Herstellung kämpft das Unternehmen weiterhin mit Problemen, räumte der Pressesprecher ein: „Materialengpässe bei kritischen Komponenten wirken sich nach wie vor nachteilig auf die Produktion und die Beseitigung technischer Mängel aus.“ Eine Antwort auf die Frage nach den konkreten Gründen für das Desaster im Taunus bleibt der Sprecher schuldig. „Derzeit laufen verschiedene Analysen, um die technologischen Herausforderungen besser identifizieren, bewerten und dann auch abstellen zu können.“

Im Moment haben die Verantwortlichen eine Verschnaufpause. Wegen Bauarbeiten verkehren auf der Taunusbahn aktuell keine Bahnen. Für die Zeit vom 30. Januar bis 10. Februar kündigt der RMV „Sperrpause mit Zugverkehr“ und Ersatzbusse an, zwischen 10. und 26. Februar ruht dann wieder der komplette Schienenverkehr.

Der RMV geht davon aus, dass die Anfangsprobleme danach gelöst sind. Er halte daran fest, dass nach Ende der Bauarbeiten ausschließlichen Wasserstofffahrzeuge auf der Taunusbahn einzusetzen sind. Ein verlässlicher Fahrplan für die Fahrgäste genieße oberste Priorität, sagte Sprecherin Vanessa Rehermann. „Auch wenn dieses Szenario nach aktueller Einschätzung der Partner höchstwahrscheinlich ist“, gehe der RMV auf Nummer sicher. Diesel-Ersatzfahrzeuge würden vorgehalten, die Ersatzbusse sollen auf weiteres fahren.

Wenn die der Betrieb stabil läuft und weitere Wasserstofffahrzeuge in ausreichender Zahl geliefert sind, erfolge die Umstellung der Linie von Frankfurt-Höchst nach Königstein (RB12). Zum Schluss seien die Linien RB11 (Höchst - Bad Soden) und RB16 (Friedberg - Friedrichsdorf) an der Reihe, die übergangsweise von der Hessischen Landesbahn (HLB) weiterbetrieben werden.

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