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Hessen: Geburtsstationen in Gefahr

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Von: Jutta Rippegather

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Dem Klapperstorch ist es egal, dass die Wege zum nächsten Kreißsaal immer länger werden. Werdenden Müttern nicht.
Dem Klapperstorch ist es egal, dass die Wege zum nächsten Kreißsaal immer länger werden. Werdenden Müttern nicht. Michael Schick © Michael Schick

Es fehlt das Geld und Personal. In einer Sondersitzung diskutiert der Landtag über Probleme der ländlichen Versorgung.

In Dillenburg droht die Schließung der Geburtsstation. Auch in Fritzlar können womöglich bald keine Babys mehr im Krankenhaus zur Welt kommen. Die hessische Linksfraktion sieht einen Trend. Sie befürchtet, dass Schwangere in Hessen künftig immer weiter fahren müssen, um in Sicherheit niederzukommen.

Besorgniserregende Situation

„Seit 2008 wurden bereits ein Drittel der Geburtskliniken geschlossen, das Sterben der wohnortnahen Schwangerenversorgung geht nun offensichtlich in die nächste Runde“, mutmaßt Linkenpolitikerin Petra Heimer am Montag im Gesundheitsausschuss des Landtags. Die Entwicklung sei besorgniserregend, die Landespolitik offenkundig nicht interessiert. Aus diesem Grund hat die Linksfraktion die Sondersitzung am Montag beantragt. Von der schwarz-grünen Landesregierung gebe es zu den beiden Kliniken bisher keinerlei nennenswerten Aktivitäten oder öffentliche Wortmeldungen.

Die Probleme sind unterschiedlich gelagert. Der Geschäftsführer des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar hat einen Brandbrief an die Landesregierung geschickt. Die Klinik sei gegenüber Nachbarhäusern benachteiligt, weil sie seit 2019 nicht mehr den „Sicherstellungszuschlag für geburtshilfliche Kliniken im ländlichen Raum“ erhält.

Ärztliches Personal fehlt

Die kommunalen Lahn-Dill-Kliniken hingegen sagen, entscheidend für die weitere Existenz der Station sei, dass sich drei leitende Ärzt:innen für den Betrieb der Gynäkologie und Geburtshilfe in Dillenburg fänden. „Trotz Ausschöpfung aller modernen Möglichkeiten der Personalrekrutierung haben wir bislang leider nur eine Bewerbung erhalten“, hatte Tobias Gottschalk dieser Tage mitgeteilt, Sprecher der Geschäftsführung der Lahn-Dill-Kliniken. „Uns ist es sehr daran gelegen, die Abteilung weiterzuführen.“

In der Sondersitzung des Ausschusses am Montag geht es lediglich um Dillenburg. Sollte die Station schließen, bleibe die Versorgung gewährleistet, versicherte Anne Janz (Grüne), Staatssekretärin im Sozialministerium. Das Land habe die Rettungsdienste gebeten, sich vorzubereiten. Die Kliniken in Wetzlar und Siegen im benachbarten Nordrhein-Westfalen seien bereit, Patientinnen zu übernehmen. Die Wege würden allerdings länger.

Für SPD-Gesundheitsexpertin Daniela Sommer ist das Personalproblem nicht nur ein ärztliches. Und es ist hausgemacht: Dass es Engpässe gibt, sei seit Jahren bekannt. Die Landesregierung habe dies in der Vergangenheit stets bestritten. Und versäumt, bei angehenden Auszubildenden explizit für die spezialisierte Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger:in zu werben. Janz weist die Vorwürfe zurück. Hessen unternehme viel gegen den Fachkräftemangel; als Beispiel nennt sie die Stichworte Wertschätzung und Landarztquote.

Die Linke gehe falsch in der Annahme, dass Dillenburg insgesamt auf der Kippe steht, sagt Janz. „Die mögliche Schließung der Geburtsstation wäre kein Einstieg in die Schließung des gesamten Standorts“, sagt sie, räumt aber auch ein, dass die Landesregierung keinen Einfluss besitze. „Krankenhäuser werden wie wirtschaftliche Betriebe geführt.“ Das Ministerium könne lediglich das Management dabei unterstützen, das Haus offen zu halten.

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