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Nur acht Schülerinnen und Schüler lernen Türkisch

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Von: Hanning Voigts

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Seit dem Sommer kann man an zwei hessischen Schulen Türkisch als Fremdsprache belegen. Politisch ist das Thema brisant, die Nachfrage ist gering.

Wiesbaden – Die Aufregung im hessischen Landtag war groß. Von einem Zeichen der Anerkennung und der Wertschätzung sprachen Vertreter:innen der schwarz-grünen Koalition, von diskriminierender Politik und einer „Mogelpackung“ Politiker:innen aus der Opposition. Ende Mai hatte die Landesregierung angekündigt, dass nach den Sommerferien Türkisch als Fremdsprache an hessischen Schulen unterrichtet werden solle – vorerst aber nur im Rahmen eines Testlaufs und nur an zwei Schulen.

Debatten über das Türkische im Schulunterricht in Hessen gibt es schon lange. Die türkischstämmige Community und die hessischen Ausländerbeiräte erheben seit Jahren die politische Forderung, dass die wichtigste Sprache von Migrant:innen und ihren Kindern, Enkeln und Urenkelinnen in Hessen einen festen Platz im Schulunterricht haben solle, die Oppositionsparteien SPD, FDP und Linke sehen das genauso.

Die Lust, Türkisch zu lernen, scheint in Hessen nicht so groß zu sein (Symbolfoto) Foto: Michael Schick
Die Lust, Türkisch zu lernen, scheint in Hessen nicht so groß zu sein. (Symbolfoto) © Michael Schick

Hessen: Geringes Interesse in den beiden Testschulen

Nun hatten CDU und Grüne sich nach längerer Ablehnung dazu durchgerungen, zumindest einen „Schulversuch“ an der Georg-August-Zinn-Europaschule in Kassel und der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar zu starten. Während Portugiesisch und Arabisch demnach ab dem Schuljahr 2023/2024 in ganz Hessen als Fremdsprache belegt werden können, soll beim Türkischen erst in einem Testlauf die Nachfrage ermittelt werden.

Fremdsprachen in Hessen

In Hessen lernen Schüler:innen in der Regel als erste Fremdsprache Englisch, Französisch oder Latein. Als zweite Sprache stehen dann meistens Französisch oder Latein auf dem Lehrplan. Englisch ist Pflicht, wenn es nicht bereits die erste Sprache war.

Mit Genehmigung der Schulbehörde und bei entsprechender Nachfrage können die Schulen auch Italienisch, Spanisch, Russisch, Polnisch, Chinesisch, Altgriechisch, Portugiesisch und Arabisch anbieten. Für Türkisch gibt es derzeit einen Testlauf. (han)

Und die scheint zumindest an den beiden genannten Schulen in Nord- und Mittelhessen sehr überschaubar zu sein. Aus der Antwort des Kultusministeriums auf eine kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten Moritz Promny geht hervor, dass an der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar nur zwei Schüler:innen Türkisch als Fremdsprache belegen wollten, so dass der Testlauf dort gar nicht erst begonnen werden konnte. Im nächsten Schuljahr ab Sommer 2023 solle das Fach den Schüler:innen der siebten Klassen allerdings auf Wunsch der Schule noch einmal angeboten werden, teilt das Ministerium mit.

Hessen: Eine weitere Schule in Frankfurt beginnt nächstes Jahr mit dem Testlauf

An der Georg-August-Zinn-Europaschule in Kassel hat der „Schulversuch“ den Angaben zufolge dagegen begonnen, allerdings mit lediglich acht Schüler:innen – außerhalb eines Testlaufs wären das nicht einmal genug für eine eigene Lerngruppe. Der Unterricht finde dort im Rahmen eines Wahlpflichtfachs mit vier Stunden pro Woche statt, wo die Lernenden entweder Französisch, Russisch oder Türkisch als zweite Fremdsprache oder „Arbeitslehre“ belegen könnten, hieß es.

Wie aus der Antwort des Ministeriums weiter hervorgeht, will die Frankfurter Ernst-Reuter-Schule II ab dem Sommer ebenfalls einen Testlauf mit dem Türkischen als Fremdsprache beginnen. Dann könnte sich zeigen, ob die Nachfrage in der Mainmetropole größer ist. (Hanning Voigts)

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