Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Lernen zu Hause ist längst nicht so gut wie in der Schule. Das ist eine Erkenntnis aus der Corona-Pandemie.
+
Lernen zu Hause ist längst nicht so gut wie in der Schule. Das ist eine Erkenntnis aus der Corona-Pandemie.

Bildung

Massive Defizite und Lehrermangel: Hessen gibt den Schulen mehr Geld

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
    schließen

Die Budgets werden aufgestockt, um die Lernrückstände vor Ort in Eigenregie aufzuholen. Ein Viertel der Schülerschaft hat massive Defizite, ist man sich im hessischen Landtag einig.

Wiesbaden – Der Befund ist erschreckend: Rund ein Viertel der hessischen Schülerinnen und Schüler hat substanzielle Probleme. Die Rückstände im Lernen sind groß, und zwar sowohl beim Unterrichtsstoff als auch im sozialen Lernen und der psychischen Verfassung. Schulschließungen, Unterricht auf Distanz oder auch so gut wie gar kein Unterricht zeigen ihre Folgen.

Soweit sind sich im hessischen Landtag die Vertreter:innen aller Fraktionen und der Landesregierung einig, wie die Debatte am Donnerstag deutlich gemacht hat. Man werde, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU), „einen langen Atem brauchen“, um das aufzuholen.

Hessen: Ausmaß der Defizite an Schulen erfassen

Wie dies geschehen könnte, dazu gibt es teils sich überlagernde, teils auch klar voneinander abweichende Vorstellungen. Anlass der Redebeiträge im Plenum des Landtags waren Anträge von FDP und SPD. Über diese soll nun weiter im kulturpolitischen Ausschuss beraten werden.

Moritz Promny (FDP), dessen Fraktion einen Antrag dazu gestellt hatte, wie Lernrückstände aufgeholt werden könnten, warf der Landesregierung vor, bislang nicht einmal den Versuch gemacht zu haben, das Ausmaß der Defizite und die Betroffenheit der jeweiligen Schulen beziehungsweise der Kinder und Jugendlichen wenigstens stichprobenartig zu erfassen. Dies müsse dringend geschehen, um gezielt fördern und Rückstände ausgleichen zu können, so Promny. Das sei die Hauptaufgabe der nächsten Schuljahre, „sonst ziehen sich die Lücken durch die ganzen Bildungsbiografien und wir nehmen den Kindern und Jugendlichen Lebenschancen“, so der FDP-Politiker.

Hessen will Schulen mehr Gelder zukommen lassen

Das Land müsse „digitale Schuljahre“ zum individuellen Nachlernen bereitstellen, Gutscheine für private Nachhilfestunden ausgeben und für die Schüler:innen Unterstützung durch Lehramts-Studierende als Lern-Buddys organisieren, lauteten einige Vorschläge der FDP.

Lorz räumte ein, dass die Kinder und Jugendlichen in vielen Bereichen Förderangebote benötigten. Im Schuljahr 2021/22 sollen deshalb Mittel, die üblicherweise für Vertretungsstunden zur Verfügung stünden, wegen Corona aber nicht abgerufen wurden, zur Lernkompensation eingesetzt werden. Um welche Summe es sich handele, sagte Lorz nicht. Es sei aber ein „erheblicher“ Betrag.

Das Geld soll teilweise für zentrale Angebote verwendet werden, wie die bereits existierenden Feriencamps. Das zentrale Element aber sei, so Lorz, dass die Budgets der Schulen aufgestockt würden. Die Schulen sollen dann selbst entscheiden können, welche Maßnahmen sie nutzen wollten. Sie könnten beispielsweise Förderkurse einrichten, Lernbegleitungen im Unterricht organisieren, Hausaufgaben-Hilfen ausbauen und dafür auch Personal einstellen. „Das ist der Königsweg“, zeigte der Minister sich überzeugt.

Hessen: „Wir wissen, dass dieses Aufholen Zeit braucht, und wir geben euch die Zeit.“

Daniel May vom grünen Koalitionspartner sagte, die Mittel an die Schulen sollten auch nach sozialen Kriterien verteilt werden, um jene zu erreichen, die eine Förderung besonders nötig hätten. Die Botschaft sei: „Wir wissen, dass dieses Aufholen Zeit braucht, und wir geben euch die Zeit.“

Kritik kam von den Linken. Deren Sprecherin Elisabeth Kula forderte einen grundlegenden Wandel in der Schule. Es müsse viel mehr als bisher um die individuelle Förderung von Stärken gehen, gebraucht werde eine inklusive „Schule für alle“, die ganztägig arbeite.

Für die SPD, die in ihrem Antrag ein Förderprogramm für psychische Gesundheit und soziales Miteinander fordert, sagte Christoph Degen: „In der Landesregierung herrscht immer noch Ahnungslosigkeit vor.“ Es sei falsch, die Schulen zu schließen. Rund 243 000 Schüler:innen, ein Drittel der Schülerschaft, seien seit Mitte Dezember nicht mehr im Klassenzimmer gewesen. Die soziale und emotionale Entwicklung sei dadurch sehr gefährdet, der Tagesrhythmus fehle ebenso wie die Freunde. „Wir müssen“, so Degen, „dringend aus dem Klein-Klein heraus.“ (Von Peter Hanack)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare