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Hessen: Für ein Nachtfahrverbot durchs Mittelrheintal

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Von: Jutta Rippegather

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Bahntrasse im Mittelrheintal.panthermedia / kinek00
Bahntrasse im Mittelrheintal.panthermedia / kinek00 © PantherMedia / kinek00

Das Netzwerk fordert sofort Lärmentlastung statt einer Ausweichtrasse. Deren Bau werde erst in Jahrzehnten beginnen.

Die Chance auf eine alternative Güterzugstrecke zur Entlastung des Oberen Mittelrheintals wächst. Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) würde sie mit 6,8 Milliarden Euro weniger kosten als bisher angenommen. Die dort lebenden Menschen wollen sich nicht noch weitere Jahrzehnte vertrösten lassen, mahnt das Bürgernetzwerk Pro Rheintal. Sie bräuchten jetzt Entlastung. „Tempolimit und Nachtfahrverbote statt Ausweichstrecken-Träume“, fordert Frank Gross vom Bürgernetzwerk Pro Rheintal.

Mehr Güterverkehr wegen Klimawandel

Weniger pessimistisch reagiert Willi Pusch auf Wissings Aussage, Sprecher der Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn. Pusch fordert, in einem ersten Schritt den Wirtschaftskorridor zwischen den großen Seehäfen im Norden und dem Tiefseehafen Genua im Süden mit der geplanten Alternativtrasse zu entschärfen. Wegen des Klimawandels werde der Rhein als Transportweg an Bedeutung verlieren. Mehr Güterverkehr werde auf die Schiene verlagert, der Lärm werde wachsen.

Machbarkeitsstudie positiv

Das Bundesverkehrsministerium hatte dieser Tage seine Machbarkeitsstudie an die betroffenen Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen verschickt. Dabei geht es um den Bau eines gut 100 Kilometer langen Tunnelsystems durch Westerwald und Taunus für Güterzüge. Katy Walther, Sprecherin der hessischen Grünen für Lärmschutz, fordert Wissing und die Deutsche Bahn auf, angesichts der positiven Prognose umgehend zu handeln: „Die auf der Strecke verkehrenden Güterzüge bedeuten für die Anwohner:innen Lärm, Erschütterungen und damit auch Gesundheitsgefahren, gegen die Hessen und Rheinland-Pfalz seit Jahren gemeinsam kämpfen.“ Auch dürfe der Minister die Alternativtrasse nicht als Vorwand nutzen, die Ertüchtigung der Strecke Hagen/Köln-Siegen-Gießen-Hanau zu verschleppen. „Diese könnte die Anwohner:innen im Mittelrheintal schon mittelfristig spürbar entlasten und ist daher ebenfalls zeitnah anzugehen.“

Pro Rheintal-Vorsitzender Gross rechnet frühestens in 50 Jahren mit einem Baubeginn, zweifelt zudem an der Aussage, dass die Kosten günstiger würden als angenommen. Schienenlärm sei das Problem alter Waggons und schlechter Schienen. Das lasse sich nicht mit milliardenteuren Ausweichstrecken lösen, sondern nur mit akustischen und technischen Vorgaben. Trotz der Umrüstung auf Flüsterbremsen würden, vor allem nachts, die Lärmgrenzen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des Arbeitsrechts und anderer seriöser Schutzvorschriften „massiv überschritten“, moniert Gross. Der kritische Zustand sei erreicht, die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung erforderten sofortiges Handeln. Tempolimits und Nachtfahrverbote seien dringend erforderlich. Zudem verliere die ohnehin wirtschaftsschwache Region touristisch zunehmend an Bedeutung. „Eine Unesco-Welterbestätte, in der nachts niemand schlafen kann, weil alle drei Minuten ein Güterzug mit mehr als 100 dB(A) Lärm durchfährt, ist schlicht frevelhaft.“

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