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Hessen: Lieferkette von Wilke-Wurst bleibt unbekannt

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Von: Pitt von Bebenburg

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Die Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH&Co KG in Berndorf wurde wegen des Verdachts auf Listerien in der Produktion von den zuständigen Gesundheitsbehörden geschlossen. Wenige Stunden nach Bekanntwerden dieser nachricht sind Kamerateams vor Ort. Foto: Elmar Schulten
Die Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH&Co KG in Berndorf wurde wegen des Verdachts auf Listerien in der Produktion von den zuständigen Gesundheitsbehörden geschlossen. © Wetzlarer Zeitung/wlz

Hessens Umweltministerin Hinz musste zum Umgang mit dem Wilke-Wurst-Skandal Auskunft geben. Sie sagt: „Die Vorstellung, dass diese Informationen schnell hätten zur Verfügung gestellt werden können, entspricht nicht den Tatsachen“

Die Hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe im Fall der mit Keimen belasteten Wilke-Wurst den Verbraucherschutz missachtet. Es sei weder rasch möglich noch rechtlich zulässig gewesen, eine Liste aller Endverkaufsstellen der Wurstwaren zu veröffentlichen, argumentierte Hinz am Mittwoch im Umweltausschuss des Hessischen Landtags.

Der Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher sei nur durch schnellen Rückruf der Artikel und durch Aushänge in den Verkaufsstellen zu gewährleisten, erläuterte Hinz. Beides sei von den Behörden veranlasst worden. „Alle, die in den Lieferketten drin sind, sind dafür verantwortlich“, fügte sie hinzu.

Gefährliche Keime

In den Jahren 2018 und 2019 waren auf den Produkten des nordhessischen Wurstherstellers wiederholt Listerien gefunden worden. Die Bakterien können krank machen. Drei Todesfälle und drei Dutzend Erkrankungen wurden auf den Verzehr von Wilke-Wurst zurückgeführt. Im Oktober 2019 wurde das Unternehmen geschlossen. Die Organisation Foodwatch vertritt die Position, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ausreichend gewarnt worden seien. Sie drang darauf, eine Liste aller Verkaufsstellen zu veröffentlichen, und klagte 2019.

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden kam im September zu dem Schluss, dass das Ministerium verpflichtet sei, die betreffenden Unternehmen anzuhören und dann abzuwägen, ob eine Veröffentlichung angezeigt wäre. Ministerin Hinz verwies jedoch darauf, dass das Verwaltungsgericht Kassel zuvor anders entschieden habe.

Nach dessen Auffassung gebe es keine Rechtsgrundlage für eine Veröffentlichung. Wegen dieser widersprüchlichen Rechtsprechung strebe das Ministerium eine Klärung vor dem Verwaltungsgerichtshof an.

Verweis auf lange Dauer

Hinz machte auf Fragen von FDP und Linken im Ausschuss aber auch deutlich, dass es lange dauern würde, um sämtliche Metzgereien, Kantinen, Geschäfte, Vereine und weitere Verkaufsstellen der Wurstchargen aufzuspüren. Da alle Unternehmen zudem angehört werden müssten und rechtlich gegen eine Veröffentlichung vorgehen könnten, bringe dieses Vorgehen schon aus zeitlichen Gründen nichts. „Die Vorstellung, dass diese Informationen schnell hätten zur Verfügung gestellt werden können, entspricht nicht den Tatsachen“, sagte Hinz.

Außerdem bestehe nur für den Weg vom Hersteller zum Großhandel eine Meldeverpflichtung, nicht aber für sämtliche weiteren Stufen. „Eine derartige Liste gibt es nicht und kann es auch gar nicht geben“, formulierte Hinz daher. Das Ministerium verfüge aber über 55 000 Datensätze, die Hinweise auf Verkaufsstellen enthielten.

Nachverfolgbarkeit gefordert

Die Linke beharrte darauf, dass „die Lieferkette möglichst vollständig nachvollziehbar sein“ müsse, um Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen. Das Ministerium müsse für eine bessere Nachverfolgbarkeit sorgen, forderte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Torsten Felstehausen.

Auch der SPD-Abgeordnete Knut John fragte: „Reicht das aus, was wir haben?“ Es müsse alles getan werden, um einer Verunsicherung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu begegnen.

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