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Hessen: Harter Kampf gegen Hass im Netz

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Von: Jutta Rippegather

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Diskussion über den Umgang mit der Minderheit, die die Freiheit der Presse torpediert. Ein Spaziergang ist das nicht.

Tätliche Angriffe bei Demonstrationen, Anfeindungen im Netz, Zweifel an der Unabhängigkeit der Medien. Sogenannte Querdenker kündigen eine Demonstration vor einem Funkhaus an, kritische Journalisten werden zu AfD-Parteitagen nicht zugelassen. In Deutschland gibt es eine Minderheit, die an einer der wichtigsten Säule der Demokratie sägt. „Das sind erste Anzeichen dafür, die Pressefreiheit auszuhöhlen“, sagt Gabriele Holzner, Programmdirektorin beim Hessischen Rundfunk.

Ein Phänomen, das nicht nur die politische Berichterstattung betrifft. Fußballreporter werden von gegnerischen Fans verprügelt. „Die Verrohung der Gesellschaft hat zugenommen“, sagt Roel Oosthout, Programmchef bei Hit-Radio FFH. Auf Einladung der hessischen Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) berichten sie über die aktuellen Entwicklungen in der Branche.

Anlass ist der Internationale Tag der Pressefreiheit. Die gilt es zu verteidigen. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betont die Ministerin. Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein. Da ist sich die Runde einig. Das rassistische Attentat von Hanau, der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben gezeigt: „Irgendwann schlägt, was anonym im Netz war, in unser reales Leben um“, sagt der FFH-Programmchef. „In Hessen haben wir damit ja traurige Erfahrung.“

Die beste Antwort auf einen Shitstorm in den sozialen Medien, sagt seine Kollegin Holzner, seien sachliche Informationen und Ruhe behalten. Der HR stecke viel Kraft in die Moderation der Kommentare im Netz. „Das ist megaanstrengend und kostet verdammt viel Geld.“ Christian Stadtfeld von Osthessen-News berichtet von Zustimmung, aber auch Hassbotschaften und Beleidigungen, nachdem der Onlinedienst seine Leserschaft zur Corona-Impfung aufgerufen hatte. „Das war für die Kollegen nicht immer positiv.“

Auch in der Politik ist der schärfere Wind zu spüren, beklagt die Ministerin. „Die Zündschnur ist kürzer geworden.“ Die Toleranz gegenüber Andersdenkenden habe abgenommen. Die Anonymität im Netz spiele bei dieser Entwicklung eine tragende Rolle. „Das hat eine andere Qualität als face to face.“ Eine Minderheit habe die Freiheit im Netz gekapert. „Die Gesellschaft muss entscheiden, ob sie das auf Dauer akzeptieren will.“

Der Journalist Jan-Henrik Wiebe berichtet von tätlichen Angriffen bei einer AfD-Demonstration in Chemnitz. „Als Reporter auf der Straße ist es sehr unangenehm.“ Das Klima habe sich in den vergangenen Jahren verschlimmert, die Debatte über die Impfpflicht den Trend noch beschleunigt. „Die Menschen sind aggressiver gegen andere Meinungen geworden.“ Es gebe eine Gruppe, die in ihrer eigenen Blase lebe, den Kontakt zu Andersdenkenden abgebrochen habe. Es fehle an Kritikfähigkeit.

Für HR-Programmchefin Holzer ist es wichtig, dass es sich nur um einen kleinen Teil der Gesellschaft handele. Sie plädiert dafür, dieser Minderheit weiter professionell zu begegnen. „Immer wieder den Dialog suchen, nicht von oben herab, sondern in den Austausch gehen“, lautet ihre Forderung. Ein Spaziergang sei dies nicht. Auch sie persönlich habe schon Morddrohungen erhalten. „Wir müssen auch in Kauf nehmen, dass es ungemütlich wird.“

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