Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Im Lübcke-Untersuchungsausschuss wurde unter anderem der Leiter der ermittelndenden Soko geladen.
+
Im Lübcke-Untersuchungsausschuss wurde unter anderem der Leiter der ermittelndenden Soko geladen.

Sprengung befürchtet

Hessen: Nach Lübcke-Mord den Müll durchsucht

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
    schließen

Im hessischen Lübcke-Untersuchungsausschuss schildert ein Polizeiführer die schwierigen und gefährlichen Ermittlungen.

Wiesbaden - Nach dem Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) hat die Polizei den gesamten Müll des Wolfhagener Ortsteils Istha durchsuchen lassen, um Hinweise zu erhalten. Das hat der Leiter der damaligen Sonderkommission „Liemecke“, Daniel M., am Freitag (03.09.2021) im Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags berichtet.

Der 47-jährige Leitende Kriminaldirektor gab den Abgeordneten einen Einblick in die Polizeiarbeit nach dem Mord vom 1. Juni 2019. Als der Neonazi Stephan Ernst noch nicht als Täter identifiziert war, habe man auch mögliche Täterinnen oder Täter in der Familie, im Freundeskreis oder der Nachbarschaft in Betracht ziehen müssen.

Daher habe man den Müll durchforstet, nachdem er „im Wege der normalen Müllabfuhr“ geleert worden sei, „sodass das Dorf nichts mitbekommt“, schilderte der Polizist. „Bei vielen Taten ist es so, dass keiner mehr dem anderen vertraut.“ Daher habe man vermieden, den Müll der „fünf, sechs, sieben“ Nachbarinnen oder Nachbarn sichtbar zu durchzusuchen, „die wir uns genauer anschauen wollten“.

Lübcke-Ausschuss: Sprengung befürchtet

Mittlerweile wurde Ernst zu lebenslanger Haft verurteilt. Nachdem er durch einen DNA-Abgleich einer Hautschuppe entdeckt worden war, entschied M., ihn nicht zu observieren, sondern schnell festzunehmen. Ein längeres Abwarten „hätte dazu führen können, dass Stephan Ernst beispielsweise sein Haus sprengt oder abbrennt“, erläuterte M. seine Befürchungen.

Schnell handeln musste die Polizei nach seiner Darstellung auch, nachdem Ernst in seinem Geständnis am 25. Juni die Namen von Personen aus der rechten Szene genannt hatte, darunter Markus H. Die Tatsache, dass weitere Verdächtige bekannt seien, sei durch einen Tweet aus einer Ausschusssitzung des Bundestags öffentlich geworden, berichtete M. Dadurch seien die schwer bewaffneten Betroffenen gewarnt gewesen, die die Polizei zum Teil mit dem Satz „Ich habe den ganzen Tag schon auf euch gewartet“ empfangen hätten, berichtete der Ex-Soko-Leiter.

Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt war Markus H. vom Vorwurf der Beihilfe freigesprochen worden. Nach Auffassung des Polizeiführers M. war er jedoch der „Pflänzchensetzer“. Er habe bei seinem Freund die Auffassung genährt, es müsse etwas getan werden gegen das, was sie als „Überislamisierung Deutschlands und Europas empfunden hätten“. M. äußerte auch seine Überzeugung, dass „Waffennarr“ H. unbrauchbare Waffen wieder brauchbar gemacht und damit Geld verdient habe. Das habe er sowohl aus den Werkzeugen geschlossen, die bei H. gefunden wurden, als auch aus dessen Kontobewegungen.

Lübcke-Ausschuss: Verfassungsschützer beteuert, man habe die Neonazis im Blick gehabt

Als zweiter Zeuge trat Abteilungsleiter Roland J. vom hessischen Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) auf, der von 2006 bis 2011 das Dezernat zur Auswertung von Erkenntnissen über Rechtsextremismus geleitet hatte. Das LfV steht in der Kritik, weil es Ernst und H. zwar früher beobachtet, dann aber als „abgekühlt“ betrachtet und aus den Augen verloren haben soll. Abgeordnete hatten festgestellt, dass H. in den Akten ab 2009 nicht mehr auftauche. „Wir hatten ihn sehr wohl noch auf dem Schirm“, versicherte hingegen J.

Zwar werde spätestens alle fünf Jahre überprüft, ob jemand noch in den Akten geführt werde. Dies könne aber durchaus bei Personen der Fall sein, zu denen es innerhalb von fünf Jahren keine neuen Erkenntnisse gegeben habe, wenn sie etwa durch ihre Vita oder ihre Gewaltbereitschaft aufgefallen seien.

„Der Begriff ,abgekühlt‘ ist kein Begriff des LfV. Punkt“, stellte J. fest. (Pitt von Bebenburg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare