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Schluss mit den Schottergärten

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Von: Jutta Rippegather

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Schottergärten sind Insektenkiller und heizen die Städte im Sommer auf. Rolf Oeser
Schottergärten sind Insektenkiller und heizen die Städte im Sommer auf. © Rolf Oeser

Gärten des Grauens sollen verboten werden, große Glasfächen ebenfalls. Auch in der Nacht geht es um Artenschutz.

Schluss mit den Schottergärten. Schluss mit der Lichtverschmutzung, die gleichfalls zum Insektensterben beiträgt. Und mit großen spiegelnden Glasflächen, an denen mehr Vögel verenden als an Windkraftanlagen: Hessen nimmt nach mehr als 40 Jahren einen Anlauf für ein großes neues Naturschutzgesetz. Das nimmt die gesamte Bevölkerung in die Verantwortung – in der Stadt wie auf dem Land. Mit dem am Mittwoch im Landtag eingebrachten Gesetzentwurf will die grüne Umweltministerin Priska Hinz nicht weniger als eine „Trendumkehr“ bewirken: Bedrohte Arten sollen sich erholen, verschwundene zurückkehren, zerstörte Lebensräume wiederhergestellt werden. Klimakrise und Schutz der Artenvielfalt würden dabei stets zusammengedacht, sagte Hinz. Das Regelwerk setze auf das Prinzip Freiwilligkeit. Auf Förderung und Beratung der Besitzer:innen und Landwirt:innen. Darauf, Naturschutzverbände und das Ehrenamt zu stärken.

Der Naturschutzbund (Nabu) appellierte im Vorfeld der Debatte an die Parteien schnell zuzustimmen. Ein effektiver Natur- und Klimaschutz gehöre zu den wichtigsten Überlebensfragen. „Ohne eine deutliche Trendumkehr werden immer mehr Arten aus unserer Landschaft verschwinden, weil wir ihre Lebensräume zerstören“, warnte Nabu-Landesvorsitzender Gerhard Eppler und erinnerte an die laufenden Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Union wegen erheblicher Defizite im deutschen Naturschutzrecht.

Die Eckpunkte

Alle haben das Recht auf Naturerlebnisse und Erholung in der freien Landschaft. Außerschulische Bildung ist gesetzlich festgeschrieben.

Auf 15 Prozent der Flächen hat die Natur Vorfahrt. Geschützt sind Streuobstwiesen, artenreiches Grünland, Naturwälder, Moore, Auen.

Zum Schutz von Insekten und Vögel sind Schottergärten, Lichtverschmutzung, neue Glasfassaden verboten. jur

Mit Ausnahme der AfD zog keine Fraktion die Notwendigkeit in Zweifel, dem Naturschutz neue Regeln zu geben. Die Linke forderte dazu aber mehr Anstrengungen und Verbindlichkeiten. Die Naturzerstörung im Dannenröder Forst, in Lützerath oder im Fechenheimer Wald schürten Zweifel, wie stark der Wille der Grünen zum Artenschutz ist, sagte die Abgeordnete Heidemarie Scheuch-Paschkewitz. Wiebke Knell von der FDP warf Hinz vor, in der Vergangenheit mehr auf Verbote gesetzt zu haben statt auf Zusammenarbeit. Sie hoffe, dass die Ministerin künftig anders handelt. Kritik übte Knell an der Rolle des Staatswalds. Da der Großteil stillgelegt werde, müsse Holz importiert werden. Das habe keinerlei Vorteile für den Umweltschutz.

Sozialdemokrat Gernot Grumbach sieht die Zeit gekommen, die Rolle des Naturschutzes neu zu definieren. Es sei richtig, auch genutzte Räume wie Siedlungsflächen einzubeziehen. In den Städten sei die Vielfalt der Tiere mitunter größer als auf dem Land. „Da werden eine Reihe von Konflikten auf uns zukommen.“ Grumbach begrüßte auch die Erweiterung um das Thema Nacht. Der klare Akzent auf die Insekten werde deren wichtiger Rolle bei der Lebensmittelproduktion und damit Ernährungssicherheit mehr als gerecht. „Der Bambinaturschutz reicht nicht.“ Nach Ansicht des SPD-Politikers sollte Naturschutz überall mitgedacht werden. Was wohl nicht zu verhindern sei, ist, dass wegen des Klimawandels zwangsläufig bestimmte Arten aussterben – etwa bei den Zugvögeln, die zu spät zurückkehren. Er freue sich auf die nun anstehenden Diskussionen mit Fachleuten: „Es gibt wenig Anhörungen, auf die ich so gespannt bin wie zu diesem Gesetz.“

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