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Hessen: Neue Wölfin in Hessen nachwiesen

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Von: Jutta Rippegather

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Wölfe in freier Wildbahn sind sehr menschenscheu. Dieses Exemplar lebt in einem Wildpark. dpa
Wölfe in freier Wildbahn sind sehr menschenscheu. Dieses Exemplar lebt in einem Wildpark. dpa © Klaus-Dietmar Gabbert/zb/dpa

Die Population wächst und stößt auf geteiltes Echo. Der Bauernverband fordert eine Obergrenze, die FDP will „Problemwölfe“ töten.

In Nordhessen wurde eine neue Wölfin nachgewiesen. Sie stammt aus der Dahlener Heide in Sachsen, teilte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie am Freitag mit. Dies habe die genetische Analyse einer am 29. März im Kreis Hersfeld-Rotenburg genommenen Kotprobe ergeben. Ob das Weibchen nur auf der Durchreise ist, wird in einem halben Jahr feststehen. Als sesshaft gelten Wölfe erst, wenn sie per Monitoring über einen Zeitraum von sechs Monaten wiederholt in einem Gebiet nachgewiesen werden. Nach Angabe der Behördensprecherin gibt es in Hessen derzeit vier sesshafte Einzelwölfe sowie zwei Wolfspaare und ein Rudel mit Nachwuchs.

Der Naturschutzbund (Nabu) begrüßt die Rückkehr des Wolfes. Er stelle „eine der größten Erfolge des Naturschutzes“ dar. Der Hessische Bauernverband hingegen fordert Obergrenzen für den Bestand in Deutschland. Skeptisch äußert sich auch Wiebke Knell die entwicklungs-, landwirtschafts- und umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion. „Menschen, denen ein Wolf im Wohngebiet über den Weg läuft, und Weidetierhalter, die ein gerissenes Schaf oder Kalb vorfinden, sehen den Wolf durchaus kritisch oder ängstlich.“

Jedes Jahr zum 30. April ruft der Nabu den Tag des Wolfes aus. Im Mai wird dessen Nachwuchs geboren, das neue Monitoring-Jahr beginnt. Anlass für den Landesvorsitzenden Gerhard Eppler, Bilanz zu ziehen. Und Rufen nach einer Regulierung des Beutegreifers rigoros eine Absage zu erteilen: Seinen Angaben zufolge hat Hessen derzeit sieben, teilweise grenzüberschreitende Territorien mit insgesamt zehn sesshaften Tieren, darunter ein Rudel mit drei bestätigten Welpen nahe Rüdesheim im Rheingau. Das Zusammenleben mit den seltenen Beutetieren stelle eine Herausforderung für die Gesellschaft dar, räumt er ein. Die sei zu bewältigen. „Wir können Akzeptanz nur durch Aufklärung, fachliches Wissen und akzeptable Lösungen im Miteinander aller betroffenen Gruppen erreichen.“ Nabu-Wolfsexpertin Ingeborg Till appelliert an die Weidetierhalter:innen, die die angebotenen Förderungen auch in Anspruch zu nehmen. Die Hilfen seien eine Chance, zukunftssicher zu arbeiten. Schafherden dienten dem Naturschutz, etwa beim Erhalt blütenreicher Wiesen.

Die FDP-Landtagabgeordnete Knell fordert ein professionelleres Monitoring des Landes. Einem Verdacht eines Wolfrisses müsse zeitnah nachgegangen, „Problemwölfe“ getötet werden. Sie bezweifelt, dass die offiziellen Zahlen die Realität in Hessens Wäldern widerspiegeln. „Es bedarf einer Studie zu Wachstum und Größe der hessischen Wolfspopulation, denn für ein Bestandsmanagement braucht es verlässliche Zahlen, die aktuell nicht vorliegen.“ Die als Einzeltier geltende Stölzinger Wölfin in Nordhessen etwa sei „mitnichten allein“.

Der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Volker Lein, hatte jüngst mit Hinweis auf die wachsende Population eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen gefordert. Immer mehr Halterinnen und Halter sorgten sich um die Sicherheit ihrer Schafe, Ziegen oder auch Pferde. Die Landesregierung setze falsche Prioritäten. „Der Schutz des Wolfes wird hierzulande über den Schutz der Weidetiere gestellt. Dafür haben wir kein Verständnis.“

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