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Hessen: Kein Personal für kranke Kinder

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Von: Jutta Rippegather

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Eine Kinderärztin untersucht ein Kleinkind.
Eine Kinderärztin untersucht ein Kleinkind. © Christoph Boeckheler/epd

Die Bereitschaftsdienstzentralen kürzen ihre Öffnungszeiten. In der Not springt auch mal die Hausärztin ein.

Die kinderärztlichen Bereitschaftsdienstzentralen in Hessen reduzieren im neuen Jahr ihre Öffnungszeiten. Die Einschränkungen gelten für die beiden Frankfurter Zentralen an der Uniklinik und am Klinikum- Höchst, für Offenbach, Darmstadt, Gießen und Wiesbaden. Vorerst sind sie bis zum 31. März befristet. Keine Veränderungen gibt es am Standort Marburg.

Fachkräftemangel und Überlastung

Die Gründe sind wenig überraschend: „Wie im gesamten Gesundheitswesen machen der Fachkräftemangel und die Überlastung der medizinischen Fachkräfte auch vor dem ambulanten Sektor nicht halt“, teilte Eckhard Starke, das zuständige Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), am Dienstag mit. „Daher sehen wir uns gezwungen, Öffnungszeiten an die Verfügbarkeit und (Kraft-)Ressourcen des Personals anzupassen.“

Die Reduzierungen sollen demnach die Lage stabilisieren und die Patientenversorgung zu einheitlichen Zeiten verlässlich gewährleisten. „Wir sind uns bewusst, dass diese Entscheidung angesichts der Versorgungssituation und aktueller Infektionswelle gerade von Kindern und Jugendlichen schwierig ist“, räumte Starke ein. „Aber wir beugen so dem Kollaps der Versorgungsstrukturen im ärztlichen Bereitschaftsdienst vor.“ Der pädiatrischen Bereitschaftsdienst sei ein freiwilliges Angebot. „Es jetzt zeitlich einzuschränken, sorgt zumindest dafür, dass es weiterhin aufrechterhalten werden kann.“ Kinder und Jugendliche würden selbstverständlich auch im allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienst versorgt.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist die Adresse für medizinische Notfälle, die nicht lebensbedrohlich sind. Er deckt jene Zeiten ab, in denen Arztpraxen geschlossen sind, etwa die Wochenenden oder Mittwochnachmittage. In der Regel sind die Dienste in der Nachbarschaft von Kliniken untergebracht, das macht die Wege kurz. Denn viele Patient:innen steuern selbst bei Bagatellerkrankungen zuerst die Notaufnahmen der Krankenhäuser an, sie können dann weitergeschickt werden.

Bereitschaftsdienst

Für akut erkrankte Kinder und Jugendliche ist der kinderärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Der ist ab Januar nur noch Mittwoch und Freitag von 16 bis 18 Uhr geöffnet, samstags, sonntags und an Feier- und Brückentagen von 10 bis 18 Uhr.

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst für die Erwachsenen hilft Kindern und Jugendlichen aber auch. Erreichbar ist er unter der bundesweiten Hotline 116117. jur

Wie die Frankfurter Rundschau vor einigen Tagen berichtete, fällt es der KVH zunehmend schwer, den Bereitschaftsdienst abzudecken. In der Telefonzentrale 116 117, wo die Wartezeit an einem Samstagnachmittag eine halbe Stunde betrug, aber auch bei den Diensten selbst. Die dort eingesetzten Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinisch-Technische Angestellten (MTA) sind im Hauptberuf in einer Praxis oder in einem Krankenhaus tätig. Und die Arbeit dort ist aktuell mehr als fordernd. In den Kinder- und Jugendarztpraxen herrscht seit Wochen Land unter. Schuld ist eine extrem hoher Krankenstand beim Personal, gepaart mit mehreren Infektionskrankheitswellen. Viele nehmen keine neuen Patient:innen mehr auf.

Fachkräftemangel und Überlastung

In ihrer Verzweiflung wenden sich die Eltern an ihre Hausärzt:innen. „Am Freitag hatten wir insgesamt 33 Kinder“, berichtet die Marburger Allgemeinmedizinerin Ulrike Kretschmann der Frankfurter Rundschau. Sie litten unter Schnupfen. Husten, Fieber. „Und der Kinderarzt war voll.“ Am Montag war der Spuk vorbei. „Das war schon krass.“

Auch an den Kinderkliniken bleibt die Lage angespannt. Eine Entwicklung, die absehbar war, wie der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Frankfurt, Jürgen Graf, sagt: „Wir haben seit etwa einer Dekade im Herbst und Winter ein wachsendes Missverhältnis zwischen der Zahl der zu versorgenden Kinder und den vorhandenen Kapazitäten.“

Die Zahl der Infekte liege wahrscheinlich in diesem Winter nur geringfügig höher als in den Vorjahren. Doch nun komme ein Krankenstand bei den Beschäftigten hinzu „in einem Ausmaß, wie wir es bislang noch nicht gesehen haben“. Eine Chance sieht Graf in der kürzlich von einer Regierungskommission vorgeschlagenen Reform der Krankenhausfinanzierung. Das sei aber ein Prozess, der mehrere Jahre brauchen werde. mit dpa

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