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Hessen: Ex-Bundeswehrsoldat soll Nazi-Kampftruppe geplant haben

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Von: Hanning Voigts

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Soldaten der Bundeswehr. Ein ehemaliger Soldat der Bundeswehr soll im hessischen Glashütten eine Nazi-Kampftruppe geplant haben. (Symbolbild)
Soldaten der Bundeswehr. Ein ehemaliger Soldat der Bundeswehr soll im hessischen Glashütten eine Nazi-Kampftruppe geplant haben. (Symbolbild) © Sina Schuldt/dpa

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen einen 22 -Jährigen aus Glashütten, der Waffen für schwere rechte Gewalttaten gehortet haben soll. Es gibt weitere Angeklagte.

Frankfurt - Die Staatsanwaltschaft Frankfurt erhebt Anklage wegen Terrorverdachts gegen einen 22 Jahre alten ehemaligen Soldaten aus Glashütten im Taunus, der geplant haben soll, eine nationalsozialistische Kampfgruppe aufzubauen und Anschläge zu begehen. Wie die Behörde mitteilte, würden dem Mann, der nach FR-Informationen Tim F., heißt, die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz vorgeworfen. Außerdem muss er sich wegen mehrerer Körperverletzungen und Beleidigungen zum Nachteil seiner Ex-Freundin verantworten.

Parallel wird dem 21 Jahre alten Bruder und dem 64-jährigen Vater von Tim F. der Prozess gemacht. Beide sollen von seinen Plänen gewusst und diese gebilligt haben. In Bezug auf die Terrorplanungen wird beiden nur Beihilfe vorgeworfen, die waffenrechtlichen Verstöße sollen die drei Männer allerdings gemeinsam begangen haben. Alle drei sitzen seit Februar vergangenen Jahres in Untersuchungshaft.

Hessen: Ex-Bundeswehrsoldat wegen Vorbereitung einer schweren Straftat angeklagt

Laut Staatsanwaltschaft soll Tim F., der zuletzt als Stabsdienstsoldat mit dem Dienstgrad Hauptgefreiter in Pfullendorf in Baden-Württemberg stationiert war, eine Offizierslaufbahn einschlagen wollte und im April vergangenen Jahres aus der Bundeswehr entlassen wurde, bereits im Februar 2016 damit begonnen haben, ein rechtsextremes Manifest zu verfassen. Darin sei es um die Frage eines „Bürgerkrieges gegen den Vernichtungskrieg der Juden“ gegangen.

Tim F. soll demnach vorgehabt haben, eine rechtsextreme Kampfgruppe nach nationalsozialistischem Vorbild aufzubauen und unter Einsatz von Waffen und Sprengstoff erst Deutschland und dann die ganze Welt zu erobern. Die eroberten Gebiete sollten von Migrant:innen „gesäubert“ und Gefangene „medienwirksam eliminiert“ werden.

Ermittlungen gegen Ex-Bundeswehrsoldat in Hessen seit mehreren Jahren

Den Ermittlungen zufolge soll Tim F. spätestens ab Juli 2020 entschlossen gewesen sein, seine Planungen tatsächlich umzusetzen. Sein Vater und sein Bruder sollen das gewusst und unterstützt haben. Alle drei Männer sollen deshalb in ihrem Wohnhaus, drei auf dem Grundstück befindlichen Garagen und zwei Gärten des Vaters im Hochtaunuskreis in Hessen eine Vielzahl von Lang- und Kurzwaffen, Munition, Granaten und andere Sprengstoffe gehortet haben. Für den Besitz der laut Staatsanwaltschaft teils aufwendig versteckten Waffen hatten die drei Männer keine Erlaubnis, sie konnten im Frühjahr und im Sommer vergangenen Jahres bei mehreren Hausdurchsuchungen sichergestellt werden.

Ins Rollen gebracht wurden die Ermittlungen von der ehemaligen Freundin von Tim F., die er mehrfach beleidigt und körperlich angegriffen haben soll. Polizei und Staatsanwaltschaft wurden erst durch eine Strafanzeige der Frau auf F. aufmerksam.

Hessen: Ermittlungen gegen Ex-Bundeswehrsoldat - Gefahr eher abstrakt

Die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, sagte der Frankfurter Rundschau auf Nachfrage, die Ermittlungen hätten bisher keine Hinweise auf bereits konkret geplante Anschläge ergeben. Die Planungen von Tim F. seien eher abstrakt gewesen. In Bezug auf die Planungen von Gewalttaten habe man aktuell „keine Anhaltspunkte“ dafür, dass der Bruder und der Vater von Tim F. als Mittäter anzusehen seien, sagte Niesen. Deshalb werde gegen sie bei dem Terrorvorwurf nur wegen Beihilfe ermittelt und gegen die ganze Familie nicht auch wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Wie Niesen weiter sagte, soll der Prozess nach bisherigen Planungen im Juni vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Frankfurt eröffnet werden.

In der jüngeren Vergangenheit waren in Hessen immer wieder rechte Anschlagsplanungen verhindert geworden. Im September vergangenen Jahres war der damals 20 Jahre alte Marvin E. aus dem nordhessischen Spangenberg verhaftet worden, der in einem selbst geschriebenen Manifest von einem „Rassenkrieg“ fantasiert und ebenfalls schwere Gewalttaten geplant haben soll. Bei einer Hausdurchsuchung waren bei dem Auszubildenden, der bei der Kommunalwahl im März vergangenen Jahres als Parteiloser auf der Liste der CDU kandidiert hatte, 600 selbstgebaute Kleinsprengkörper und sechs selbstgebaute Sprengsätze gefunden worden. Inzwischen hat der Generalbundesanwalt in dem Fall die Ermittlungen übernommen. (Hanning Voigts)

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