An der Helmholtzschule tragen die Schülerinnen und Schüler immer Masken – nicht nur, wenn der Kultusminister kommt.
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An der Helmholtzschule tragen die Schülerinnen und Schüler immer Masken – nicht nur, wenn der Kultusminister kommt.

Schule

Kultusminister Alexander Lorz will digital durch die Pandemie

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Hessens Kultusminister Alexander Lorz setzt in der Pandemie auf Fortschritte beim digitalen Unterricht. An der Helmholtzschule in Frankfurt muss er sich kritischen Fragen stellen.

Es erwarten 30 Schülerinnen und Schüler den Kultusminister am Mittwochmorgen in der Frankfurter Helmholtzschule. In Präsenz. Und 50 Eltern – auf Distanz. Sie sind nicht in der Aula, sondern über die Schul-Cloud zugeschaltet. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ist gekommen, weil er sich über die Organisation des Unterrichts unter Corona-Bedingungen informieren will, aber auch wegen der Schul-Cloud. „Es gibt Pionierschulen bei der Digitalisierung, die sich darum schon vor der Pandemie gekümmert haben“, sagt Lorz. „Die zeigen können, wie die Herausforderungen gemeistert werden können.“

An der Helmholtzschule gibt es die Schul-Cloud mit virtuellen Klassenzimmern, Videofunktion, Office-Paket und digitalen Klassenbüchern seit 2014. „Wir konnten im März nach der Schulschließung von einem Tag auf den anderen umschalten“, sagt Schulleiter Gerrit Ulmke. Von Präsenz auf Distanz. Unterricht sei sofort nach Stundenplan abgelaufen. Lehrkräfte hätten etwa Lernvideos gedreht oder Videokonferenzen gehalten. Und einiges ausprobiert. „Viel falsch machen konnten wir ja dabei nicht, es gab ohnehin keine Standards.“

An diesem Tag nutzen nun die Eltern die Schul-Cloud, um dem Kultusminister Fragen zu stellen. Zum Beispiel, warum sich eigentlich nicht an die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts gehalten werde, ab einer Inzidenz von 50 die Klassen zu teilen. Für Lorz sind aber halbierte Klassen auch halbierter Unterricht. „Die Epidemiologen haben ihre infektiologische Sicht, wir müssen das Gesamtbild im Blick haben.“

Und eben auch dem Bildungsauftrag gerecht werden. Es trete deshalb kein Automatismus bei einer bestimmten Inzidenz ein, sagt Lorz. Im Rhein-Main-Gebiet etwa sei das Infektionsgeschehen diffus und deswegen sei eine Maskenpflicht im Unterricht angeordnet worden. „In Kassel bei derselben Inzidenz nicht, weil es dort klar eingrenzbar ist.“ Wann aber der Hebel auf Schichtbetrieb umgelegt werde, entschieden am Ende die Gesundheitsexperten vor Ort.

Aber Schulen könnten auf freiwilliger Basis Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse während der Pandemie mit bis zu 25 Prozent der Wochenstunden über digitale Angebote unterrichten. „Das gibt die Möglichkeit zur Entzerrung.“ Und zum Üben in Zeiten, in denen die Pandemie nicht dazu zwinge, sagt Lorz. Denn „temporär und punktuell werden sich Schulschließungen nicht vermeiden lassen“, sagt er. Oberstes Ziel sei aber, die Schulen offen zu halten.

Für Lorz hat die Digitalisierung während der Pandemie große Bedeutung. Da habe sich viel bewegt. „Aber die einen sind weit, die anderen haben noch einen weiten Weg zu gehen.“ Am Ende werde aber Distanzunterricht in Hessen einheitlich funktionieren. „Doch im Moment sind wir noch mitten im Prozess und statten 2000 Schulen aus.“ Im November sei nun das hessische Schulportal flächendeckend einsatzfähig, Endgeräte besorgten die Kommunen. Dienstlaptops für alle Lehrkräfte könnten ab Ende 2020 beschafft werden.

Auch das Lüften beschäftigt die Eltern: Warum es kein Geld gebe, um Klassenzimmer mit Luftreinigern auszustatten, fragen sie. Für Lorz sind die Geräte „kein Allheilmittel“, könnten aber eine ergänzende Maßnahme sein. Deswegen gebe es für die Anschaffung ein Zehn-Millionen-Programm. „Aber nach Experten hilft Lüften am meisten.“ Lorz sieht die Schulen für den Winter gut aufgestellt. „Wir arbeiten seit Monaten daran, dass der Schulbetrieb funktioniert – und er funktioniert.“ Zwar sei der Stein der Weisen im Umgang mit der Pandemie noch nicht gefunden, aber Lorz ist überzeugt, dass Schulen nun auch Möglichkeiten finden, alle 20 Minuten zu lüften.

Schulleiter Ulmke sieht da auch gar kein Problem. „Wir haben schon immer gelüftet, jetzt eben mehr.“ Den Eltern habe er geraten, bei der Kleidung der Kinder auf das Zwiebelprinzip zu achten. Damit sich an- und ausgezogen werden kann. „Dann hat man eben mal eine Jacke mehr an“, sagt Ulmke.

Ein Schüler macht sich dagegen Gedanken um die Abiturzeugnisse: „Kann es da nicht einen Eintrag geben, dass das Abitur unter Corona-Bedingungen gemacht wurde?“ Lorz will darüber nachdenken. Er glaubt aber, dass sich die Erfahrung mit der Pandemie tief in der Gesellschaft einpräge. „Bei einem Abizeugnis 2020/2021 leuchten doch bei jedem sofort alle Lampen, da braucht es gar keinen Corona-Eintrag.“ Wenn die Erfahrung aber verschüttet gehe, „dann wird der Corona-Eintrag vielleicht sogar negativ ausgelegt“. Doch daran, dass irgendjemand diese Pandemie vergessen könnte, glaubt der Kultusminister ohnehin nicht.

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