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Kein Cappuccino im Freien: Cafés und Restaurants bleiben vorerst zu. Michael Schick
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Kein Cappuccino im Freien: Cafés und Restaurants bleiben vorerst zu. Michael Schick

Corona in Hessen

Hessen: Keine Chance für Lokalbesuch

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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  • Kathrin Rosendorff
    Kathrin Rosendorff
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Das Land plant keine weiteren Öffnungsschritte. Die Gastronomen glauben bei den steigenden Inzidenzzahlen auch nicht an Essen im Freien bis nach Ostern. Gastronomieverband erwägt Klage.

Trainieren im Fitnessstudio, ein Bummel durch den Baumarkt: Die seit vergangener Woche möglichen kleinen Freiheiten könnten ein kurzes Vergnügen werden. Weitere Lockerungen werden angesichts des Anstiegs der Infektionszahlen jedenfalls auf keinen Fall hinzukommen. Das hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in seiner Regierungserklärung am Dienstag klargestellt. Er könne sich keine weiteren Öffnungen vorstellen. Doch was konkret passieren wird, wenn an drei aufeinander folgenden Tagen landesweit die Schwelle von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen erreicht ist, bleibt offen. Eigentlich hatten Bund und Länder beschlossen, dass bei einer Inzidenz von 100 die Notbremse gezogen werden soll. „Aber in unseren Verordnungen gibt es keinen Automatismus“, sagt Regierungssprecher Michael Bußer auf Anfrage. „Wie genau Hessen reagiert, wird noch beraten.“

Während andere Bundesländer die Inzidenz pro Landkreis oder kreisfreien Städten zum Maßstab nehmen, hat die Landesregierung den hessenweiten Durchschnitt gewählt. Davon profitieren derzeit die Menschen in hochbelasteten Städten wie Offenbach oder Frankfurt. Doch es wird zunehmend enger. Die landesweite Inzidenz von 100 liegt nicht mehr fern. Unabhängig davon reagieren die politisch Verantwortlichen in den Landratsämtern und Rathäusern auf hohe Infektionszahlen mit eigenen Verordnungen; etwa strengere Regeln zur Quarantäne oder auch das Aussetzen der für Montag angekündigten zusätzlichen Schulangebote.

Die Regeln

Hessen hatte zum 8. März weitere Lockerungen beschlossen. Sie sind befristet bis zum 28. März. Bedingung ist eine landesweite Inzidenz von maximal 100.

Private Treffen wurden erweitert auf zwei Haushalte mit höchstens fünf Personen, plus Kinder bis 14 Jahre.

Für den Freizeitsport gelten diese Kontaktregeln auch. Unter 14-Jährige dürfen draußen in Gruppen trainieren, Fitnessstudios unter Auflagen öffnen.
Einkaufen ist möglich in Baumärkten, Gartenmärkten, Baumschulen sowie Buchhandlungen.

Alle weiteren Geschäfte dürfen nach vorheriger Terminvereinbarung beraten und verkaufen. Erlaubt sind eine Person pro angefangene 40 Quadratmeter.

Museen, Schlösser, Gedenkstätten, Tierparks, Zoos und botanische Gärten dürfen mit Hygienekonzept öffnen. Eine Terminvereinbarung ist notwendig. jur

Fest steht: Der bei der Kanzlerinnenrunde am 7. März beschlossene Stufenplan ist Makulatur. Er sieht für den 22. März, also kommenden Montag, die Öffnung der Außengastronomie, Theater und Kinos vor. Bei einer stabilen Inzidenz unter 50 ohne, bei einer bis 100 mit vorherigem Schnelltest. Davon ist längst nicht mehr die Rede. Bouffier nannte Montag, den 1. April. Die meisten Gastronom:innen hatten auch nie damit gerechnet. Mario Furlanello, der den Bornheimer Ratskeller in Frankfurt betreibt, sagt: „Ich habe bei der Ankündigung des Stufenplans Anfang März nie geglaubt, dass wir Ende März tatsächlich öffnen werden können. Und jetzt bei den steigenden Indzidenzzahlen halte ich es für absurd, in den nächsten Wochen zu öffnen. Wir wollen doch auch nicht mit einem Superspreader-Event starten. Ich denke, nach Ostern wäre der früheste realistische Zeitpunkt.“ Er beklagt, dass die Politik von Schnelltests spreche, aber den Gastronomen keine zur Verfügung stelle. „Wir hätten im Garten genug Platz. Dann könnten wir nicht nur den Gästen einen Stuhl, Tisch und Essen anbieten, sondern auch einen Test und so garantieren, dass wirklich nur Gesunde im Garten sitzen.“

Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga in Hessen, sagt hingegen, dass Schnelltests für den normalen Restaurantbesuch nicht die Lösung seien. „Schnelltests sind realistisch bei Events von geschlossenen Gesellschaften wie bei Hochzeiten, aber beim normalen Restaurantbesuch wäre das mit Chaos besetzt.“ Das betont auch Helmut Böhm, Betreiber der Apfelweinwirtschaft „Zum Eichkatzerl“ in Sachsenhausen: „Welche der Tests sind wirklich zuverlässig? Und wir haben weder Platz noch Kapazitäten, die Gäste bei uns zu testen. Das Einzige was hilft ist: impfen, impfen, impfen.“ Er rechnet nicht vor Mai mit einer Öffnung. „Da spielt auch das Wetter mit.“

Julius Wagner sagt: „Wichtig wäre, dass das Personal in Hotels und Gastronomie geimpft wird.“ Aber dazu müsste eben erst mal genug Vakzin da sein. Der Dehoga warte nun die Entscheidung beim Bund- und Ländertreffen am Montag ab. „Wir verstehen diese Ungerechtigkeit nicht, dass Geschäfte offen und körpernahe Dienstleistungen angeboten werden dürfen, aber keine Hotels oder Restaurants öffnen dürfen. Das ist inkonsequent. Wird diese ungleiche Behandlung so bleiben, überlegen wir zu klagen.“ Wagner betont: „Entweder wir gehen in einen dritten Lockdown für alle oder es gibt eine faire Behandlung auch für die Außengastronomie und Hotels.“ Und: „Wir brauchen eine stabile Perspektive.“ Denn nur für zwei, drei Wochen zu öffnen und dann wieder zu schließen, sei nicht zielführend.

Lorna O’Sullivan, Geschäftsführerin des Dauth-Schneider in Alt-Sachsenhausen, sagt, dass auch sie keinerlei Pläne macht, in der kommenden Woche zu öffnen. „Wir fühlen uns momentan der Situation mit den täglich steigenden Inzidenzzahlen sowie der Regierung komplett ausgeliefert.“ Sie betont: „Einmal dieses Impf-Wirrwarr. Und: Warum dürfen Fitnessstudios öffnen, aber wir, die auch ein Hygienekonzept haben, nicht?“ Und ja die Situation mit den Mutationen sei gefährlich. „Aber wie lange soll das so weitergehen? Wir müssen anfangen mit dem Virus halbwegs normal zu leben und die Wirtschaft wieder aufzubauen.“

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