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Hessen: Integration mit Lücken

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Von: Jutta Rippegather

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Bei den Schulabschlüssen lag der Anteil der Abiturient:innen mit Migrationshintergrund bei 21 Prozent - gegenüber 37 Prozent von Kindern mit Eltern, die beide einen deutschen Pass haben.
Bei den Schulabschlüssen lag der Anteil der Abiturient:innen mit Migrationshintergrund bei 21 Prozent - gegenüber 37 Prozent von Kindern mit Eltern, die beide einen deutschen Pass haben. © Armin Weigel/dpa

Eine Migrationsgeschichte mindert Chancen bei Bildung. Auch die negativen Folgen der Pandemie sind stärker.

Menschen mit Migrationsgeschichte leiden stärker unter den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie. Sie machen seltener Abitur und sind häufiger arbeitslos, so das Ergebnis des Hessischen Integrationsmonitors. „Während sich die soziale Integration und die Teilhabe in vielen Bereichen erfreulich entwickelt, sehen wir eine Stag-nation bei bestimmten Indikatoren der Themenfelder Bildung und auch Arbeit“, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne) bei der Vorstellung des Monitors.

Höchster Anteil an Migrant:innen

Das Zahlenwerk wird seit 2010 alle zwei Jahre aktualisiert, es kommt durch Statistiken und Befragungen zustande. Berücksichtigt wurde diesmal auch die Pandemie. Daten der ukrainischen Geflüchteten flossen dabei angesichts der Kürze der Zeit nicht ein.

Bei den Schulabschlüssen lag der Anteil der Abiturient:innen mit Migrationshintergrund bei 21 Prozent - gegenüber 37 Prozent von Kindern mit Eltern, die beide einen deutschen Pass haben. Mit Beginn der Pandemie im März 2020 waren sie nach der Schule überproportional von vorübergehender Arbeitslosigkeit betroffen, und sie profitierten weniger stark von der ab Spätsommer einsetzenden Erholung des Arbeitsmarktes.

In keinem anderen Flächenland der Republik leben mehr Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund wie in Hessen. Die Hälfte der unter 18-Jährigen hat einen Migrationshintergrund, der Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 36 Prozent. Tendenz steigend. „Mir ist besonders wichtig, dass Zugewanderte hier ankommen, sich in Hessen wohl und Deutschland zugehörig fühlen“, sagte der Minister. Erfreulich sei, dass sich inzwischen 54 Prozent der Personen mit Migrationsgeschichte mit Deutschland verbunden fühlten.

Hessen ist die Nummer 1.
Hessen hat Platz 1 unter den Flächenländern © Grafik: FR

Eine bittere Erkenntnis aus dem Integrationsmonitor: In der Bevölkerung wachsen die Sorgen vor der Entwicklung des Rassismus. 2019 waren 82 Prozent der Menschen mit und 89 Prozent ohne Migrationshintergrund beunruhigt über Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass – 16 beziehungsweise 13 Prozentpunkte mehr als acht Jahre zuvor. „Integrationspolitik bleibt auch aufgrund der anhaltenden und gerade wieder stark steigenden Zuwanderung auch in Zukunft eine wichtige gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe“, sagte Klose und verwies auf diverse neue und ausgebaute Landesförderprogramme.

Höchster Anteil an Migrant:innen

Für Christiane Böhm, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion der Linken, reichen die nicht. Sie mahnte nicht nur Zahlen und Fakten, sondern politische Lösungen an: „Diese vermissen wir leider schmerzlich in Bereichen, in denen die Lücke zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund am meisten klafft – etwa bei Gesundheit und Teilnahme am Erwerbsleben."

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