1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Hessen: Kunstministerin Dorn kritisiert die Documenta

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Hanning Voigts

Kommentare

Eine Frau protestiert mit einer Israel-Fahne gegen das später abgehängte antisemitische Werk „People’s Justice“. Foto: epd
Eine Frau protestiert mit einer Israel-Fahne gegen das später abgehängte antisemitische Werk „People’s Justice“. Foto: epd © epd

Im Streit um Antisemitismus auf der Kunstausstellung Documenta vermisst die Kunstministerin Angela Dorn Anstrengungen um Aufarbeitung. Die Opposition nimmt Dorn ins Visier.

Dieser Streit sorgt derzeit weit über Hessen hinaus für Aufregung: Auf der Documenta in Kassel, einer der wichtigsten Ausstellungen für Gegenwartskunst, war Mitte Juni ein antisemitisches Werk entdeckt worden. Das Plakat „People’s Justice“ der indonesischen Gruppe „Taring Padi“ wurde zunächst verhüllt und dann abgehängt. Seitdem wird viel über die Verantwortung der Documenta, der Stadt Kassel und des Landes Hessen, aber auch der Kurator:innen vom indonesischen Kollektiv „Ruangrupa“ diskutiert.

Die Diskussion über den Hergang des Skandals und entsprechende Konsequenzen hat am Donnerstag auch den Hessischen Landtag umgetrieben. Die FDP-Fraktion hatte das Thema auf die Tagesordnung gesetzt und ging sowohl Sabine Schormann, die Generaldirektorin der Documenta, als auch Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) scharf an.

Hessen: Die Generaldirektorin hat für die FDP „schlichtweg versagt“

Die Documenta habe durch den Skandal „schweren Schaden genommen“, urteilte der FDP-Abgeordnete Stefan Naas, Schormann habe „schlichtweg versagt“. Obwohl es seit Anfang des Jahres Warnungen vor antisemitischen Darstellungen gegeben habe, sei nicht gehandelt worden. „Sie haben weggeguckt, obwohl es Hinweise gab“, sagte Naas in Richtung von Ministerin Dorn. Insgesamt herrsche „organisierte Verantwortungslosigkeit“ bei dem Thema, die Documenta brauche offensichtlich neue Strukturen.

Vorsichtiger äußerte sich Elisabeth Kula von der Linksfraktion. Das Werk von Taring Padi habe „ohne jeden Zweifel“ eine antisemitische Bildsprache; nun müsse geklärt werden, „wie es dazu kommen konnte“. Zugleich biete die Documenta weiter die Chance, künstlerische Positionen aus dem globalen Süden und ihre Kritik an globalen Ausbeutungsverhältnissen kennenzulernen. Als „Affront“ bezeichnete es die Linken-Politikerin, dass bei der letzten Sitzung des kulturpolitischen Ausschusses vor Ort in Kassel keine CDU-Abgeordneten gewesen seien – was der CDU-Politiker Andreas Hofmeister „ganz kleines Karo“ nannte.

Hessen: Strukturelle Reformen für die Documenta

Gernot Grumbach von der SPD-Fraktion betonte, es gebe „keine Ausrede“ für Antisemitismus. Die Werke auf der Documenta suchten zwar die Kurator:innen aus, Geschäftsführung und Aufsichtsrat müssten diese aber überwachen. Man werde die Debatte um Antisemitismus in der Kunst weiter führen müssen, sagte Grumbach – und verwies auf die Diskussion um das antisemitische „Judensau“-Relief an der Stadtkirche in Wittenberg.

Kunstministerin Angela Dorn erklärte: Dass Antisemitismus zu sehen gewesen sei, „hätte nicht passieren dürfen“. Die Documenta sei „in einer sehr ernsten Lage“. Die Verantwortlichen hätten bisher keine echte Aufarbeitung erkennen lassen, so die Ministerin. „Aus meiner Sicht ist vonseiten der Documenta noch nicht genug geschehen.“ Sie selbst habe seit Januar angeregt, Ruangrupa Expert:innen für Antisemitismus beratend zur Seite zu stellen, was in Kassel abgelehnt worden sei. Am Freitag, 15. Juli, werde sie an der außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats teilnehmen. „Wir brauchen eine gemeinsame und eine ehrliche Analyse“, betonte die Ministerin – auch die Strukturen der Documenta gehörten jetzt auf den Prüfstand.

(Hanning Voigts)

Auch interessant

Kommentare