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Hessen: Marjana Schott verlässt die Linkspartei

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Von: Hanning Voigts

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Der Skandal um Übergriffe in der Linkspartei wirkt sich inzwischen bis ins Wiesbadener Rathaus aus. Foto: Michael Schick
Der Skandal um Übergriffe in der Linkspartei wirkt sich inzwischen bis ins Wiesbadener Rathaus aus. © Michael Schick

Marjana Schott, langjährige Abgeordnete der Linkspartei im hessischen Landtag, tritt im Streit um sexuelle Übergriffe aus ihrer Partei aus. Der Skandal belastet auch die Lokalpolitik in Wiesbaden.

Vorwürfe von Machtmissbrauch und sexuellen Übergriffen erschüttern die Linkspartei in Hessen weiter. Die langjährige Abgeordnete und frühere parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion im Landtag, Marjana Schott, hat wegen des Umgangs mit den Vorwürfen ihren Posten als stellvertretende Landesvorsitzende geräumt und ihren Austritt aus der Partei erklärt. Für sie seien „in den letzten Tagen und Wochen Grenzen überschritten worden, die ich nicht überschreiten will“, heißt es in einer Erklärung der 63-Jährigen, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. Man habe es aktuell mit einer „Schmutzkampagne“ zu tun.

In der Erklärung übt Schott massive Kritik an der Berichterstattung des Magazins „Der Spiegel“, der von Übergriffen und einer „toxischen Machokultur“ in der hessischen Linken berichtet hatte, aber auch an der Parteijugend „Solid“. Diese befeuere die aktuelle Debatte in den sozialen Netzwerken „auf eine Weise, die keinem Opfer hilft“, so Schott. Vorwürfe würden über das Internet erhoben anstatt sie in Ruhe zu besprechen und nach Lösungen zu suchen. Es dürfe nicht sein, dass Parteimitglieder unter Druck gesetzt würden und Anschuldigungen „nicht überprüft werden können und dürfen“.

Die Linke findet den Austritt „sehr, sehr schade“

Michael Erhardt, stellvertretender Landesvorsitzender der hessischen Linken, nannte es bei einer Pressekonferenz am Donnerstag „sehr, sehr schade“, dass Schott die Partei verlasse. Da der Landesvorstand „weder eine Polizeibehörde noch eine Staatsanwaltschaft noch ein Gericht“ sei, müssten nun unabhängige Strukturen, am besten von der Bundesebene, die öffentlich erhobenen Vorwürfe aufklären, sagte Erhardt.

Konsequenzen hat der Skandal inzwischen auch in Wiesbaden: Grüne, SPD und Volt stoppten die Koalitionsverhandlungen für ein mit der Linkspartei geplantes Linksbündnis in der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung. Die Vorwürfe gegen die Linke seien „gravierend“ und müssten „vollständig aufgeklärt werden“, teilten die Kreisverbände von SPD, Grünen und Volt mit. Das weitere Vorgehen werde man nun vom „weiteren Verhalten der Partei die Linke abhängig machen“.

(Hanning Voigts)

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