Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hessen

Hessen gewann durch Negativzinsen

Das Land Hessen profitierte jahrelang mit Millionenbeträgen von Negativzinsen. In Corona-Zeiten hat sich das geändert

Negativzinsen haben die Finanzwelt auf den Kopf gestellt. Sparerinnen und Sparer mussten in den vergangenen Wochen die Erfahrung machen, dass sie für ihr angelegtes Geld keine Zinsen mehr erhalten, sondern im Gegenteil drauflegen.

Das Land Hessen hat mit dem Thema schon seit Jahren zu tun. Bevor kleine Sparerinnen und Sparer betroffen waren, mussten institutionelle Anlegerinnen und Anleger bereits Zinsen bezahlen. Die Bilanz aus diesen Geschäften sieht für Hessen gut aus. Denn das Bundesland legt zwar Geld an, nimmt aber in einem viel größeren Ausmaß Kredite auf. Dadurch streicht Hessen schon seit Jahren Gewinne durch Negativzinsen ein.

Das hat der hessische Finanz-Staatssekretär Martin Worms (parteilos) jetzt in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage aufgeschlüsselt. Nachgefragt hatte der Frankfurter AfD-Landtagsabgeordnete Rainer Rahn.

Nach Auskunft des Staatssekretärs musste das Land in der Zeit von 2016 bis 2020 insgesamt sechs Millionen Euro an Negativzinsen berappen. Im gleichen Zeitraum kassierte es aber gut 39 Millionen Euro an Negativzinsen von Instituten, bei denen Hessen Kredite aufgenommen hatte. Reingewinn: mehr als 33 Millionen Euro.

Negativzinsen

Immer mehr Geldhäuser kassieren Negativzinsen, so genannte „Verwahrentgelte“, für Geldanlagen auf ihren Konten, die einen bestimmten Betrag übersteigen.

Bereits seit 2014 müssen die Banken Negativzinsen für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen. In diesem Jahr hat die Zahl der Institute deutlich zugenommen, die diese Negativzinsen an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. pit

Dabei fiel das Jahr 2020 allerdings aus dem Rahmen. Während in den Vorjahren teilweise Überschüsse von mehr als zehn Millionen Euro durch Negativzinsen erzielt wurden, gab es im ersten Corona-Jahr Verluste. Zusätzlichen Einnahmen von gut drei Millionen Euro standen für 2020 Ausgaben von 4,7 Millionen Euro gegenüber.

Grund dafür war nach den Worten von Staatssekretär Worms eine neue „strategische Ausrichtung“ in der Pandemie-Zeit. Mitte März 2020 entschied sich das Land demnach, höhere liquide Mittel bereitzuhalten, um für unvorhersehbare Krisen gerüstet zu sein und „notwendige Ausgaben jederzeit leisten“ zu können. Für diese rasch verfügbaren Mittel habe man „in Kauf genommen, dass für die Geldanlage negative Zinsen zu zahlen sind“, schreibt Worms. Damit solle Schluss sein, wenn „angesichts einer günstigen epidemiologischen Entwicklung für eine solche Liquiditätsvorsorge kein Bedürfnis mehr“ bestehe. Ob das 2022 möglich sei, lasse sich noch nicht sagen. Für das laufende Jahr ist jedenfalls noch mit einem Minusgeschäft zu rechnen. Die Landesregierung geht davon aus, dass Hessen 2021 zwischen 4,5 und fünf Millionen Euro an Negativzinsen aufwenden muss, etwa so viel wie 2020.

Unklar ist, wie stark die Negativzinsen sich auf öffentliche Einrichtungen und Unternehmen in Hessen auswirken. „Es ist bekannt, dass Unternehmen in öffentlicher Hand abhängig von der Höhe der flüssigen Mittel, über die sie verfügen, auch schon Negativzinsen zahlen mussten“, stellt Staatssekretär Worms fest. Wie viele Institutionen davon aber in welcher Höhe betroffen seien, lasse sich nicht mit vertretbarem Aufwand ermitteln.

Seit dem Jahr 2014, als die ersten Banken Negativzinsen weitergaben, muss sich die Politik damit beschäftigen. So tätigt das Land nach Angaben von Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) sogenannte Derivate-Geschäfte, um Negativzinsen zu vermeiden.

Derivate-Geschäfte von Boddenbergs Amtsvorgänger Thomas Schäfer (CDU) waren in Misskredit geraten, weil sie Zinssätze für die Kreditaufnahme des Landes auf Jahrzehnte festlegten, die aus heutiger Sicht zu hoch ausfielen. Seit 2014 verzichtet das Land auf den Abschluss von Derivat-Geschäften – außer für Derivate, die so konstruiert sind, dass mit ihrer Hilfe Negativzinsen vermieden werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare