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Hessen: Hepatitis C im Gefängnis behandeln

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Von: Hanning Voigts

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Insassen in hessischen Gefängnissen sind überdurchschnittlich an Hepatitis C erkrankt.
Insassen in hessischen Gefängnissen sind überdurchschnittlich an Hepatitis C erkrankt. © Rolf Oeser

Ein neues Pilotprojekt soll Strafgefangene in Hessen systematisch auf Hepatitis C testen und sie anschließend in Haft kurieren. Das soll den Häftlingen, aber auch der Gesellschaft nutzen.

Die Gesundheit von Gefangenen verbessern und zugleich die Gesellschaft schützen: Mit einem Pilotprojekt will die hessische Justiz systematischer gegen Infektionen mit Hepatitis C in hessischen Gefängnissen vorgehen. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) stellte das Projekt am Donnerstag in Wiesbaden zusammen mit Jörg-Uwe Meister vor, dem Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kassel I. Das Hochsicherheitsgefängnis umfasst ein Krankenhaus und ist hessenweit für chronisch kranke Gefangene zuständig.

Wie Kühne-Hörmann erläuterte, hatte die Bundesregerung die Gefängnisse bereits vor Jahren als wichtigen Ort definiert, um das Ziel der UNO zu erfüllen, das Hepatitis-C-Virus bis zum Jahr 2030 weltweit auszurotten. Das Virus, das meist über Blut übertragen wird, verursacht eine Leberentzündung, die in der Regel symptomfrei verläuft, aber schwere Schäden verursachen kann. Infektionen gebe es besonders unter Drogenabhängigen, die auch häufiger im Gefängnis landeten, sagte Kühne-Hörmann. Man wolle die Infektionen in den Strafanstalten erkennen und behandeln, „um das zum Schutz der Gesamtbevölkerung in den Griff zu kriegen“.

Hessen und Nordrhein-Westfalen testen Gefangene auf Hepatitis C

Vom 1. Juli an sollen nun alle Menschen, die neu in der JVA Kassel I ankommen, regelmäßig darum gebeten werden, sich auf eine Infektion mit Hepatitis C testen zu lassen. Wer positiv ist, kann im Gefängnis acht bis zwölf Wochen lang die neuesten Medikamente erhalten, die meistens ohne Nebenwirkungen bleiben und die Krankheit heilen. Wer genesen ist, kann im Gefängnis und nach einer Haftentlassung niemanden mehr anstecken. Das Pilotprojekt läuft zugleich auch in Haftanstalten in Köln und Bonn und wird nach zwei Jahren evaluiert.

Wie Kühne-Hörmann ausführte, bietet ein Gefängnis gerade für drogenabhängige Gefangene gute Rahmenbedingungen, um eine vielleicht unbemerkte Infektion mit Hepatitis C auszukurieren. Die enge Betreuung durch Sozialarbeiter:innen und medizinisches Personal sowie der geregelte Tagesablauf erleichterten die Therapie.

Hessen: Der Haftalltag erleichtert die Therapie

JVA-Leiter Jörg-Uwe Meister sagte, er freue sich über den Start des Pilotprojekts gemeinsam mit Gefängnissen in Nordrhein-Westfalen. „Das Wichtigste ist, dass wir ein standardisiertes Verfahren entwickelt haben“, sagte er. Die Haft biete eine „gute Basis für die Prävention und Behandlung von Hepatitis C“. Viele Gefangene, gerade drogenabhängige, kämen in sehr schlechter gesundheitlicher Verfassung im Gefängnis an und könnten es später gesünder verlassen. Infektionen mit Hepatitis C systematisch zu erfassen und zu behandelt, nutze den Gefangenen und der Gesellschaft, weil dadurch Infektionsketten durchbrochen würden, betonte Meister. Parallel würden die Gefangenen aufgeklärt und begleitet, sodass sie sich in Freiheit im besten Fall nicht erneut mit dem Virus ansteckten.

Justizministerin Kühne-Hörmann sagte, sie erhoffe sich von dem Projekt auch neue Erkenntnisse etwa zu der Frage, wie viele Drogenabhängige bereit seien, sich auf Hepatitis C testen zu lassen und wie man sie dazu motivieren könne. Die erhobenen Daten könnten dann auch Ärzt:innen oder Drogenberater:innen nutzen, die Hepatitis-C-Kranke in Freiheit betreuten und behandelten. Derartige Daten könne keine normale Arztpraxis so gut und zuverlässig erheben wie die Gefängnisse, sagte Kühne-Hörmann.

(Hanning Voigts)

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