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Hessen: Höchste Inflationsrate seit 1974

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Von: Gregor Haschnik

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Die Teuerungsrate steigt auf acht Prozent. Verbraucher:innen müssen vor allem für Energie deutlich mehr als vor einem Jahr bezahlen, aber auch für Lebensmittel.

Im März 2022 sind die Verbraucherpreise in Hessen gegenüber dem Vorjahresmonat um acht Prozent gestiegen. Damit ist die Inflationsrate so hoch wie seit März 1974 nicht mehr, als der Anstieg aufgrund der Ölkrise 8,3 Prozent betrug. Das hat das Statistische Landesamt am Mittwoch mitgeteilt. Im Februar 2022 lag die Inflationsrate noch bei 5,7 Prozent, im März 2021 bei 1,7 Prozent.

Die aktuellen Werte führt das Amt besonders auf viel höhere Energiepreise „infolge des Kriegs in der Ukraine“ zurück. Diese seien im Vergleich zum Vorjahresmonat im Schnitt um 46,1 Prozent gestiegen. Die größten Sprünge gab es den Angaben zufolge bei Heizöl (plus 144,5 Prozent) und Flüssiggas (plus 117,1 Prozent). Für Erdgas mussten Verbraucher:innen 78,2 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor, für Kraftstoffe 50,7 Prozent, für Strom 19 Prozent. Auch die Steigerung der CO2-Abgabe von 25 Euro auf 30 Euro pro Tonne habe eine Rolle gespielt, jedoch eine nachrangige.

Wäre Energie nicht berücksichtigt worden, hätte die Inflationsrate für diesen März bei 3,7 Prozent gelegen. Doch die Statistiker:innen registrierten deutliche Erhöhungen auch bei Lebensmitteln: Die Preise stiegen gegenüber März 2021 um 5,8 Prozent. Besonders stark fiel der Aufschlag bei Eiern (plus 17,6 Prozent), Speisefetten und Ölen (16,8 Prozent) sowie Gemüse (11,2 Prozent) aus. Fleisch kostete 6,4 Prozent mehr.

Das Amt misst jeden Monat mit dem Verbraucherpreisindex die durchschnittliche Preisentwicklung von 650 Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte kaufen. Die Veränderung zum Vorjahresmonat oder zum Vorjahr wird als Inflations- oder Teuerungsrate bezeichnet.

Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen, sagte der FR, die Entwicklung belaste „vor allem Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen. Für diese Gruppen muss gezielt Abhilfe geschaffen werden.“ Auch weil Wohnen und Mobilität immer teurer würden.

Mehr Entlastung gefordert

Die Ampelkoalition im Bund habe einige geeignete Schritte angekündigt, etwa die Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro. Aber das reiche nicht: Nach Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konsumforschung werde die Entlastung bei Geringverdienenden etwa drei Prozent des Nettoeinkommens ausmachen, bei der Mittelschicht ein Prozent. Rudolph fordert zum Beispiel, Stromsteuer sowie Mehrwertsteuer auf Strom und Gas vorübergehend zu senken und Preise eventuell zu deckeln.

Stefan Gillich, Leiter der Abteilung für Existenzsicherung, Armut und Gemeinwesendiakonie bei der Diakonie Hessen, verweist auf eine Studie der RWTH Aachen, laut der in Deutschland allein wegen der Energiepreise 600 000 weitere Haushalte unter die Armutsgrenze zu fallen drohen. Auch die Zahl der Wohnungslosen werde zunehmen. Gillich spricht sich unter anderem für günstigere Energietarife für Menschen mit niedrigen Einkommen, eine deutliche Erhöhung des Hartz-IV-Satzes und den Versuch, einen Mietpreisstopp einzuführen, aus. „Manche wissen nicht, wie sie am Monatsende ihr Auto tanken oder im Supermarkt einkaufen gehen sollen“, sagt Lisa Gnadl, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Zu den besonders Betroffenen zählten Alleinerziehende und Pendler:innen. Gnadl begrüßt die Schritte der von ihrer Partei geführten Bundesregierung. Vom Land fordert sie mehr Anstrengungen beim Ausbau erneuerbarer Energien und beim ÖPNV. Die Fahrpreiserhöhungen bei den hessischen Verkehrsverbünden müssten zurückgenommen werden.

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