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Hessen: Hindenburg-Grab auf Liste mit Orten der Demokratie

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Von: Hanning Voigts

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Die Landeszentrale für politische Bildung hat ihren Sitz im Gebäude der hessischen Staatskanzlei. Foto: Monika Müller
Die Landeszentrale für politische Bildung hat ihren Sitz im Gebäude der hessischen Staatskanzlei. © Monika Müller

Die hessische Landeszentrale für politische Bildung hat das Grab von Reichskanzler Paul von Hindenburg als Lernort der Demokratie eingeschätzt. Nach lauter Kritik bittet die Zentrale um Entschuldigung.

Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) hat sich dafür entschuldigt, dass sie die Grabstelle des ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in Marburg in eine Liste von „Lern- und Erinnerungsorten der Demokratiegeschichte in Hessen“ aufgenommen hat. Dafür war die HLZ zuvor aus dem Landtag kritisiert worden.

Die Liste sei als eine nicht abschließende Sammlung „positiver, aber auch streitbarer Lern- und Erinnerungsorte“ gedacht gewesen und habe zur Debatte anregen sollen, teilte die HLZ der Frankfurter Rundschau auf Anfrage mit. Hindenburg sei in der Liste „weder als Vorbild noch als Demokrat“ genannt und seine Verantwortung für das Scheitern der Weimarer Republik klar benannt worden. Man bedauere, dass die Liste „zu Irritationen geführt und offenbar das demokratiegeschichtliche Empfinden mancher verletzt hat“. Man habe die Liste daher von der Website der HLZ entfernt, hieß es. Es bedürfe wohl „einer konkreten Definition und breiten Aushandlung dessen, was Demokratieorte in Deutschland und auch in Hessen sein sollen“.

Zuvor hatte die SPD-Fraktion im hessischen Landtag darauf aufmerksam gemacht, dass in der Liste auf der Website der HLZ neben der Frankfurter Paulskirche, dem Frankfurter Luftbrückendenkmal und dem Geburtshaus von Georg Büchner auch die Marburger Elisabethkirche aufgeführt war, in der Hindenburg und seine Frau Gertrud von Hindenburg 1946 ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Unter dem Titel „Demokratieort – Negativort – Demokratiemahnmal?“ hieß es dazu auf der Seite der HLZ, dass Hindenburg als Reichspräsident der Weimarer Republik direkt vom Volk gewählt worden sei, als Monarchist aber nicht als „Vorbild eines Demokraten“ gelten könne. Zudem heißt es in dem Text, Hindenburg sei „umstritten“, weil er Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt hatte. Es könne daher „sicherlich Gegenstand verschiedener Debatten sein“, ob das Hindenburg-Grab als Ort der Demokratie zu begreifen sei.

„Absurder Fehlgriff“

Günter Rudolph, Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag, urteilte, die HLZ und ihr Direktor Alexander Jehn hätten sich einen „absurden Fehlgriff geleistet“. Es sei eine historische Tatsache, dass Hindenburg die Demokratie verachtet und eine wichtige Rolle beim Scheitern der Weimarer Republik gespielt habe, sagte der Sozialdemokrat. Ihn als „umstritten“ zu bezeichnen, sei eine „skandalöse Verharmlosung dieses Mannes, der offensiv die antisemitische ‚Dolchstoßlegende‘ vertrat, sich zum Steigbügelhalter Adolf Hitlers machte und letztlich der nationalsozialistischen Barbarei den Weg ebnete“.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Moritz Promny, forderte wegen des Falls eine Sondersitzung des Kuratoriums der HLZ, an der auch Jehn teilnehmen müsse. „Wir erwarten, dass Jehn dort ausführlich darlegt, wie er zu seiner Entscheidung kommt“, formulierte Promny. Danach seien Konsequenzen zu beraten.

Aus der hessischen Staatskanzlei, die für die HLZ zuständig ist, hieß es, aus Sicht der Landesregierung sei das Hindenburg-Grab „kein Lern- und Erinnerungsort der Demokratiegeschichte in Hessen“. Man werde ein „unabhängiges wissenschaftliches Expertengremium“ einberufen, das mit der HLZ und ihrem Kuratorium eine Debatte über solche Orte führen solle.

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