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Hessen: Fritz Bauer mit Leuschnermedaille geehrt

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Von: Gregor Haschnik

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Gedenktafel für Fritz Bauer an seinem ehemaligen Wohnhaus.
Gedenktafel für Fritz Bauer an seinem ehemaligen Wohnhaus. © christoph boeckheler*

Ministerpräsident Rhein würdigt Staatsanwalt posthum für Aufklärung von Nazi-Verbrechen

Fritz Bauer, früherer hessischer Generalstaatsanwalt und Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, ist posthum mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille ausgezeichnet worden. Während der Verleihung am Donnerstag auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität sagte Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) über Bauer: „Als Ankläger einer ganzen Epoche zwang er die Gesellschaft zum Hinsehen und zur Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus.“

Marit Tiefenthal und Pernilla Öhman, Bauers in Schweden lebende Großnichten, nahmen die Auszeichnung entgegen. „Manchmal muss man eine Position vertreten, die weder sicher noch diplomatisch noch populär ist; man muss sie vertreten, weil das Gewissen es gebietet“, erklärte Tiefenthal die Haltung ihres 1968 verstorbenen Onkels, der aus einer deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie stammte und aus politischen Gründen für einige Monate im Konzentrationslager Heuberg inhaftiert war.

Mit der nach dem Gewerkschafter, Sozialdemokraten und NS-Widerstandskämpfer Wilhelm Leuschner benannten Medaille, der höchsten Auszeichnung des Landes, werden am hessischen Verfassungstag Menschen geehrt, die sich für Demokratie und Gerechtigkeit eingesetzt haben. SPD-Fraktionschef Günter Rudolph würdigte Bauer als „Kämpfer für die Demokratie“ und tragende Figur des Auschwitz-Prozesses. Es könne keinen würdigeren Preisträger geben, so Rudolph.

Leider seien einige Vergaben in den vergangenen Jahren zumindest fragwürdig gewesen. Kritik gab es etwa an der Ehrung des einstigen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), weil dieser für Sozialabbau und rassistischen Wahlkampf gestanden habe. Rudolph schlägt vor, die Verleihung der Medaille einem Kuratorium zu übertragen. gha

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