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Kundgebung in Darmstadt gegen die Abschiebung.

Migration

Junger Afghane kann bleiben

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Auszubildender aus Bad Vilbel wurde in letzter Minute doch nicht abgeschoben. Drei Männer aus Hessen wurden hingegen nach Kabul gebracht. Das Ministerium gibt an, welche Straftaten ihnen zur Last gelegt wurden.

Ein junger Afghane aus Bad Vilbel, dem die Abschiebung in sein Heimatland drohte, kann zumindest vorerst in Deutschland bleiben. Der 26-jährige Saliqullah W. wurde am Dienstagnachmittag aus der Abschiebehaft in Darmstadt entlassen, wie er der Frankfurter Rundschau am Mittwoch berichtete.

Der junge Mann hatte ebenso wie Flüchtlingsinitiativen befürchtet, dass er in das zerrissene Land am Hindukusch zurückgebracht würde, aus dem er 2015 nach Deutschland geflohen war. Die Maschine nach Kabul, die am Dienstagabend von Düsseldorf mit 26 Afghanen aus ganz Deutschland startete, flog ohne ihn ab. An Bord waren drei andere Männer aus Hessen.

„Die Tage waren sehr traurig“, sagte Saliqullah W. über die Zeit in der Abschiebehaft. Die gute Nachricht, dass er zurück nach Hause, nach Bad Vilbel, dürfe, habe ihn überrascht und froh gemacht. Jetzt müsse er erst Formalien klären, bevor er wieder arbeiten dürfe.

Der Afghane befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr in einem Supermarkt in Bad Vilbel. In Afghanistan habe er Jura studiert, das Studium aber wegen der Gefahren in dem Land nicht zu Ende bringen können, berichtete er der FR. In Deutschland wurde sein Asylantrag abgelehnt.

Hessen schiebt bislang nur Straftäter und Gefährder nach Afghanistan ab. Saliqullah W. wurde die Beteiligung an einer Schlägerei im Jahr 2018 zum Verhängnis, für die er zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Er spricht von einer „Dummheit“, die ihm nicht wieder passieren werde.

Nach Ansicht des hessischen Flüchtlingsrates rechtfertigt die Straftat keine Abschiebung, zumal der junge Mann seine Bewährungszeit genutzt habe, um sich zu integrieren und die Ausbildung zu beginnen. Der Geschäftsführer des Flüchtlingsrates, Timmo Scherenberg, zeigte sich erleichtert über die Freilassung.

Das hessische Innenministerium teilte der FR auf Anfrage mit, dass am Dienstagabend drei Personen aus Hessen vom Flughafen Düsseldorf nach Kabul abgeschoben worden seien. Es handele sich um drei Männer im Alter von 21, 24 und 47 Jahren. Alle drei seien zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt und direkt aus der Strafhaft abgeschoben worden. „Zu den Straftaten gehörten versuchter Mord, Totschlag sowie verschiedene Körperverletzungsdelikte“, sagte der Ministeriumssprecher.

Die hessischen Regierungsparteien CDU und Grüne haben vereinbart, dass bei Rückführungen nach Afghanistan „vorrangig“ ausreisepflichtige Straftäter oder Personen abgeschoben werden, die dem Bereich der politisch motivierten Kriminalität oder dem Extremismus zugerechnet werden. Im Fall von Saliqullah W. hatten die Grünen nachgehakt, ob er wirklich unter diese Gruppen falle – offenbar mit Erfolg.

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