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Hessen: Merz fordert Rückenwind von der Hessen-Union

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Von: Jutta Rippegather

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Volker Bouffier (CDU), ehemaliger Ministerpräsident von Hessen und neuer Ehrenvorsitzender der CDU-Hessen, und seine Frau Ursular Bouffier. Foto: Andreas Arnold/dpa
Volker Bouffier (CDU), ehemaliger Ministerpräsident von Hessen und neuer Ehrenvorsitzender der CDU-Hessen, und seine Frau Ursular Bouffier. Foto: Andreas Arnold/dpa © dpa

Der Bundesvorsitzender ermutigt zu Kampagnen die von Roland Koch zur doppelten Staatsbürgerschaft. Volker Bouffier nimmt Abschied als Parteichef.

Volker Bouffier hat sich locker gemacht. Ohne Krawatte, mit offenem Hemdkragen steht der 70-Jährige auf der Bühne in Rotenburg an der Fulda, um seinen letzten Rechenschaftsbericht als Landesparteichef abzulegen. Nach zwölf Jahren stellt er sich nicht mehr zu Wahl. Keine Stunde später legt er seinem Nachfolger Boris Rhein den Arm über die Schulter, der sein Traumergebnis noch nicht fassen kann: 98 Prozent.

Der für seine ausufernden Reden berüchtigte Bouffier hält sich überraschend kurz. Freut sich über die gute Stimmung bei der traditionellen Feier am Vorabend eines CDU-Parteitags. Dass die Wahl Boris Rheins zu seinem Nachfolger als Ministerpräsident reibungslos vonstatten ging. „Das war ein klares und eindeutiges Signal.“

Ein halbes Jahrhundert politische Arbeit in der CDU lägen jetzt hinter ihm, davon 44 Jahre im Parteivorstand. „Heimat und Herzensangelegenheit“ sei die hessische CDU für ihn. „Eine Art politische Familie“, die auch in Krisen zusammenstehe mit ihrer „legendären Geschlossenheit“. 23 Jahre CDU-Regierung hätten dem Land zur Blüte verholfen. „Es war mir eine Freude und Ehre, euer Landesvorsitzender zu sein.“

Bouffier dankt seiner Frau Ursel, die er später auf die Bühne holt, um Arm in Arm den Applaus zu empfangen. Zum Dank gibt es den Ehrenvorsitz, einen Kochkurs mit der Familie und einen Film, in dem auch Ex-Kanzlerin Angela Merkel dem einstigen Vize-Bundesvorsitzenden Adieu sagt. „Damit endet eine Ära, lieber Volker“, sagt sie. Es sei „sehr gut nachvollziehbar“, dass er den „hektischen Politikbetrieb“ verlasse. Wenig später sitzt das Ehepaar wieder in der ersten Reihe neben Boris Rhein.

Zuvor hat Bundesvorsitzender Friedrich Merz die Parteifreundinnen und -freunde zum politischen Streit ermutigt. Mit der Kontroverse um die doppelte Staatsbürgerschaft habe Roland Koch der CDU in Hessen vor 23 Jahren zur Macht verholfen. Schneller als gedacht habe die Union nach der verlorenen Bundestagswahl im vergangenen September wieder „Tritt gefasst“. Gute Ergebnisse in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen eingefahren.

„Wir müssen zusammenbleiben, Geschlossenheit zeigen“, sagt Merz. Auf Bundesebene habe sich die Union bei den Umfragen wieder an die Spitze zurückgekämpft. Jetzt brauche es ein gutes Ergebnis bei der Hessenwahl im Oktober nächsten Jahres. „Dieser Landesverband und sein Erfolg sind Maßstab für Deutschland.“

Am Ende seiner Rede thematisiert Merz seinen Konflikt mit Bouffier. Der lange Zeit dienstälteste Ministerpräsident der Republik hatte sich im Kampf um den Bundesvorsitz auf die Seite Armin Laschets geschlagen. „Wir hatten eine Freundschaft, die belastbar war“, sagt Merz.

Jetzt trete der „liebe Volker“ ein in die „Ahnengalerie der CDU Hessen“. Mit illustren Namen wie Alfred Dregger, Walter Wallmann, Manfred Kather, Roland Koch. Und Petra Roth, für deren SPD-Nachfolger Peter Feldmann Merz noch einen Seitenhieb in petto hat: „Was ist das für eine Karikatur von Oberbürgermeister?“

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